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Montag, 14. Juli 2014

Erreicht

photo credit: jDevaun via photopin cc

Überraschend traf ich in meiner alten Heimatstadt nach einer wirklich langen Zeit einen (fast schon ehemaligen) Bekannten wieder. Er schien sich bester Gesundheit zu erfreuen und strahlte mit perfekt gebleachten Zähnen über das ganze Gesicht. Sein Händedruck zermalmte meinen Mittelhandknochen. Schnell stellten wir fest, dass wir uns tatsächlich Mitte 1999 das letzte Mal begegnet waren - vor unglaublichen 15 Jahren!
"Und, was hast du in der Zwischenzeit erreicht?", fragte mich der Strahlemann ernstlich.
Ich erstarrte sicher eine geschlagene Minute lang.
WTF war das denn für eine Frage?
Nun, obwohl (oder vermutlich gerade weil) ich Sparkassenkunde bin, fiel bei mir die Konsumgütervergleichsparade "mein Haus, mein Auto, mein Boot" (Werbung 1999) eher bescheiden aus [zur Miete, Smart, kein]. Dass ich immer Müll getrennt hatte und meinen CO2-Ausstoß mit der Anschaffung des Smart gegenüber des Vorgängermodells hatte halbieren können, galt sicher nicht. Auch schien die Antwort "innere Ruhe" oder "größere Gelassenheit" hier nicht anzukommen. Dies hier war ein reiner Schwanzvergleich des Materiellen!
Da stand ich nun, ich armer Tor: Keine Exfrauen, keine Kinder, keine Pleite gegangenen Firmen, keine Gläubiger, keine Steuerfahnder an meinen Fersen, keine gebauten und dann wieder zwangsversteigerten Häuser, keine Tierart ausgerottet -- Grundgütiger, mit der Frage hatte er mich richtig erwischt!
"Ich werde nächstes Jahr heiraten!", sagte ich stolz.
Er machte ein sauertöpfisches Gesicht, knurrte Unverständliches. Unbewusst hatte er seinen Ringfinger ergriffen und spielte mit der blassen Stelle, an der noch Wochen oder Monate zuvor sein Ehering gesessen hatte. Ich verstand.
"Ich habe einen Roman geschrieben und ihn veröffentlicht", wechselte ich das Thema.
"Und, rocken die Abverkäufe?"
"Äh, ich bevorzuge den Terminus 'moderat', was die Verkaufszahlen angeht."
Er schaute mitleidig, interessierte sich auch nicht für das Genre, hier ging es um Reibach.
"Meine Neue ist noch in den Zwanzigern, die hält mich richtig auf Trab! Hab sie beim Krafttraining kennengelernt", prahlte er. "Der geile Schlitten da hinten", er deutete mit dem Daumen über seine Schulter, "wird bei 250 Sachen elektronisch heruntergeregelt - haha!, und meine neue Firma rockt so dermaßen, dass ich unter 80 Stunden die Woche da nicht rauskomme! Aber mach bloß 'nen Ehevertrag, meine Exfrauen saugen mich aus wie scheiß Vampire!"
Armer Kerl.
So viel Stress.
Und das mit Ende 40.
Genug geprahlt.
"Alles Gute!", sagte ich, "Bis 2029!"
"Jo!", lachte er, setzte dynamisch über die Straße und zwängte sich mit seinen 1,90 m in einen unbequem aussehenden silbernen Mercedes SL 350, schoss davon, Gummi lassend. Mein Blick folgte dem Wagen. Auf der Heckscheibe stand in Riesenlettern: "Scheidung 2014".
Ich glaube, wir taten uns beide sehr leid.

Bis 2029 wünsche ich Freund Sonne mehr "innere Ruhe" und "größere Gelassenheit".
Und mir wünsche ich ein ausgeglichenes Girokonto.


Montag, 20. Januar 2014

Automobiles 21: Der Wille zur Fortbewegung

London traffic lights - t2i by @Doug88888
London traffic lights - t2i, a photo by @Doug88888 on Flickr.

Als Smart-fortwo-Fahrer bin ich nicht gerade das, was man als "Raser" bezeichnet. Und doch begenet mir jeden Tag mindestens eine Krücke, die den ganzen Verkehr aufhält. Hier fehlt einigen Menschen ganz ernstlich der Wille zur Fortbewegung. Ich habe keinen Schimmer, warum die mit ihren Ford Fusion oder sonstigen Kack-Karren eigentlich unterwegs sind -- ums irgendwo Ankommen scheint es nicht zu gehen. Und wenn die Lenker diese Verkehrshindernisse zum Genuß der Morgen- oder Abendröte unterwegs sind -- ich für meinen Teil bin nicht zum scheiß Spaß on the road.
Es lassen sich folgende Kategorien ermitteln:

Muddi: "Unfallfrei bis ins Grab", so lautet die Devise seit dem ersten Wagen zum Einser-Abi. Das wird durch das Unterschreiten der Höchstgeschwindigkeit von mindestens 20%, an Blitzern um 30% erreicht. Ampeln werden bereits aus langen Distanzen so lange ausgebremst, bis sie ein zufriedenstellendes Rot zeigen.

Vaddi: "Lieber langsam unterwegs als im Büro/zu Hause/etc.", so lautet die Devise. Mit mediterraner Gelassenheit demonstriert dieser Fahrer, dass zumindest er nirgendwo zeitnah eintreffen muss. Versucht jemand zu überholen, erwacht der Machismo des Fahrers wenigstens so lange, dass er das Manöver durch kurzes Beschleunigen verunmöglicht, danach verfällt er wieder in den Dreizehenfaultier-Modus.

Greis: "Ich seh nix". Wer nichts sieht, keinen Schulterblick mehr machen kann und Reaktionszeiten von bis zu 3 Sekunden hat, fährt zur Sicherheit mal was langsamer. Adolf Hartmann hat bei seinem Seh- und Reaktionstest 1944 hervorragend abgeschnitten, deswegen ist er auch in 2014 noch unterwegs. So lange er niemanden totfährt, sondern nur verstümmelt, darf er seinen Führerschein behalten. Sicher, sicher.

Ortsunkundiger: "Wenn ich nicht weiß, wo ich gerade bin, fahre ich eben Schrittgeschwindigkeit": "Unhiesige" haben naturgemäß sehr oft keinen Schimmer, wo sie gerade sind. Navis sind ja auch nur für Lappen. Und fragen kann man ja auch keinen. Besser, sie fahren so langsam, dass sie während der Fahrt durchs Fenster Blumen pflücken können. So kommen sie zwar nirgends an, verschlimmern ihre Situation aber auch nicht signifikant.

Stadtwerke: "Wir fahren zum Grillen, es ist aber erst 10.30 Uhr". Die Mitarbeiter der Stadtwerke müssen ihren Arbeitstag ja irgendwie rumbringen. Mit 25 km/h von A nach B zu gondeln kann dabei helfen.
Als einziger legitimer Nachfolger des kontemplativen Lebens mittelalterlicher Klöster sind die Stadtwerke die letzte Bastion dieser Arbeitsweise.


Mittwoch, 29. Mai 2013

Automobiles 19: Abblendlicht

Originalfoto, Smart, rechter Scheinwerfer (von innen)
Mein Freund und Helfer machte mich auf mein ausgefallenes, rechtes Abblendlicht am Smart aufmerksam.
OK, dann fahre ich in der Mittagspause halt zum Bosch-Dienst, statt mich zu amüsieren.
Der Spaß fing an, nachdem ich die Mini-Fronthaube des Smart geöffnet hatte. Der Raum, der sich mir bot, um das defekte Birnchen zu entnehmen, war in etwas so bequem zu erreichen wie das dem Flaschenhals abgewandte Ende eines Buddelschiffs. Nur, dass hier nichts durchsichtig war. Und, dass selbst Barbie sich die Flossen hier angeschrammt hätte. Das große Gummi-Nupsi ging noch ganz gut ab. Nun fummelte ich an der Drahtklammer herum, die so fest saß wie die Spange an einem Teenagergebiss. Mir kam die Idee, mein iPhone in diese Lücke zu wursteln und mit nach vorne gerichteter Kamera das Handy quasi als Spiegel zu benutzen, um überhaupt mal zu sehen, was gerade Sache war. Die Idee war so "Mittel". Da hätte ich auch versuchen können, mir mit dem Handy selbst eine Darmspiegelung zu machen. Nach einer Weile hatte ich die Drecks-Klammer ab. Nun ging mir auf, dass es extrem hilfreich gewesen wäre, vor Entfernen der Klammer den Stecker vom Birnchen abgezogen zu haben - leider zu spät. Frickel, frickel. Irgendwann hatte ich auch das Problem gelöst und hielt das defekte Birnchen in der Hand.
Die Bosch-Frau knöpfte mir für das Ersatz-Leuchtmittel zwei Tageslöhne ab, mit der kleinen Papp-Box (auf der Papp-Lasche aufgedruckt die Logos "Schutzbrille tragen" und "Schutzhandschuhe tragen", sicher, sicher) kam ich zum Wagen zurück.
Es war das gleiche Geraffel, nur rückwärts. Mit Schutzhandschuhen würde das Nie-nie-niemand schaffen, nichtmal McGyver, ich schwöre! Zum Einsetzen des Teils musste ich die Handy-Kamera nochmal einschieben, um ein Foto der Gegebenheiten vor Ort zu machen (eingebettetes Bild), denn es gab nur eine richtige Position für das Winz-Birnchen. Dann kam wieder die Teenie-Spange, der Stecker, das Gummi-Nupsi.
Kaum 17 Minuten später hatte alles wieder seine Ordnung.

Ich habe nun eine vage Vorstellung, warum auf Reparaturrechnungen die Posten z.B. für das turnusmäßige Abfetten der Schlupfmuffen oder das Aufrauhen der Hutablage so schweineteuer sind.


Mittwoch, 8. Mai 2013

Kanada: GRÖSSER

http://goo.gl/jBlgb
"Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund 41 % des nordamerikanischen Halbkontinents ein. (...) Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 243.042 Kilometern zugleich die längste Küstenlinie der Welt." (Wikipedia)
Respekt!

Wenn man aus Old Europe erstmals nach Kanada kommt, da fällt es im Grunde sofort auf:
HIER IST EINFACH ALLES GRÖSSER!

Hörnchen: GRÖSSER! (Grauhörnchen wiegen zwischen 400 und 710 Gramm, unsere roten, Europäischen Eichhörnchen kommen nur auf 200 bis 400 Gramm) - pöh! Erklärung: Viel mehr Wald = viel mehr Nüsschen = größere Hörnchen. Die possierlichen Nager sind so zahlreich, dass sie unvorstellbarerweise bei einigen kanadischen Zeitgenossen als Plage gelten... tsts!

Rotkehlchen: GRÖSSER! Während unser hiesiges mickriges Rotkehlchen (so called "European Robin") nichts als Briefbeschwerer taugt, denn es wiegt nur 15 bis 18 Gramm, bringt es der kanadische Namensvetter auf stolze 77 Gramm. Der Trick: Die Kanadier nennen ihre dem Rotkehlchen vage ähnelnde Wanderdrossel biberschlau "American Robin" (= amerikanisches Rotkehlchen). Aber hey! - bigger is better!

Ahornsirup: GRÖSSER! Wird bei uns fast ausschließlich in diesen pittoresken Glasflaschen mit dem neckischen Winz-Öhrchen am Hals verkauft (durch das nicht einmal Barbie ihren Zeigefinger stecken könnte). In Kanada verkauft man dieses universelle Lebenselixir in stabilen 540 ml-Blechdosen als Grundnahrungsmittel wie Erbsen oder gewürfelte Tomaten zu umgerechnet 6,00 EUR/Dose. Für nach dem Hockey* auf Pfannkuchen usw.

Autor: glücklich
Lebensmittel: GRÖSSER! Im Supermarkt gab's Mozzarella nur im Kilobeutel. Im Kühlregal tummelten sich eingeschweißte Packungen Steaks im Doppelpack, zusammen über ein Kilo schwer = über 500g pro Steak (Link)! Es gab Erdnussbutter in 2 kg-Gläsern (eingebettetes Bild) und Milch im 2 l-Tetrapak. Jede Marmelade ist per se mindestens 1/3 größer als das Schwartau-Familienglas bei uns. Zahnpastatuben bringen es auf titanische 120 ml (im Gegensatz bei uns: 75 ml). Und "große Portionen" im Imbiss sind WAHRHAFT GROSSE PORTIONEN! (siehe nachfolgenden Blogbeitrag)

Kühl- und Gefrierschränke: GRÖSSER! Die standardisierte Breite für Geräte der Kategorie "Weiße Ware" ist in Kanada um ca. 1/3 breiter als bei uns. Erklärung: Die Lebensmittel sind einfach so wahnsinnig groß! Außerdem haben nach dem Hockey* alle einen Bärenhunger! Und: Wer mehrfach jährlich droht einzuschneien, braucht Kühlschränke und -truhen, in denen komplette Rinder, Schweine und Schafe Platz finden, möglichst nicht nur eins von jeder Sorte.

Herd: GRÖSSER! Bärenschinken und Elch-Schulter sind nicht Schweine-Kotelett und Goldbroiler, schon klar. Vor allem wenn für nach dem Hockey* das Essen auf dem Tisch stehen muss, ist für dieses Unterfangen die europäische Puppenküche verständlicherweise ungeeignet.

Waschmaschine und Wäschetrockner: GRÖSSER! Hockey*-Mütter sind einfach froh, das in Kubikmeter messende, titanische Sport-Equipment ihrer Brut in einem Rutsch in die Waschmaschine und den Trockner zu kriegen.

Autos: Auf dem Land und in Vorstädten fahren in Kanada jede Menge GRÖSSERE 4x4-Pickups herum. Das liegt nicht nur am drastisch GRÖSSEREN Platzangebot, sondern auch am Wetter. Die brauchen einfach Riesen-Karren, die man mit wenigen Handgriffen in einen Monster-Schneeschiebe-Truck verwandeln kann. Mein Smart setzt nämlich bei ca. 12 cm Schneehöhe auf, wäre dort somit nur für 5 Monate im Jahr tauglich. Außerdem: Wenn man drei Kinder hat, die Hockey* spielen, steht man wegen der riesigen Sporttaschen schlicht vor der Wahl: Entweder permanent mit einem Umzugswagen durch die Gegend zu fahren oder direkt mit einem unanständig großen Pickup (à la Dodge Ram).
In der Stadt fährt der Kanadier an sich übrigens i.d.R. ganz normale Autos. Da könnten sich unsere deutschen SUV-Birnen mal ein Beispiel dran nehmen!


Linktipp: William Shatner "singt" die kanadische Nationalhymne "O Canada"


*) In Kanada sagt man nur Hockey, damit ist natürlich EISHOCKEY gemeint, nicht Rasen-, Roll- oder wasauchimmer. Natürlich. Nur, damit das klar ist.



Freitag, 11. Mai 2012

Mehr Sicherheit für dich und mich


http://bit.ly/IQ3hfg
Im September 2009 verfiel die EDV-Abteilung in Panik - man hört ja so viel!
Automatisiert verpasste sie in einer Nacht- & Nebelaktion konzernweit allen 1.700 (erreichbaren) Schwarzweissdruckern mit eigener Netzwerkkarte ein 12-stelliges Passwort im Stil von "C7b4EmDqL27r" - jedem ein Anderes. Da wird der von China aus operierende Hacker, der sich nach allen Regeln der Kunst durch die Unternehmens-Firewall gehackt hat, eine Überraschung erleben, wenn er versucht, auf einen sieben Jahre alten Kyocera FS-1800N etwas zu hacken (z.B. dass der Drucker bei jedem Druckjob "Pipi ist kein Name und auch kein Getränk, ihr scheiß Imperialisten!" als Fußzeile mit andruckt)... Haha!
Wenn jetzt ein Techniker am Drucker was zu richten hat, muss er anrufen, nach dem Passwort fragen und es mühsam mit den Pfeil-auf/Pfeil-ab-Tasten am Drucker eingeben. Schon das Diktieren ("großer Cäsar, 7, kleine Berta...) ist ein scheiß Spaß für die Ganze Familie!
Mumpitz.

Bei der Bahn, einem der Zukunft zugewandten Unternehmen, ist man da schon viel weiter! Sich als Kunde auf www.bahn.de anzumelden, ist immer ein bisschen wie mit Matrix-Mitteln in einen Hochsicherheitstrakt einzudringen. Wenn man sich nach einem halben Jahr zwecks Buchung eines Bahn-Tickets dort anmelden will, sind Benutzername und Kennwort natürlich wie weggeblasen. Zuerst fordert man seinen Benutzernamen an. Man erhält Minuten später ein E-Mail mit dem Anmeldenamen, z.B. "Nebukadnezar778395". Ach ja, ich erinnere mich, bei der Anlage des Accounts gezwungen worden zu sein, einen 18-stelligen Benutzernamen zu nehmen. Dann kann man sich sein Passwort resetten lassen und bekommt nach einer Weile ein ein Einmalpasswort zugemailt, z.B. "C7b4EmDqL27r" (kommt mir vage bekannt vor), das sofort gemäß folgender Vorgaben zu ändern ist: Das minimal 27-stellige Passwort sollte mindestens Sonderzeichen, Zahlen, Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung und 12 Zeichen aus anderen Zeichensätzen beinhalten (z.B. russisch, griechisch, astrologische und alchemistische Symbole und Hassmännlein aus der Maya-Schrift).
Hat man irgendwann die Anmeldung geschafft, ist der Zug in der Regel abgefahren.
Bei der nächsten Anmeldung geht dann alles wieder von vorne los.
Mumpitz.

Seit ich Smart fahre, lebe ich in ständiger Angst, dass die automatische Verriegelung des Wagens eines Tages den Schlüssel mit einschließt. Scheinbar bin ich nicht alleine, Google meldet 12.000 Treffer zu "auto automatische verriegelung schlüssel eingeschlossen". Angeblich sollte so etwas nicht passieren, aber ja, der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen...
Mumpitz.

Mehr Sicherheit für dich und mich  --  Eines Tage werden wir vor lauter überbordender Sicherheit ausgesperrt von unseren Wohnungen, Autos, Konten, Handys und sozialen Netzwerken auf den Straßen leben und ganz von vorne anfangen müssen.
Vielleicht mit ein bisschen weniger Sicherheit.


Linktipp: hier


Donnerstag, 15. März 2012

Automobiles 16: Affen-Männchen meets Messerschmitt ME-262

http://bit.ly/Agzt3n
Auf meinem Weg zur Arbeit von Wuppertal nach Wermelskirchen lege ich ca. 10 km auf der A1 zurück.
Ich tuckerte mit meinem weißen Smart mit 110 km/h über die Bahn, überholte einen schwarzen, etwas abgewetzten Opel Corsa, der mit 98 km/h unterwegs war. Der Corsa-Fahrer blickte bei meinem Überholvorgang zu mir herüber. Plötzlich das Erkennen in seinen Augen: Verdammt, da überholt mich ein Smart!!!
Schlagartig wurde aus dem schläfrigen, unterkoffeinierten Corsa-Fahrer Kevin Romanowski der WK-II-Pilot Karl Römer mit seiner pechschwarzen Messerschmitt ME-262. Er trat reflexartig auf den Pinn.
Mein Überholvorgang zog sich demnach hin.
Bei 130 km/h kuckte ich auf das Tacho.
Meine Güte, soo eilig hatte ich es nun auch nicht! Aber jetzt konnte ich natürlich keinen Rückzieher machen. Ich gab Vollgas, katapultierte mein Winz-Gefährt auf sa-gen-haf-te 145 km/h (ab da wird der Smart elektronisch heruntergeregelt) und tauchte hinter einem LKW ab. Die schwarze Messerschmitt klebte an mir, Pilot Karl Römer sah maximal unentspannt aus, seine vier Maschinenkanonen MK 108 feuerten ununterbrochen ihre 30 mm-Geschosse auf mich ab.
Irgendwie war ich froh, dass der unerfreuliche Vogel Ausfahrt Remscheid die Biege machte und die Bahn verließ.
Vier von fünf Fingern meiner Hand wollten ihm nicht zuwinken.

Reichlich früh kam ich bei der Arbeit an.
Es ist manchmal verdammt anstrengend, Smart zu fahren.
Und ein Affen-Männchen zu sein.


Mehr vom Affen-Männchen: (Blogbeitrag) (Blogbeitrag).


Dienstag, 4. Oktober 2011

Autowaschanlage

http://bit.ly/nC20cs
Auch wenn man ein kleines Auto fährt, wird es mal arg schmutzig. In meiner Mittagspause bin ich dann zur Tanke gefahren und habe mir die Autowaschangebote mal angesehen. Sieben Waschprogramme rangen um meine Gunst. Bürstenwäsche, Unterbodenwäsche mit Unterbodenkonservierung, Felgenreinigung, Wachsauftrag mit Sonderwachs, Schaumpolitur, Trocknung mit Glanztrockner. Ich wählte das Programm, das ich mir leisten konnte und bekam ein Zettelchen mit einer sechsstelligen Codenummer. Ich trollte mich.

Mit dem Wagen an der Waschstraße stellte ich fest, dass ich nicht der einzige war, der auf die grandiose Idee gekommen war, sein Auto in der Mittagspause waschen zu lassen, ich stellte mich an. Mit dem Codezettelchen in der Linken stiegt ich aus. Die Gelegenheit war günstig: Ich durchstöberte das Wageninnere nach Abfall und warf zwei Hände voll in den nahen Mülleimer.
Den Rest der Wartezeit versuchte ich das Wetter zu genießen (angesagt: Sonne, 27°C, tatsächlich: bedeckt, 12°C).
Als ich an der Reihe war, stellte ich meinen Smart in Position, ging zu dem Bedienpanel mit den Zifferntasten herüber und starrte auf meine Linke mit dem Zettelchen. Die Hand war leer. Blitzartig entschlüsselte der großartige Verstand, der nicht einmal in der Lage war, fünf Minuten auf ein kleines Zettelchen aufzupassen, die Vorgänge. Mein Blick wanderte zu der Mülltonne.
Jubilate!
Angelegentlich scharwenzelte ich zu der Mülltonne und warf einen unauffälligen Blick hinein. Nun, nur hineinzulinsen würde definitiv nicht reichen! Und die Augenzeugen dieses Vorgangs zu eliminieren würde auch kein leichtes Unterfangen werden!
Ich wühlte also in einer Mülltonne. Dabei hatte ich in den 80ern nicht einmal eine Clochard-Hose besessen! Ich fischte sechs unterschiedlich zerknüllte Codezettelchen heraus und ging wieder zum Panel.
381 654 war eine Niete. 729 062 auch. 667 382 übrigens ebenso. Ach ja: 110 299 auch. Und 447 381 überraschenderweise auch.
Ich ging wieder zur Tonne. Die zahlreichen Augenzeugen starrten auffällig unauffällig, als ich mich wieder in den Unrat hinabbeugte und unter Kippen, Asche, runtergerockten Kokos-Duftbäumchen und Getränkeverpackungen weitere Zettelchen hervorkramte.
Die Glückszahl lautete übrigens 772 861.
Danke Gehirn!

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Dienstag, 26. Juli 2011

Queen Mom 7 - World Watching 2

De Mutter sitzt im Smart, wir stehen inner Einfahrt, se sacht aber nix.
"Wat?", frag ich.
"Un?", fragt se.
Aha!
Ich überleg mal, wat se meint.
Dann is et klar...
"Ja, et läuft gut bei de Weight Watchers", sach ich.
Se atmet hörbar ein un aus.
"Nee! Echt?", fragt se. "Nimm et mir nich persönlich, aber ich hab dat Gefühl, du wirs jeden Tag dicker!", sacht se.

Gottogott! Wie sollte ich sowat nur persönlich nehmen!

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Freitag, 11. März 2011

ru24 Mysterium 7: Unglaublich

Zur Geburtstagsfeier meiner Mutter hole ich Tante Walburga ab.
Weil ich weiss, dass die Tante bereits zehn Minuten vor meiner Ankunft gestiefelt und gespornt mit Kopftuch, Handtasche und schwerem Mantel hinter der Tür wartet, beeile ich mich. Kaum stehe ich mit dem Wagen um drei vor vier am Straßenrand, ist sie da.
»Och, das ist ja doch ein richtiges Auto!«, bemerkt sie anerkennend, »Ich hatte jetzt mit sonem komischen Dingen gerechnet!«, lobte die Tante meinen Smart Fortwo.
»Ja. Hier, sogar mit Steuerrad und allem!«, knirsche ich.
»Toll!«, sagt Tante Walburga ganz aufrichtig.

Wir fahren.
»Wollt ihr heiraten, deine Freundin und du?«, fragt sie unvermittelt.
Ich fahre in einen Kreisverkehr und wieder heraus.
»Och nö, das ist glaube ich nicht nötig«, sage ich, ergänze: »Und wir sind ja beide auch nicht die Allerchristlichsten.«
Tante Walburga aber schon.
In ihr arbeitet es.
»Du könntest dir doch wenigstens ein Hintertürchen offenhalten, so ein bisschen dran glauben. Der liebe Herrgott nimmt es da nicht gar so genau.«
Ich schnaube, will ihr aber nicht auf die Füße treten.
»Na gut. Auch als Existenzialist lasse ich mich ja gerne überraschen«, lenke ich ein.
»Ich will ja nur, dass du gut rüberkommst. Und dir einen guten Platz sicherst«, schließt die Tante
Faszinierend pragmatisch.

Später besichtigen wir zu dritt eine kleine Dorfkirche in Egen, das zu Wipperfürth gehört. Das Restaurant, in dem wir Kaffee getrunken und Waffeln mit Milchreis und Zimt & Zucker gegessen hatten, liegt nebenan.
»An der Monstranz leuchtet das Licht«, sagt Tante Walburga und deutet zu einem kunstvollen Schrein herüber. »Das bedeutet, dass die Hostien geweiht sind.«
Auch gut.
»Durch den Segen sind jetzt aus Hostien und Wein der Leib und das Blut Christi geworden.«
Soso.
»Das ist wissenschaflich bewiesen!«, trumpft die alte Dame auf.
Wow!!!
»?«, kommt es von mir.
»Wissenschaftler haben festgestellt, dass nach der Segnung wirklich Fleisch und Blut daraus geworden sind, allesamt haben sie sich hingekniet und gebetet!«
»!«, sage ich.
Mon dieu!
Solche Wissenschaftler gibt es heute gar nicht mehr ...

Ich stelle mir christliche Missionare bei Menschenfressern in Papua-Neuguinea vor: ›Nein, ihr dürft jetzt keine Leute mehr essen, sondern nur noch euren Heiland, der mit Magie aus Esspapier und australischem Merlot hergestellt werden kann!‹
Unglaublich!

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