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Dienstag, 14. November 2017

Automobiles 25: Blinken und Winken

photo credit: mripp The future of german car industry via photopin (license)

Meinerzeit (1985), als ich in 5608 Radevormwald bei der Fahrschule Nitsch den Führerschein gemacht habe, hieß der Blinker noch "Fahrtrichtungsanzeiger" und die Ampel "Lichtzeichenanlage". Man bremste nicht, man "verzögerte". Auf den theoretischen Bögen tauchte zu allem Überfluss ständig auch noch "der Mann mit dem Handwagen" an der Kreuzung auf und wollte Vorfahrt. Ächz!
In diesen prähistorischen Tagen, als man den Flintstones näher war als den Jetsons, da wurde an der "Lichtzeichenanlage" sogar der "Fahrtrichtungsanzeiger" betätigt, wenn man denn ungleich geradeaus fahren wollte. Manchmal geriet man auch in eine Situation, da man einem entgegenkommenden Fahrzeug in einer engen Straße soviel Entgegenkommen entgegenbrachte, dass man es vorbei ließ -- der Fahrer des anderen Wagens grüßte dann freundlich mit der Hand und er lächelte dabei, manchmal gab es alternativ eine kurze Lichthupe und ein Lächeln.
Seitdem hat sich viel geändert.
Der Mann mit dem Handwagen wurde aus den Führerschein-Lernbüchern verbannt, Dinge bekamen griffigere Namen. Man kann mit Apps für die theoretische Prüfung lernen. Aber vor allem der Gebrauch der Blinker wurde von Jahr zu Jahr mehr eingeschränkt, zuletzt radikal. Die Leute fahren in der Moderne einfach in der Gegend herum, bremsen hier und da, halten an und fahren weiter, all das, ohne auch nur einmal mit dem Blinker gezuckt zu haben. Man muss raten, was die Menschen, die vor einem fahren, planen und was sie um- und antreibt. Sind die zum Genuss der Morgen- oder Abendröte unterwegs, suchen sie einen Parkplatz, wollen sie losfahren oder anhalten? Das ist nicht immer ganz ungefährlich, denn: man weiß et ja nich!
Oft kommt mir in den engen Nebenstraßen Wuppertals einer entgegen, da fahre ich mit dem Smart schnell in eine Parklücke und setze den Blinker links und warte, dass ich weiterfahren kann. Der Entgegenkommende starrt zu 80% angelegentlich geradeaus, während er an mir vorbei fährt. Ich habe gerade eine Serie, was diese Situationen angeht.
Irgendwann ist die Rücksicht, die Kommunikation, das Freundliche beim Autofahren abhanden gekommen.
Alles Aut(o)isten.

Wenn das mit dem Selbstfahren mal passé ist in den nächsten Jahrzehnten, dann muss mit dem autonomen Fahren eines ganz sicher nicht zu Grabe getragen werden: der umsichtige und freundliche Autofahrer, der steht nämlich schon jetzt auf der Roten Liste.


Donnerstag, 22. Oktober 2015

ru24: Die Zukunft ist JETZT!

photo credit: Back To The Future Car via photopin (license)

Gestern, am 21.10.2015, kam Marty McFly im zweiten Teil von "Zurück in die Zukunft" zusammen mit Doctor Emmett Brown mit dem fliegenden DeLorean in Hill Valley an. Der berühmte Zeitreisende Marty McFly fragte bei Rundumschlag24 an, ob er mich, Henning, als "Menschen der Zukunft" interviewen dürfe -- aber sicher!

Marty McFly: "Hallo Henning -- Mensch der Zukunft!"
Henning M.: "Ja, 'hallo' erstmal! :D"

Marty McFly: "Humm. Was bedeutete denn 'Doppelpunkt großes D'?"
Henning M.: "Haha! Das erfährst du noch früh genug."

Marty McFly: "Oh, gut. Dann zur ersten Frage: Mann aus der Zukunft, wie steht es mit Fusionsenergie im Jahre 2015?"
Henning M.: "Fusionsenergie... Also, der "Mr Fusion" Kleinfusionsreaktor, der Doc Browns DeLorean jetzt antreibt, ist in meinem Jahr 2015 noch genau so Zukunftsmusik wie in unserem gemeinsamen 1985. Alle möglichen Institute doktern dran herum, aber immer heißt es 'in fünf Jahren wissen wir mehr'. Wir haben ja in all den Jahren ja nicht einmal ein Atommüll-Endlager finden können, vielleicht ab 2050 (Quelle). Man weiß nur jetzt schon eines ziemlich sicher, dass es keinesfalls in Bayern liegen wird."

Marty McFly: "Ach! Und Raumfahrt? Haben wir eine Station auf dem Mond und auf dem Mars?"
Henning M.: "Leider nein. Nach der Einstellung des Space Shuttle-Programms in 2011 gibt es keinen Ersatz und wer jetzt ins All will, muss wohl mit den Russen fliegen."

Marty McFly: "Russen...? (*räusper*). Wie steht es mit Weltfrieden?"
Henning M.: "Muahahaha!!!"

Marty McFly: "Ja. Das war deutlich. ... Das liegt sicher an diesen Libyern!
Henning M.: "Ich glaube, die mischen gerade als einzige nicht mit."

Marty McFly: "So? (*räusper*). Was ist denn mit diesem Internet-Ding, von dem alle reden?"
Henning M.: "Dieses 'Internet-Ding' ist eine ganz feine Sache! Kommunikation, Unterhaltung, Shopping. Leider erfuhr die Welt vor ziemlich genau einem Monat, dass der Britische Geheimdienst GCHQ mit 'Karma Police' die größte Überwachungsmaschinerie der Welt betreibt. Seit 2007 werden hier alle alle angesurften Internet-Seiten jeder greifbaren IP-Adresse des gesamten Worldwide Web gespeichert, die Online-Daten zu Profilen zusammengefasst (Quelle). Das war den Medien nicht einmal eine Seite-2-Meldung wert. Keine Sau interessiert das."
[Der ru24-Musikvorschlag dazu: (Youtube)]

Marty McFly: "(*räusper*). Da hätte es 1985 aber einen Riesenaufstand wegen gegeben!! Wie konnten denn die Menschen binnen drei Jahrzehnten so dermaßen stumpf werden? Neue Drogen?"
Henning M.: "Nein. Damit die Leute nicht randalieren oder allgemein auf dumme Ideen kommen, gibt es jetzt alle Nasen lang verkaufsoffene Sonntage. Das klappt ziemlich super."

Marty McFly: "Hä? (kleinlaut) Und fliegende Autos?"
Henning M.: "Nope. Elektroautos. Kanzlerin Merkel kündigte eine Millionen Elektroautos in Deutschland bis 2020 an (Quelle). Und sa-gen-haft: Es fehlen zur ersten Million nur noch 982.000! Hey... Lichtblick: Elon Musk von Tesla Motors hat seine Patente der Welt geschenkt (Quelle) Wow. Jetzt könnte ja sogar Mercedes ein Elektroauto bauen! Naja, zumindest angeblich "bald" (Quelle). BMW kündigte bereits sogar einen elektrischen SUV an. Und einen Tesla Motors Konkurrenz machenden Elektrosportwagen (Link)."

Marty McFly: "Die Computer des Jahres 2015 müssen unfassbar schnell sein, oder?"
Henning M.: "Keinesfalls. Wir haben Windows. Allerdings sind Rasenmäh- und Staubsaugerroboter auf dem Vormarsch."

Marty McFly: "Aha...? ... (*räusper*). Was ist mit Holografie?"
Henning M.: "Nee. Die steckt noch immer in den Kinderschuhen. Aber in den nächsten Jahren könnte es was werden damit, sogar zum Anfassen. (Quelle)."

Marty McFly: "Och? Und wie steht es mit der Gleichberechtigung der Frau?"
Henning M.: "Nein."

Marty McFly: "Eh, gibt es ein Heilmittel gegen Krebs?"
Henning M.: "Nein."

Marty McFly: "Also, ich habe mir die Zukunft ganz anders vorgestellt."
Henning M.: "Ich auch."

Marty McFly: "Danke für das Gespräch. Sag mal, was ist das denn da eigentlich für ein kleines, leuchtendes Teil in deiner Hand, mit dem du ständig herumspielst? Ein Handschmeichler?"


Bitte vormerken: Der nächste Termin zum Faktencheck ist der 12. Oktober 802.701, da kommt dann der Zeitreisende aus "Die Zeitmaschine" bei den Elois und den Morlocks an (Link).




Sonntag, 21. September 2014

Zurück in die Zukunft

photo credit: if i only had a cassette player via photopin (license)
Früher war ja angeblich alles besser. Mittels dieses Irrglaubens sammelt sich die AfD (»Alternative für Deutschland«) an den Rändern von Parteien und Gesellschaft ihre Wähler zusammen.

Natürlich ist die Gegenwart reich an Irrungen und Wirrungen, aber – hey! Das war sie schon immer!

Die 80er waren ja nicht nur lecker Bananarama & Miami Vice: Die Achtzigerjahre, das waren Vanilia-Hosen, die kaum einem standen, Schulterpolster und Betonfrisürkes! Ich schaffte am Zauberwürfel nicht mal eine Seite, egal, wie lange ich an dem Kackteil herumkurbelte! Waldsterben war ein Riesenthema, sodass der Begriff »the waldsterben« sogar als Lehnwort in die amerikanische Sprache aufgenommen worden ist. Wenn gewisse Chemiewerke nachts ihre Abwässer in den Rhein kippten, haben Leute schon in den verseuchten Fluten stehend ihre Fotos entwickelt – weil sie es konnten. Auch gab es eine permanente unterschwellige Bedrohung durch Atomwaffen des Warschauer Paktes. Sogar unser »Freund«, der frische Franzos, hatte seine atomaren Mittelstreckenraketen freundlicherweise allesamt auf den chemisch verseuchten Rhein gerichtet, größer war die Reichweite nämlich nicht. Et war nämlich so überaus herrlich in den 80ern! Dass wir alle mal durch so einen Mist wie in »War Games« (1983) draufgehen würden, unseren »The Day After« (1983) vielleicht noch erleben mussten, das schien Gewissheit. Wir lebten in permanenter, unterschwelliger Prä-Apokalypse. Besonders schrecklich: Zwischen 1985 und 1989 hatte Modern Talking fünf Nummer-Eins-Hits in Deutschland (Link)! Reichlich Sex mit häufig wechselnden Partnerinnen hätte mich easy über das Schlimmste hinwegtrösten können, aber dummerweise kam AIDS auf (Wort des Jahres 1987) und es wurde ein bissi hysterisch. Keiner wusste 100% genau, wie & wo man sich anstecken konnte, man konnte es ja nicht googeln. Ich kann mich erinnern, mal in die Stadtbücherei gegangen zu sein, um mich in einem aktuellen Lexikon über die Immunschwächekrankheit zu informieren. Später allerdings konnte man angeblich »auch mal ’ne Tasse verwechseln« (O-Ton), aber es blieb eine Grund-Unsicherheit. 1986 nach Tschernobyl kam Gemüse mit Bequerel-Angaben drauf in den Handel, zum praktischen Selber-Entscheiden, ob die Strahlenbelastung von z.B. 2250 Bq pro Kilo durch Jod-131 für einen noch OK ist oder nicht. 1989 hat Helmut »Birne« Kohl die Wiedervereinigung durchgepeitscht, damit er als »Kanzler der Einheit« in die Geschichte eingeht. Dafür hat er allen »blühende Landschaften« versprochen. Die Option eines »Dritten Weges« (die DDR erst einmal als eigenständigen Staat zu erhalten) wurde zugunsten von sehr schnell schal werdendem Pathos und zu großer Eile verworfen. DAS wäre nämlich eine ECHTE Alternative für Deutschland gewesen, damals vor 25 Jahren.
Dafür wählen die Bewohner der betroffenen Landschaften nun vermehrt AfD – und so schließt sich elegant der Kreis.

»Life's what you make it« (Talk Talk, 1986): Also ran ans pralle Leben! Unkomplizierter wird's nämlich nicht mehr. Außer später im geschönten Rückblick 25 Jahre später von 2039 aus gesehen.
»Früher« ist gut für Anekdoten, aber zumindest ich möchte es nicht zurück.
Außerdem gabs ja nicht mal WLAN.


Dienstag, 18. Juni 2013

ru24 History 48 - Der neue Partykeller (1985)

http://goo.gl/D3L4t
1985. Für den neuen Partykeller hatte der Vater von Thomas M. ("Tom") echt was springen lassen: Ein befreundeter Schreiner hatte ihn nach Maß angefertigt und vor Ort eingebaut. Es sah zünftig aus, alles roch nach Holz und wunderbar dezent nach hochwertiger Honiglasur.

Zwei Wochen später beschlossen Toms Eltern, mal übers Wochenende wegzufahren. Das nahm Tom zum Anlaß, zu einer "kleinen Einweihungsparty" einzuladen.
Aufgrund einer sehr einschlägigen Erfahrung mit einer völlig außer Rand und Band geratenden, quasi öffentlichen Haus-Party, beschloß Tom, dieses Mal Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen:
1) Einladung von nur maximal 16 der üblichen Verdächtigen
2) Limitierung der Alkohol-Ressourcen auf maximal 16 Personen
3) Aufstellen von acht 10 l-Eimern - wenn sich schon jemand übergeben muss, dann doch bitte in eines der zahlreich herumstehenden, mehr als großzügigen Behältnisse!
Ein veritabler, wenn nicht sogar ein genialer Plan!

Kumpel Michael ("Gene") und ich waren noch bei einem gesitteten Sit-In-Geburtstag ("Moni") geladen gewesen, von wo aus wir dann gegen Mitternacht mit großen Erwartungen in Richtung Toms "Partykeller-Einweihungsparty" aufbrachen.
Angekommen, stellten wir fest, dass das Haus seltsam unbelebt aussah. Aus keinem der Fenster schien Licht, verrückterweise auch nicht aus den Kellerfenstern. Wir gingen zum unbeleuchteten Eingang, lauschten - nicht das geringste Geräusch drang aus dem Gebäude, wie unheimlich! Es war doch erst Mitternacht!
Wir schellten - nichts. Wir schellten nochmal - wieder nichts! Wir läuteten Sturm, klopften, endlich wurde die Tür einen Spaltbreit geöffnet. Ein leicht aufgedunsener und schwer angetrunkener Frank P. ("Pore") öffnet uns, sein Grinsen ging einmal um den ganzen Kopf herum. Unter einem Arm klemmte eine Flasche Ravini (= Aldi-Martini) - der einzige von der Feier verbliebene, kümmerliche Rest. Von hinter ihm aus dem Hausflur aus Richtung Kellertreppe wälzte sich süßlich ein fast greifbarer Dritte-Welt-Bordell-Mief ins Freie - wir husteten angewidert. Pores guter Laune tat das keinen Abbruch.
Wir wandten die Guter-Bulle-Böser-Bulle-Verhörtechnik an und bekamen so die ganze Story:
+++ SPOILER: Das ist jetzt mal nix für Zartbesaitete +++
Was bisher geschah:
Von den handverlesenen, geladenen 16 Gästen erschienen nur acht. Dies hatte allerdings zwei Vorteile: Erstens hatte jetzt jeder seinen eigenen Eimer und zweitens war nun doppelt so viel Alkohol wie geplant für jeden da! Hurra! Man becherte, was das Zeug hielt, die Stimmung stieg! Schon bald musste sich der Erste übergeben, fein, wie geplant in den Eimer! Das war Disziplin, das lief wie gedacht! Das Bechern ging weiter, die Stimmung stieg schier ins Unermessliche! Die Alkohol-Vorräte schrumpften zusammen wie Schnee in der Sonne! Hoch disziplinierte Zecher übergaben sich gar sittsam in die bereitstehenden Behältnisse - der geniale Plan ging ja mal sowas von auf! Die Stimmung wollte schier bersten, steigerte sich von Höhepunkt zu Höhepunkt!!! Andreas L. ("Leisi"), seines Zeichens begeisterter B-Jugend-Fußballer, hielt es vor schier aufschäumendem Übermut nicht mehr auf dem Sitzplatz! Hier brach sich brachial der innewohnende Kicker Bahn! Leisi holte aus, trat und traf! Wieder und wieder! Als ihn die arg besudelten Jungs zu Boden gerungen hatten, war es bereits zu spät: Andreas hatte alle acht schwappenden Kotzeimer elfmetermäßig durch den brandneuen, maßangefertigten Hobbykeller getreten und deren Inhalte großzügig auf Decke, Wände, Mobiliar und Zecher verteilt.
Danach begann das trunkene wie panische Reinigen des besudelten Ortes, zuletzt hatte man gegen den bitterbösen Gestank alle im Haus befindlichen Duft- und Deosprays in den Keller geblasen. Dann waren gegen 23.00 Uhr alle völlig erschöpft schlafen gegangen.
Wir fanden den Gastgeber Tom in seinem Bett vor. Als er erwachte, strahlte er wie ein Dreckeimer und lallte ein begeistertes "Hey, der Henning!", um dann ansatzlos in den Papierkorb neben dem Bett zu kotzen. Was doof war: Der Papierkorb war aus Bast und funktionierte in diesem Fall wie eine Küchen-Seihe.
Pore war in der Zwischenzeit wieder eingeschlafen, er hielt die Ravini-Flasche wie einen Teddy im Arm. Die Flasche ließ sich ihm nur entringen, indem wir eine leere Flasche in die Armbeuge nachschoben, jetzt hatten wir Neuankömmlinge wenigstens auch etwas zu trinken.
Leider hatte der Ravini mittlerweile Körpertemperatur - bäh!
Wir trollten uns nach Hause.

Dieser Partykeller hatte vermutlich die längste Zeit nach Holz mit Honiglasur gerochen.


Freitag, 8. März 2013

ru History 45 - Zu spät beim Zivildienst

http://goo.gl/vfVRV
Bereits in sehr jungen Jahren hatte ich beschlossen, dass "Bundeswehr" keinesfalls etwas für mich war. Dennoch nahm ich 18-jährig (1985) erst einmal die Einladung zur Musterung im Kreiswehrersatzamt in Solingen an. Dieses verstörende Erlebnis räumte letzte Zweifel aus - und es lag beileibe nicht nur an Solingen. Mithilfe eines Remscheider Pastors, der sich auf Verweigerungen spezialisiert hatte, schrieb ich ein ultimativ aufpeitschendes Pamphlet. Wann immer ich diese aufwühlenden Zeilen las (sechs eng beschriebene Schreibmaschinenseiten), schossen mir die Tränen in die Augen! Das war ganz, ganz großes Kino!!!
Und tatsächlich: In nächster Zukunft war das "Bundesamt für Zivildienst" für mich zuständig. Ich bewarb mich um eine Stelle bei der Lebenshilfe in Remscheid-Lennep und wurde angenommen.

Am großen Tag war ich etwas aufgeregt, fünf Minuten vor Arbeitsbeginn betrat ich das Behinderten-Wohnheim, meine neue Dienststelle für die nächsten 18 Monate.
Im feudalen Eingangsbereich stürzte sich so freudestrahlend wie eloquent ein Herr auf mich. Begeistert schüttelte er meine Hand, jauchzte: "Wunderbar! Sie sind sicherlich der neue Zivildienstleistende! Mein Name ist Kluth!"
Na, das fing ja gar nicht so schlecht an!
Herr Kluth trug ein weißes Hemd, ein Jackett und ein aufdringliches Rasierwasser. Rückblickend würde ich heute sagen, dass bei einer Verfilmung des Blogbeitrags ein Christoph Waltz (im Fatsuit & mit seit längerem überfälligen Friseurtermin) die Idealbesetzung wäre.
"Ich führe Sie herum!", schäumte er.
"So, dies ist die Großküche sozusagen. Haha! Nun, wie Sie sehen ist hier alles auf die Belange der Verpflegung der 25 Bewohner eingerichtet! Mit allem Komfort und Zurück sozusagen - haha! Wenn Sie sich selbst ein Bild machen möchten: Schauen Sie hier!"
Seine Eloquenz riß mit Elan die Schränke auf, wies auf Lebensmittel, Gewürze und Gerätschaften hin.
"Wenn Sie mir zu den Bädern folgen wollen!"
Herr Kluth verschwand energiegeladen in einem der Bäder des großen Hauses, sein Sog riss mich förmlich mit. Wortgewaltig pries er dieses und jenes. Im Handumdrehen befanden wir uns im ersten Stock, begutachtetetn die Zimmer der Bewohner, weitere Bäder, Wohnzimmer.
Die Führung dauerte jetzt schon 20 Minuten - mir schwirrte der Kopf!
Das Bonbon der Führung, den Höhepunkt hatte sich Herr Kluth für den Schluss aufbewahrt.
"Und das hier ist mein Zimmer! Haha!", er ließ sich aufs Bett plumpsen.
"Jetzt zeige ich Ihnen meine Fotoalben!", rief er aufgeregt.
"!!!", sagte ich.
Ich hatte mich 20 Minuten lang von einem Heimbewohner herumführen lassen!

So kam ich an meinem ersten Tag an der Dienststelle 15 Minuten zu spät.
Mit Herrn Kluth hatte ich in den nächsten eineinhalb Jahren noch viel Spaß.


Freitag, 18. November 2011

Alles gut

http://bit.ly/tB7YG7
Sicherlich kennt das jeder: Man geht an einem Samstagnachmittag »zwischendurch nur mal eben zum Penny«. Man hat versehentlich einen Dreitagebart, trägt ein knittriges T-Shirt mit der Aufschrift »Aliens ate my brain«. Und vor allem hat man olivgrüne Crocs an den unbesockten Füßen, ist ja kein Staatsempfang. Zugegeben, ein etwas brachialer »casual wear«. Aber man ist ja mal wieder Single. Eigentlich will man »nur mal eben« Klopapier kaufen, da sagt eine Stimme hinter einem »Henning?« Nun ja, das ist dann der Olaf oder die Silke (mit denen man auf dem »Gymmi« oder auf der »Real« war). Man plauscht ein wenig im Sinne von »Wohnst du auch noch hier?« - »Äh. Ja, aber fast wäre ich mal weggezogen, nach Hückeswagen!«, dann geht man etwas steifbeinig auseinander, ein Riesengebinde Recycling-Toilettenpapier unter dem Arm. Beide sind in diesem Augenblick froh, dass sie sich im Gegensatz zu ihrem Gegenüber gut gehalten haben.
Was bei diesen Situationen bislang immer blieb, war das Gefühl, weit hinter seinen Teenagerplänen für das Leben als Erwachsener zurückgeblieben zu sein.
Tyler Durden alias Brad Pitt faßt das im Film Fight Club elegant zusammen:
»(...) Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben das wir alle irgendwann mal Milionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar. (...).«
Aber manchmal...
Gestern Abend war ich mit Queen Mom Einkäufe machen. Natürlich im Penny. Dort lief mir Peter über den Weg. Peter von »damals«. Wir hatten als Jugendliche etliche Hansa-Pils auf unser Wohl erbrochen.
Mea culpa! Ist länger her, so 1985.
Er stellte die gefürchtete Frage: »Un, wie isset?«
»Äh... Ich wohne jetzt in Wuppertal, bin mit meiner Freundin zusammengezogen - ist super, Job ist OK, alles ist gut." Ich war selbst überrascht, es war wirklich alles gut!
Peter konterte weise: »Ja, Mann, wir sind jetzt erwachsen. Irgendwann sollte auch mal alles gut sein!«
Ja, tatsächlich.
Meine Güte.
Und fast hätte ich es verpasst!


Donnerstag, 19. Mai 2011

ru24 History 23: 1985: Informatik auf dem Gymnasium

1985: Duran Duran waren 4 Wochen auf Platz 1 der Charts mit "The Wild Boys", Murray Head sang sein grandoises "One Night in Bangkok", Paul Hardcastle brachte "19" heraus und Modern Talking hielt sich mit "The first Album" eine grausige Woche lang in den Album-Charts. (Link)

1984 bin ich als Quereinsteiger von der Realschule auf das Gymnasium gewechselt.

Nach den Erfolgen in BASIC-Programmierung auf der Realschule war es naheliegend, auch hier ab 1985 die Informatik-AG zu besuchen. Informatiklehrer war Herr Döhl, von dem man sich erzählte, dass er einmal auf einem Kurstreffen sein Glasauge in sein Bier geworfen habe. Dermaßen ausgelassen habe ich ihn gottlob nie erlebt. Dafür Vollzeit als Spaßbremse. Sein schwarzer Vollbart überwucherte sein Gesicht fast vollständig. Er trug Pilotenbrille, Glasauge, roten Polyester-Pulli und war der eisenharten Überzeugung, dass Informatik-Unterricht »nur was für Jungs« sei. Andrea K. war diejenige in meiner Jahrgangsstufe, die dem zum Trotz am längsten ausgeharrt hat - Respekt dafür! Dominiert wurde der Kurs von BW-Parka-Nerds, gegen die heute die Jungs von »The Big Bang Theory« oder »The IT-Crowd« wie schillernde Popstars wirken.

In meiner ersten Stunde der Informatik-AG erfuhr ich, dass BASIC nur was für Pfeifen war. PASCAL hingegen galt als das einzig Wahre. Tolle Wurst! Begriffe wie GOTO/GOSUB (absolute Sprungbefehle) outeten einen sofort als BASIC-Kleingeist, Begriffe wie PEEK & POKE legten die allzu große Nähe zum Commodore C64 nahe.

Besser also, man hütete seine Zunge, verinnerlichte stattdessen: »Pascal zeichnet sich durch eine strikte (...) Syntax sowie durch den Verzicht auf kontextabhängige Interpretationen des Codes aus.« (Quelle)
*gähn*
Die Unterrichts-Stoffe »Sortier-Algorithmen« und »Langzahl-Arithmetik« erwiesen sich als nicht zu interessant...

Im Informatik-Raum gab es ein Terminal-System aus den späten 70ern, die »Dietz-Anlage« (Link). Auch hier saßen wir zu dritt oder viert an einem einzelnen Schwarzweiss-Terminal. Irgendwo am Ende des Raumes summte schrankgroß der Hauptrechner mit dem Diskettenlaufwerk vor sich hin. 8"-Disketten (20 cm Kantenlänge: passten mit Müh & Not in eine DIN A4-Klarsichthülle) waren das einzige Speichermedium - mit stolzen 180 KB Kapazität. Auch die habe ich nie voll bekommen... Die Programme druckten wir aus auf grünes Computertabellierpapier mit perforiertem Lochrand für den Traktor des kreischenden 9-Nadel-Druckers, dessen Farbband immer bereits recht schwach war.

Unsere Listings mussten wir zu Hause auf eben diesem Computer-Tabellierpapier korrigieren und fortschreiben, in einer Freistunde im Informatikraum abtippen und dann auf Funktion testen. Das Verfahren erwies sich als nicht allzu alltagstauglich.


1987 zeigte mir einer der Nerds aus meinem Kurs eine 3,5"-Diskette.
Ja, Mann, das war mal angewandte Science-Fiction! Wuchtige 1,44 MB in einem so winzig-kleinen, formschönen Ding!

Die Zukunft würde auf jeden Fall weitere Wunder bereithalten!

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Freitag, 16. April 2010

ru 24 History 13 - England II (1985)

[Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung dieses Blogbeitrags]

Irgendwann kamen der Bus mit uns in Scarborough, Yorkshire an (Link). An einem Busbahnhof wurden wir unseren Gastfamilien übergeben. "Leisi" (Andreas Leistner) und ich kamen in die Obhut von Mrs Stead, einer aus heutiger Sicht sicher recht attraktiven Enddreißigerin. Alle Kinder und Jugendlichen wurden abgeholt, bis auf...
Staudi und Hage standen verwaist auf dem Busbahnhof herum.
Beide hießen Thorsten.
Niemand holte sie ab.
Es begann zu dämmern.
Es nieselte etwas.
Es wurde dunkel.
Es regnete intensiv.
Von Ferne hörte man ein Röhren, das schreckliche Geräusch wurde lauter. Eine verbeulte Dreckskarre hielt an, ölige Wolken ausstoßend. Drinnen am Rechtslenker saß ein zerzauster Mann mit Säufernase, der die beiden scheel ansah, sie dann zu sich winkte. Zögerlich luden sie ihr Gepäck in den Wagen und der stark nach Alkohol und Zigarettenqualm riechende Mann kutschierte sie in Schlangenlinien durch die Stadt, bis sie mit einem Linienbus zusammenstießen. Ihr betrunkener Fahrer und Gastgeber sprintete davon.
Um das Unfallfahrzeug bildete sich eine Menschentraube.
Hage uns Staudi saßen noch in der Schrottlaube, als die englische Polizei auftauchte.
Man nahm sie mit aufs Revier und verhörte sie gründlich.
Sie verloren jeder zwei Kilo an Schweiß.
Irgendwann in der Nacht kamen sie tatsächlich beim Heim ihrer Gastgeber an.
Es war eine Bruchbude.
Die Gastmutter, die den Gatten nicht sonderlich zu vermissen schien, trug als einziges Kleidungsstück ärmellose Kittel. Sie servierte den Jungs Kartoffeln und warm gemachtes Hundefutter, wie sie später unter Eid versicherten.
Die Polizei fragte noch ein paar mal erfolglos nach dem Unfallflüchtigen.
Am vierten Abend ihres Aufenthaltes kam der Gatte durch eines der hinteren Fenster geklettert. Er hatte Laub im Haar und roch wie ein nasser Hund. Er ließ sich in seinen Sessel plumpsen, furzte und schüttete den Jungs erst einmal einen Schnaps aus. Nach dem Dritten outete er sich als ehemaligen Deutschen, den es vor fast 30 Jahren nach England verschlagen hatte.
Dann fragte er, ob sie sich gemeinsam einen Porno auf VHS ansehen wollten.
Die Jungs hatten morgens beim vierstündigen Englischunterricht immer eine Menge zu erzählen - mit überbordendem melancholischen Fatalismus.

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Mittwoch, 14. April 2010

ru 24 History 13 - England I (1985)

1985, frischgebackene 18, bin ich mit einer Busladung voller Teenager nach England gefahren. Duran Duran hatten mit "The Wild Boys" vier Wochen lang den ersten Platz der Charts belegt, waren danach von Murray Head mit "One Night in Bangkok" verdrängt worden. Tears for Fears folgten nach mit "Shout" und Paul Hardcastle hielt sich sechs Wochen auf Platz 1 mit seinem großartigen "19". Herbert Grönemeyer hatte Ende 1984 seine LP/CD "4630 Bochum" auf dem Markt gebracht, die erste Compact Disc (CD), die ich in Händen hielt.
Wir fuhren stundenlang Bus, die Stimmung war gut. Irgendwann erreichten wir die Fähre, der Bus wurde verschluckt.
Schon während der Fahrt hatte sich eine Clique aus Jungs herauskristallisiert: Hage und Staudi, Grobi, Leisi und ich.
Die Fähre tuckerte los, es wurde Nacht. Wir liefen herum, rauchten an Deck (Nikotin: 0,9 / Kondenstat: 13) und trieben diversen handelsüblichen Schabernack. Plötzlich kam Grobi angelaufen, er war außer Atem.
"Da vorne ... Französinnen!", japste er.
Oh! Französinnen! Mon dieu, welche Verheißung!
Unauffällig schnürten wir zum Bug des Schiffs in die gewiesene Richtung. Es war bedeckt, es war Nacht, im Bug gab es keine Beleuchtung, man konnte die Hand vor Augen nicht sehen, geschweige denn in fremden Zungen redende Grazien.
"Wo denn?" fragte glaube ich Staudi von links.
"Na so da vorne...", kam es recht unbestimmt von Grobi, der eigentlich André Grossbischowski hieß. Seine Stimme war ganz nah.
Wir tappten nach vorne, stießen uns die Knie, rempelten andere Reisende an, tasteten uns nach vorne.
"Ich seh' nix!", sagte Leisi von hinten.
"Ich auch nicht!", sagte Hage von vorne.
"Voulez vous coucher avec moi ce soir?", fragte eine holde Maidenstimme aus der Dunkelheit.
Fünf Jungs standen da wie vom Donner gerührt.
Das lief ja wirklich ganz prächtig, allerdings...
"Äh, Männer? Spricht jemand von uns französisch?", fragte ich hinein in eine stygische Finsternis.
Grabesstille schlug mir entgegen.
Das lief ja nicht wirklich prächtig, allerdings...
Fwoosch!!!, machte es. Unsere Frontal-Lappen wurden hormonell freigeschaltet. Fünf Gehirne liefen schlagartig auf Überlast. Mit einer kurzzeitigen geistigen Kapazität von ca. 135 - 155% parlierten wir zwar urst brockig aber dafür recht flott französisch mit den so überaus verheißungsvollen Damen. Unseren diversen Französisch-Lehrerinnen (Link) wären die Augen aus dem Kopf getreten - mehr noch als sonst.
Im Grunde waren wir dem Paradies so nah wie nie, bis...
Das Licht ging an.
Vier etwa 13- bis 14-jährige französische Mädchen kreischten und verbargen ihr Antlitz hinter dem Rücken einer jeweils anderen Freundin, ein interessanter Effekt.
Popp!, machte es, die Freischaltung unserer Stirn-Lappen wurde auf der Stelle wieder deaktiviert.
Wir trollten uns.

Eines weiß ich seitdem: In Extremsituationen kann man zu geradezu übermenschlichen Leistungen in der Lage sein!

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(Zur Fortsetzung dieses denkwürdigen Urlaubs gehts hier.)

Dienstag, 23. März 2010

ru24: History 7: Gefunden & Verloren, Teil II (1985)


Köln bei Nacht 2
Originally uploaded by Gernot Poetsch
Nachdem ich also an diesem Tag (Blogbeitrag) über 33% meines Gesamtkarmas verballert hatte, verlief das Treffen mit der reizenden Urlaubsbekanntschaft Ilka ziemlich mau, vorsichtig gesagt. Urlaub und Realität sind unterschiedliche Orte. Abends war ich einfach nur froh, den Heimweg antreten zu können. Ich schaute bei Ilka noch in den Straßenatlas ihres Vaters, versuchte mir den Rückweg einzuprägen, heraus aus dem Moloch Köln. Unsere Verabschiedungen beinhalteten keine Wir-bleiben-in-Kontakt-Formeln.

Mit meinem haselbraunmetallicfarbenen Opel Kadett D machte ich mich auf den Heimweg.
Dass Innerorts in Köln 80 km/h gefahren wird, schockierte mich ebenso wie die Tatsache, dass man Land-Eier mit GM-Nummernschild einfach abdrängte - besorgniserregend!
Nach nicht einmal 5 Minuten war ich im Moloch Köln verloren gegangen.

Ich fuhr von Tankstelle zu Tankstelle und fragte nach dem Weg. Gemäß dieser rund ein Dutzend Weisungen irrlichtete, mäanderte ich durchs Kölner Stadtgebiet.
Kein einziges Schild wies in eine mir nur vage bekannte Richtung!
Meine anfängliche Irritation wich Besorgnis.
Die Stadtteile derweil wurden finsterer, menschenleerer. Kaltes Licht weniger intakter Laternen brach sich im regenfeuchten Asphalt, als ich eine spartanisch illuminierte BP ansteuerte, eine tranfunzelde Insel inmitten stygischer Finsternis. Ich betrat den Verkaufsraum - palim! Links an der Wand standen 5 Stühle, darauf saßen 5 bekopftuchte Türkinnen mit Körbchen auf dem Schoß und strickten. Keine von ihnen schaute auf. Zum Klappern der 10 Nadeln brabbelte im Hintergrund ein Fernseher. Hinter dem Verkaufstresen stand ein etwa 50-jähriger Türke. Ich grüßte freundlich und sagte mein Sprüchlein auf von wegen "Richtung Wuppertal" und so. Der Mann schaute durch mich hindurch, regte sich nicht, schien mich nicht einmal zu ignorieren. Ich glaube, er hat nicht einmal gezwinkert.
Ich floh diesen Ort.
Meine anfängliche Besorgnis wich Verzweiflung.
Urbanes Schwarz hüllte mich ein wie ein Grabtuch.
Ich fuhr und fuhr und fuhr, angetrieben von bleihaltigem Normalbenzin und dem drängenden Wunsch, irgendwann mal wieder zu Hause zu sein. Später, viel später entdeckte ich ein blaues Autobahnschild in Richtung Gummersbach, ein elender Ort zwar, diese meine entlegene Kreisstadt (daher das GM auf meinem Kennzeichen), mindestens eine Stunde Fahrtzeit von meinem Zuhause entfernt, aber allemal besser, als gänzlich verlorenzugehen.

Ich fuhr über 60 km nach Gummersbach, von da aus 35 km über Land durch Marienheide, Wipperfürth und Hückeswagen zurück nach Hause.
Als ich aus dem Wagen ausstieg, zitterten meine Knie, doch: Oh, süße Heimat - es roch leicht nach Gülle und feuchtem Grün!
Land-Ei war wieder zu Hause.

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Donnerstag, 18. März 2010

ru24: History 7/Mysterium 5: Gefunden & Verloren, Teil I (1985)


Hansahochhaus
Originally uploaded by Diorama Sky
Anno 1985 lernte ich im Urlaub auf Teneriffa ein Mädel kennen: Ilka. Sie war ganz wunderbar, ich wohl auch - wie man das ja oft mit 16 und 18 noch ist. Wir beschlossen, uns nach dem Urlaub mal wiederzusehen.

Sie wohnte in 5000 Köln, ich in 5608 Radevormwald.
Monate später telefonierten wir, machten etwas aus für den kommenden Samstag, 15:00 Uhr.
"Wir können uns am SATURN treffen. Den SATURN kennste doch?", fragte sie.
"Klar. Sicher!", log ich. Ich glaube, jeder im Umkreis von 100 km kannte den Kölner SATURN, den größten LP-Laden westlich vom Pecos - nur ich nicht. Es war übrigens der erste Saturn-Hansa-Markt, der 1962 am Kölner Hansaring im Hansahochhaus eröffnet worden war (Link).
Unglückseligerweise kannte ich mich in der benachbarten Metropole mal so gar nicht aus.

Am großen Tag setzte ich mich in meinen haselbraunmetallic-lackierten Opel Kadett D. Die Fahrtzeit hatte ich mit einer Stunde ziemlich knapp bemessen. Kein Navi, kein Handy (et gab ja nix!), keine Karten, keinen blassen Schimmer, nur ausgestattet mit dem jugendlichen Überschwang eines 18-jährigen fuhr ich auf die A1 in Richtung Köln, eine Strecke von rund 50 km. Irgendwann wechselte ich von der A1 auf die A57 - mit "Köln Zentrum" wähnte ich mich "gefühlt" auf der sicheren Seite. Spontan fuhr ich bei einem weiteren Hinweis zu "Zentrum" ab. Entscheidungen standen an, ich fuhr gemäß Münzwurf links. Eine Weile geradeaus. Ich fuhr nach Münzwurf rechts. An einer Baustelle bog ich unorthodoxerweise mal irgendwo ab, dann fuhr ich wieder geradeaus.
Hatte vorher mein Wissen, wo ich war, NULL betragen, so hatte man mich jetzt zusätzlich mit verbundenen Augen im Kreis gedreht.
Und die Zeit drängte ein bissi!
Fünf vor drei!
Ich beschloss also, jemanden zu fragen. Am rechten Straßenrand stand eine Person an einer Bushaltestelle, ich fuhr heran, kurbelte die Scheibe herunter und setzte an, nach dem SATURN zu fragen...
"Hey, Henning, du bist aber pünktlich!", sagte Ilka begeistert und stieg ein. Ich stand vor dem SATURN, es war 14:56 Uhr.

Ich glaube manchmal, dass ich an diesem Tag über 33% meines Gesamtkarmas verballert habe.

[Fortsetzung]

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