Dienstag, 31. Mai 2016

Mit Flip-Flops durch das ganze Jahr

photo credit: geta and tabi socks via photopin (license)

Seit einigen Wochen bin ich stolzer Besitzer von Flip-Flops.
Nach anfänglichem Befremden über das Flippen & Floppen läuft es jetzt sehr gut. Und da ich als Minimalist nicht für jede Jahreszeit unterschiedliche Hausschuhe haben möchte, überlegte ich mir bereits das Flippen & Floppen im urst fußkalten Bergischen Land für die Zeit zwischen dem 1. November und dem 20. März.
Die Idee war, ein paar Tabi-Socken (Link) zuzulegen.
Hey! Yeah!
Was bin ich doch für ein Fuchs!
Doch halt... Was würde meine Frau dazu sagen? Bevor ich also spontan die Bestellung in die Tat umsetzte, ließ ich mein theoretisches Vorhaben als Testballon bei den Kolleginnen im Büro steigen.
Doch ach! Ich blickte in verständnislose, leere Gesichter, die mir quasi pantomimisch mitteilten "Hä? Da greift doch sofort die "Socken in Sandalen"-Todesregel, ist also total verboten!!"
*seufz*
Ich sag mal so: Crocs darf ich auch schon nicht tragen...

Frauen sind toll, sie machen aber auch viel Probleme.


Freitag, 27. Mai 2016

In der Mehrzahl

photo credit: wb39-1994-009 via photopin (license)
Auf einer zeitlich recht fortgeschrittenen Grillparty fragte eine Bekannte plötzlich ins Dunkel: "Was ist eigentlich die Mehrzahl von Kohl?"
Es entspannte sich eine angeregte Diskussion, wobei elegante Lösungen wie "Kohlköpfe" oder "Kapusta" ;) eher ins Hintertreffen gerieten und Lösungen wie "Köhler" (ehem. dünnhäutiger Bundespräsident) oder "Kohle" den Vorzug bekamen.
Niemand dudente das Problem. Hans & Franz googlen 24/7 jeden Scheiß, gedudent wird nie nix, dabei gibt es den Duden seit 1880, Google erst seit 1996. Die Amis haben sowas einfach drauf.
Vielleicht muss man "gedudent" einfach nur öfter sagen, damit sich Hans & Franz daran gewöhnen.
Der Nominativ plural von "Kohl" ist übrigens "die Köhle" (Link), ich habs gedudent.
Mehr zum Nachschlagen:
"Der Mafiosi nimmt zwei Espressos zu seinen Antibiotika."
Also entweder der Mafioso (Einzahl) oder die Mafiosi (Mehrzahl). Und am wahrscheinlichsten heißt es Espresso/Espressi (oder Espresso Doppio, wenns ein Doppelter ist). Ist der Mann bakteriell beeinträchtigt, dann bekommt er vielleicht tatsächlich ein Antibiotikum verschrieben und nur, wenn man, "wie es etwa in der niedersächsischen Hähnchenmast üblich ist, innerhalb von 30 Tagen bis zu 8 verschiedene Antibiotika" (Quelle) wie Smarties verteilt, denn dann spricht man wirklich in der Mehrzahl von Antibiotika.

Schöne Wochenenden!


Mittwoch, 25. Mai 2016

ru24 Wissen: Planet Nine

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In der "Liste der hypothetischen Himmelskörper des Sonnensystems" (Link) gibt es jetzt einen neuen Shootingstar an nunmehr 16. Position: "Planet Nine". So sind se, die Astronomen heutzutage: Erst quatschen sie einem Pluto weg (Blogbeitrag), dann kommen sie mit "Planet Nine" aus der Hütte.
(An Position 15 der Liste steht übrigens ein "hypothetischer ehemaliger fünfter Gasriese", der irgendwann mal die Biege gemacht haben soll, und hey!: Vielleicht sind die beiden ja ein und derselbe Planet!)
Vorstellen kann man sich das so: Als Kind bestellt man in der Eisdiele ein Hörnchen mit neun Bällchen -- Yay! Rockt! -- und während man noch on the Top an der etwas blassen, kandierten Kirsche (Pluto) nuckelt, fällt einem die oberste Kugel (Blaubeere) aufs schnöde Trottoir. Das ist nun unser "Planet Nine": Eine irgendwie abgefallene, nunmehr für den Eisesser nur noch sehr hypothetische Kugel dunkelblauen Eises mit ein paar kräftigen Schlumpfeis-Schlieren und ein paar zarten Himbeer-Schlieren dran.

Jetzt versuchen die Astronomen, diese dunkle Eis-Kugel wiederzufinden: Sie kennen zumindest ein paar der Eisdielen der Stadt und können auch ein paar Vermutungen über die möglichen Fußwege der Eisesser anstellen. Leider ist es jetzt Nacht und außerdem gibt es einen Stromausfall, das einzige Licht kommt von einem 200 m entfernten Fahrrad und der 1.600 km entfernte Satellit, mit dem man sucht, hat nur eine Auflösung von 10 cm.
Viel Erfolg.


Samstag, 14. Mai 2016

ru24 History: Mein schönster ESC

photo credit: Imagination via photopin (license)
Mit im Fernsehen gezeigtem Sport kann man mich quälen. Es gibt kaum etwas Lähmenderes als eine Sportübertragung: Fußball, Formel 1, Wintersport. Einzig Golf und Curling finde ich sehr entspannend, aber das möchte wie immer niemand mit mir schauen.

Auch extrem quälend ist der jährlich stattfindende European [JUH-rOH--PI-ÖNN] Song Contest (ESC), der früher mal Grand Prix d'Eurovision de la chanson hieß -- die alte Nuschelmuschel läßt grüßen. Wird man im Freundeskreis zu solch einer Veranstaltung eingeladen, man möchte (und sollte) reflexartig den Abend anderweitig verplanen. Fremdschämen war mir noch nie ein Vergnügen, vielmehr leide ich ununterbrochen mit, wenn bizarre Pailetten-Olgas die singende Säge geben, derweil eine jedes Maß vermissen lassende Lightshow versucht, optisch über das Schlimmste hinwegzutäuschen.
Irgendwann nach gefühlten 67 Beiträgen (in den 80ern waren das mal 15, oder?) ist fast alles überstanden, das Gejaule ist erst einmal verstummt, der Rauch hat sich verzogen, das Blitzen und Blinken konnte auf ein Minimum heruntergedreht werden. Aber dann kommen die Jury-Ergebnisse auf die gepeinigten Ohren: Benelux mauschelt untereinander, die ehemaligen Ostblockstaaten mauscheln untereinander, Türkei gibt Griechenland Null Punkte, Griechenland gibt der Türkei Null Punkte, während uns Griechenland und der halbe Ostblock dizzt usw. (interaktive Grafik). Das das mit Musik nichts zu tun hat, das hatte ich schon mitbekommen, ich bin ja nicht taub. Aber dann noch so ein prä-pubertäres Herumgepunkte im Putin- und Erdogan-Style, das ist ein nicht zu unterschätzendes Zusatz-Ärgernis!
Deutschland bekommt entweder ungerechterweise kaum Punkte, ungerechtfertigterweise gar keine Punkte oder gewinnt total überraschend, dazwischen gibt es nichts. Zum Schluß wird die übermenschliche Geduld des Zuschauers damit bestraft, dass man den sog. Siegersong (u.U. Finnland mit "Lötköpötkö") noch einmal hören muss -- brrr!

Meinen schönsten Grand Prix habe ich um die Jahrtausendwende bei einem damaligen schwulen Freund verbracht. Der hatte um die 20 Leute geladen und denen Wochen zuvor Länderfähnchen zugelost. Zu diesem Land musste man dann etwas fürs Büffet beisteuern. Das sich dort aufbäumende internationale Büffet war echt die Wucht in Tüten und tröstete über vieles hinweg -- mein Tipp für den ESC 2017.


Mittwoch, 11. Mai 2016

Wählt PIA!

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Liebe Leute, heute mal kein Beitrag von mir, sondern von meinem alten Kumpel Professor Yussuf Isidor Morgenthau von der Universität von Miscatonic:


"Liebe Rezipienten!
Viel ist in der letzten Zeit von der sogenannten "Islamisierung des Abendlandes" die Rede gewesen. Machen wir uns doch nichts vor! Die Christianisierung des Abendlandes ist mit dem Ende des letzten großen Krieges knirschend zum Stillstand gekommen und seitdem so massiv auf dem Rückzug wie die Pest oder die Kinderlähmung. Warum? Weil alle Probleme der Moderne von Christen verursacht worden sind. Ich wiederhole: Alle Probleme der Moderne sind von Christen verursacht worden!
Mittlerweile aber sind nahezu alle Bewohner Europas Ungläubige und Heidenkinder, mit Ausnahme der Polen und unserer greisen Anverwandten vielleicht. Die Christianisierung des Abendlandes ist also unbestritten Schnee von gestern. Was also wäre stattdessen so schlecht an einer Islamisierung des Abendlandes?
Hier kommt PIA -- die Partei zur Islamisierung des Abendlandes ins Spiel.

Bevor alle refexartig zu blöken beginnen, vor allem greise Kirchenfürsten und die sog. "Patrioten", hier einige wohldurchdachte schlagkräftige Argumente, was die Einführung der Scharia in Europa für die Europäer alle einen ungeheuren Mehrgewinn bringen würde:


Arbeitslosigkeit
Nimmt man schlagartig alle Frauen aus dem Erwerbsleben heraus, wird in Europa ein zweistelliger Millionenbetrag an Arbeitsplätzen frei, in Deutschland allein sage und schreibe 17,7 Millionen! Adé Arbeitslosigkeit, adé Jugendarbeitslosigkeit! Jetzt muss selbst der letzte Heckenpenner ran, um das riesige Loch im Arbeitsmarkt zu stopfen!
Der Hauptvorteil ist: Niemand hat mehr zickige Arbeitskolleginnen!
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Vollbeschäftigung dank PIA!!!

Frau zu Hause
Was die CSU mit ihrer Herdprämie zwar gewünscht, aber nicht hinbekommen hat, wird PIA im Handstreich gelingen: Endlich ist da wieder jemand in unseren Heimen, der Behaglichkeit und Häuslichkeit in Krankenhausmengen generiert. Erscheint der Ernährer des Abends mattgepaukt von des Tages Knechtungen in seinem trauten, nunmehr permanent autosterilen Heim, erwartet ihn bereits die Gattin mit seinen Hausschuhen, Feierabendbier und exotischen Speisen. Noch während der Gatte in die Kissen sinkt und sich seine diversen handgefertigten Kulinaria zu Munde führt, tanzt seine Suleika ihm den Tanz der sieben Schleier.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Begeisterung dank PIA!!!

Straßenverkehr
Im Jahr 2015 besaßen rund 73,5 Prozent der Frauen einen Führerschein. Wo Frauen nicht mehr Auto fahren, ist man ganz automatisch wieder Herr der Lage! Staus gehören der Vergangenheit an, es gibt Parkplätze ohne Ende, niemand muss jemals mehr hinter einen roten Kleinwagen mit 25 durch eine 30er-Zone juckeln! Hurra! 17,7 Millionen Kleinwagen, die Haushalte angeschafft hatten, damit Frauen damit zur ihrerm Halbtagsjob fahren können, um damit ausschließlich das Geld für den Unterhalt eben dieses Kleinwagens zu verdienen, können eingestampft werden.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Straßenverkehr at it's best dank PIA!!!

Diät
Burkha statt Low Carb, mehr muss nicht gesagt werden. 
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: pralle Lebensfreude dank PIA!!!

Mode
Burkha statt Manolo Blahnik. Das von der Damenwelt bisher emittierte ständige Geseihere über Farben, Riemchen, Schuhe verstummt, schafft Raum für eine erholsame, fast schon meditative Ruhe.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Die Rückkehr zur Vernunft dank PIA!!!

Pflegemittel
Der durchschnittliche Deutsche gibt jährlich ca. 160,00 € für Körperpflege- und Kosmetikartikel aus. Dabei entfallen statistisch 13,50 € auf den Herren und 306,50 € auf die Dame. Dank Burkha feiern nun wieder Kernseife & Wurzelbürste ihr Comeback! Sinnlos-unübersichtliche Drogerien wie z.B. DM können ihr Angebot nun auf ca. 50 Artikel des täglichen Lebens eindampfen.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: hart entrümpelte Drogerien dank PIA!!!

körperliche Ertüchtigung
Sich fünf mal täglich im Gebet gen Mekka zu neigen ist die neue Rückenschule der Nation. Kieser Training geht pleite, die ohnehin arg kargen Fitnessbuden werden in Begegnungsstätten umgewandelt.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: gerade Rücken dank PIA!!!

Rechtssystem
Während Bankenzocker bei uns einfach weitermachten, als sei nichts geschehen, sieht die Scharia für die Koksnasen in Zockerbanken interessante Körperstrafen vor wie 10.000 Stockhiebe oder das hochgradig unfachgemäße Entfernen von Gliedmaßen ("IS-Style") zur besten Sendezeit.
Brandstifter werden verbrannt, Steineschmeißer gesteinigt, Gammelfleischanbieter mit ihren Produkten gefüttert wie Stopfgänse -- alles ist in Balance!
Ehebruch: Um mal ein Geheimnis des Orients zu offenbaren: Ehebruch ist es nur, wenn die Beiden nicht miteinander verheiratet waren. Solches läßt sich aber im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen arrangieren und noch schneller wieder lösen. Eine Steinigung ist also in den wenigsten Fällen notwendig.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: eine Rückkehr des Rechts dank PIA!!!"


Donnerstag, 5. Mai 2016

Die Philosophie des Fliegenfischens


Wir Wuppertaler hatten von Donnerstag bis Sonntag Besuch von Chrissis Freundin B. aus Kanada. Nach ausufernden Schwebebahnfahrten und Hardtanlagenbesichtigungen incl. diversen Open-Air Kaffetrinken stand noch Köln nebst Dom auf dem Programm.
Doch was möchte der Gast? B. wollte gerne einen Angelbedarf-Laden aufsuchen und Fliegenfischen-Köder kaufen, als Geschenk für einen in Kanada lebenden Fliegenfischer. Alles, was ich über Fliegenfischen weiß, ist, dass da Männer in spacken Angelhosen im flachen Wasser stehen und malerisch mit ihren Angeln herumfuchteln und Leinen in der Luft herumschnörkeln wie Anno 1992 in "In der Mitte entspringt ein Fluss" (Wikipedia).
Ich gab zu bedenken, dass kanadische Angelsportgeschäfte mit Sicherheit opulenter ausgestattet seien, als lokale Köder-Katen, aber Argumente fallen nicht immer auf fruchtbaren Boden. Ich googlete mir also den einzigen Laden Wuppertals (Webseite) und am nächsten Tag fuhren wir (B., meine Frau und ich) dort hin.
Als wir die Tür des Geschäfts öffneten, erstarben im Inneren alle Gespräche. Die Anwesenden glotzten die Damen an, als habe stahlend Galadriel, Herrin des Goldenen Waldes einen ohne Lizenz betriebenen, nichtswürdigen Troll-Schankbetrieb betreten. Ein Scherge spurtete sofort umher, um alle Aschenbecher einzusammeln, die in dieser Männerdomäne so selbstverständlich wie bei Mad Men (Link) herumstanden.
Wir verdeutlichten der Tresenkraft (Pflegestufe II) unser Anliegen, derweil hatte der Büttel im Hintergrund keuchend alle 23 vollen Ascher eingesammelt. Er verstaute sie mit dezentem Scheppern.
"Ja, et kommt vorallm drauf an wannse un wose!", dampfte der Fachmann die Philosophie des Fliegenfischens eloquent zusammen. Er kam rum und führte uns zu einem Schrank mit mindestens drei dutzend Schubladen, die allesamt vollgestopft waren mit Döskes voller kleinteiligem, buntem Firlefanz. Die Auswahl war wuchtig.
Aha.
Sobald Männer im Spiel sind, reicht es ja nicht, es kompliziert zu machen. Nein, es muss wieder eine scheiß Wissenschaft draus gemacht werden! Das gilt fürs Grillen, das Atommodell und natürlich auch fürs Fliegenfischen.
Wir krosten also durch die Auswahl der winzigen, bunten, borstigen Dingerskes (Abb.), die allesamt irgendwelche lokalen Insekten in diversen Stadien ihres illustren Werdeganges von der Larven-Wiege bis zur Bahre nachbildeten.
"Der ist hübsch!", sagte B. über ein orange-braun gestreiftes Winz-Gezwirbel.
In der Zwischenzeit konnte ich mich im Laden etwas umsehen. Fische ködern war also ein arg kleinteiliges, ziemlich buntes und vor allem zubehörintensives Gedöns -- wie das wohl primitive Kulturen hinbekommen haben mit dem Fischefangen, so ganz ohne Neonschwimmer, Blinker und orange-braun gestreiftes Winz-Gezwirbel zu 1,99 €?
Nach einer Weile hatte B. eine kleine aber feine Kollektion zusammen, sie zahlte, wir verschwanden.
Während wir ins Auto stiegen, wurden im Inneren des Shops klim!, klim!, klim! die Aschenbecher wieder verteilt.
So eine Aufregung für die Angeljungs!


Montag, 2. Mai 2016

Test: Bin ich ein Katzentyp?

(Foto: Chrissi Sommer)
Wenn man eine Katze in seinem Haushalt wohnen läßt, dann hat man plötzlich einen Mitbewohner, der körperlich fitter ist, als man es je sein wird (Stichwort: "Ninja auf Speed"). Diese Fitness ist gepaart mit einem gutmütig-robusten Wesen, einem verwegenen Sinn für Badezimmer-Hygiene und Ordnung ganz allgemein sowie einer vorhandenen, aber nicht gerade das Firmament erleuchtenden Intelligenz.
Wenn man nicht weiß, ob eine Katze als Mitbewohner zu einem passt, dann kann man das im Vorfeld simulieren, indem man für ein paar Tage einen Handballer bei sich einziehen läßt. Ist man froh, dass die Krampe wieder weg ist, dann sollte man die Anschaffung einer Katze vielleicht auch noch einmal überdenken.


Donnerstag, 28. April 2016

Unglaublich leise

photo credit: Apple harvest via photopin (license)
Im Kalifornien-Urlaub wohnten wir alle paar Tage verschiedenenorts in ganz unterschiedlichen AirBnB-Unterkünften, einmal auch für zwei Nächte im "Hummingbird Cottage" (Link) auf einem Bio-Bauernhof.
Mit dem Honda-Mietwagen kehrten wir am zweiten Abend erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder heim und hatten auf der kurvigen, waldbestandenen Straße etwas Mühe, die richtige Toreinfahrt zu finden.
"Pass auf, dass dir kein Reh vors Auto läuft", sagte meine Frau.
Exakt in diesem Augenblick lief von rechts ein Stück lokales Damwild (Paarhufer) über die Straße, welches sich nur knapp unbeschadet ins Unterholz trollte.
Brems!
Puls!
Endlich an der Toreinfahrt angekommen, mussten wir mit heruntergedrehter Scheibe einen Code in ein Tastenfeld eingeben. Das Tor öffnete sich lautlos.
"Das ist hier ein Bio-Bauernhof, die sind schon alle im Bett, du musst sehr leise sein", flüsterte meine Frau. Ich berührte das Gas kaum. Der Automatikwagen rollte lautlos wie ein Geist über das weitläufige Gelände.
Wir parkten, stiegen aus, drückten die Türen zu, wir waren so!! unglaublich!! leise!!
"...", wisperte meine Frau unhörbar.
"??", signalisierte ich.
Sie deutete in der Finsternis auf den Kofferraum, da hatten wir noch die Einkäufe vom Tage.
Es gab für den Kofferraum eine Taste auf dem Funkschlüssel des Wagens, wenn es nur nicht so dunkel gewesen wäre wie im Gesäß eines BIO-Huhns!
Ich probierte mal eine der unteren Tasten.
MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!!
Great!
Ich hatte den "Panic-Button" erwischt (völlig normal auf einem amerikanischen Funkschlüssel).

Tags drauf gabs im gesamten Umkreis nur saure BIO-Milch.


Sonntag, 24. April 2016

ru24 Special: KALIFORNIEN, USA (von a bis z)

San Diego Sunset

Auto: Als Auto gilt in Kalifornien etwas, in das man über einen Trittstufe einsteigen muss. Ein Pickup oder Riesen-SUV sollte es schon sein. Als Kleinstwagen und Einsteigermodell gilt z.B. der in die Jahre gekommene "Isuzu Trooper" (Bild), gefolgt vom Ford F-150 (Bild), die unbestrittenen Herren der Straße sind die Dodge RAM 3500 V8 Heavy Duty Pickup Trucks mit Doppelreifen hinten (Bild). Am besten, eine Familie hat einen Riesen-SUV und einen oder mehrere Riesen-Pickups, man weiß ja nie. Ja, es gibt auch "normale" Autos in Kalifornien (meist japanische Mittelklasse), ein (1) Enthusiast aus Long Beach fährt sogar Golf und es wurden insgesamt gar drei (3) Smarts gesichtet, aber das ist nur mikrobisches Plankton auf Straßen, die von Walen dominiert werden.
Hammer: Was man in sunny California so gut wie nie sieht -- und das hat mich echt geflasht --, das sind Cabrios. Aber vielleicht sind 25° C (77° F) dem Kalifornier an sich einfach noch nicht warm genug, sodass er noch mit seinem Winter-SUV herumgurkt.

COSTCO: Vergleichbar mit unserer METRO findet man hier die Lebensmittel, mit denen man die riesigen amerikanischen Kühl-Gefrierkombinationen endlich einmal voll bekommt! Die 3-Pfund-Packung (1,36 kg) Philadelphia Frischkäse, Skippy Erdnussbutter gibt es gleich nur im Doppelpack zu 2,72 kg, Chipstüten groß wie Rotband-Säcke. Hier bersten die (Kühl-)Regale voller bizarrer Convenience-Produkte wie etwa backfrische Lasagne zu 3 kg und megalomanische verzehrfertige Eiscremetorten. Wozu zu Hause noch den Kochlöffel schwingen? Auch kann man hier kiloweise fertige Schnittchen kaufen. Natürlich soll die Gesundheit nicht zu kurz kommen, dafür gibt es hier auch einzelne, in Scheiben vorgeschnittene, ungeschälte Äpfel, die des Erwerbs harren -- you know: An apple a day keeps the doctor away.
In Anbetracht all dieser Pracht ist das hier gehandelte Toilettenpapier etwa 3 cm breiter als normal, ich finde, es steckt irgendwie System dahinter.

Coupons: Der Kassenbon an der Supermarktkasse ist locker ein Yard zwei Fuß lang (ca. 1,5 m, siehe Einheiten). Das liegt nicht am Megaeinkauf, sondern an den Coupons, die man noch aufgedruckt bekommt: 15% auf einen Artikel der Wahl bis zu dem und dem Datum, 30% auf KELLOGS Mumble Crumble oder 10% auf den gesamten Einkauf, wenn der über einem gewissen Betrag liegt oder man bekommt zwei Packungen COLGATE Ultra umsonst dazu etc. Diese Coupons kommen auch per Postwurfsendung ins Haus und sind auch im Internet zu finden, selbstredend auch über Handyapp. Wer jetzt ein Fuchs ist, sammelt die Coupons in dicken Ordnern und tüftelt darüber, wie man die wohl am heilsbringendsten zusammen mit einer PAYBACK-Karte und Lufthansa Miles & More kombiniert bekommt. Die Schlauberger sparen signifikant, indem sie Zeit & Hirnschmalz investieren, die, die einfach nur einkaufen wollen, zahlen eben drauf.

Deutscher sein in Kalifornien: Die Leute sprechen einen an, weil sie hören, dass man Deutsch spricht, dann erzählen sie, dass sie mal in Deutschland (Rammstein) stationiert waren oder zu Besuch waren (Hamburg, München) oder immer schon mal nach Deutschland fahren wollten (Oktoberfest). Dabei geben Sie auch sofort ihren kompletten Wortschatz preis: "Ghouten dak -- ahouf videasayn!" Wenn das geklärt ist, erklären sie einem, wo wir als Deutsche nun unbedingt hingehen müssen, um hoch authentische german "Bratz & Kraut" (Bratwurst & Sauerkraut) sowie "Heffe-why-cyn" (Hefeweizen) zu beziehen. Als seien wir ohne unsere German Products in California auf der Stelle auf cold turkey.

Einheiten: Sämtliche Einheiten sind hier über den Daumen eher "Harry Potter" als logisch-metrisch.
Länge: Eine Meile (entspricht 1,6 km, sie) unterteilt sich in 1.760 Yards (WTF?)  zu je 3 Fuß (uh?) zu je 12 Zoll (OMG!) -- ernstlich.
Temperatur wird in Fahrenheit gemessen, wobei Wasser bei 32° F gefriert und bei 212° F kocht -- ernstlich.
Flüssigkeiten: 1 gallon (= 3,79 l) entspricht 8 Pints (pt., 0,55 l) zu je 4 gill. o_O
Reifenluftdruck erfreut sich der Maßeinheit "Pound-force per square inch", das Drehmoment bei Autos wird übrigens in Foot-pound (Pfundfuß) angegeben *kicher*. "Pfundfuß" ist zurzeit mein neues Lieblingswort!

Erdbeben sind in Kalifornien so häufig, wie sich im Bergischen Land jemand über das Wetter beschwert. Allerdings haben die meisten Beben einen Stärke um die 2,0, sodass man gar nichts merkt. Dass eines Tages "The Big One" kommen wird, ist hier jedem klar. Das kann morgen sein oder erst in 100 Jahren. Also macht man weiter wie gewohnt.

Freundlichkeit: Ernstlich nahezu alle Kalifornier, denen ich begegnet bin, hatten ein sehr sonniges Gemüt, fast jeder freute sich über "die Deutschen". Die einzigen Ausnahmen waren ein arg mürrischer avocadohandelnder Mexikaner am Straßenrand, der in seinem Fernseher im Verkaufsstand lieber die neueste Folge von "Sturm der Leidenschaft" sehen wollte, als Früchte zu verkaufen und ein Gift & Galle spuckender Obdachloser in San Francisco, dessen Polinten ständig von seinem Karren fielen, wofür er uns Passanten die Schuld gab, sicher, sicher. Später saß Freund Sonne zu unserer großen Begeisterung mit uns im Bus nach Haight-Ashbury und monologisierte ein endloses aber nicht unrythmisches "SHITFUCKSHITSHITSHITFUCK".

Gastronomie: McDonald's, Burger King oder KFC sind hier eher die Ausnahme, ich habe kaum einen der drei Vorgenannten zu Gesicht bekommen. Dafür gibt es IHOP (International House of Pancakes), In and Out-Burger, die Bubba Gump Shrimp Company und viele Dutzend weitere spannende Läden mehr. Die Portionen sind riesig, die Preise moderat und Service wird überall RIESENGROSS geschrieben. Zum Essen bekommt man fast immer noch Tütchen mit Chips oder Cracker dazu (z.B. zur Clam-Chowder = Muschelsuppe noch bizarre Oyster-Cracker) -- warum auch immer. Kaffee und Softdrinks bekommt man bis zum Abwinken kostenlos nachgeschenkt und was man von seinem Essen nicht schafft, kann man in einen Doggy Bag mit nach Hause nehmen.
Das Bestellen des Essens ist allerdings wie bei Subway (Blogbeiträge) eine Herausforderung: Man bekommt grundsätzlich zu seiner Wahl noch ein halbes Dutzend bizarrer Wahlmöglichkeiten unterbreitet (immer genuschelt), die kleinen Nuschelmuscheln.

Geld: Münzen: 1 Cent „Penny“ (Durchmesser 19,05 mm), 5 Cents „Nickel“ (21,21 mm), 10 Cents „Dime“ (17,91 mm), 25 Cents „Quarter“ (24,26 mm), 50 Cents „Half dollar“ (30,61 mm), 1 Dollar „Buck“ (26,50 mm) -- die Größen gehen also bei aufsteigendem Wert auf-ab-auf-auf-ab -- am besten man legt der Kassiererin einfach sein gesamtes Kleingeld hin und lässt die Profis ran.
Scheine: 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 -- sie sind alle gleich groß und haben in etwa die gleiche Farbe. Also muss man sie ständig sortieren, idealerweise nicht in aller Öffentlichkeit, sonst finden sich schnell "interessierte Individuen".
Am besten, man zahlt einfach alles mit Karte, wie die Einheimischen.

Highway: Alle Spuren sind gleichberechtigt. Da das Tempolimit von 55 mph für alle gilt und Temposünder sogar vom Hubschrauber aus erfasst werden, halten sich alle recht schön brav daran. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass man bei Spurwechseln nach rechts auch immer einen Schulterblick machen muss, läuft es sehr gut. Dann kann man fahren und fahren, eine Tankstelle direkt am Highway gibt es nicht, man muss abfahren zum Tanken. Die Ausfahrten zeigen an "no service", wenn keine Tanke in der Nähe ist. Manchmal kommt länger nichts. Dann fährt man mit fast leerem Tank ab und dann sind da plötzlich vier Tanken -- eine an jeder Ecke der Kreuzung. o_O

Homeless: Man sieht viele Obdachlose in Kalifornien, je nachdem, wie stark die lokale Polizei sie aus dem Stadtgebiet vertreibt -- zuweilen bis an die Ränder der Highway-Auffahrten, für die dann wohl der Staat verantwortlich ist. In San Francisco scheint das SFPD generell Besseres zu tun zu haben, als Penner herumzuschubsen. Hier gehören sie einfach zum Stadtbild, ebenso wie die mit Passbild-Lanyards versehenen Businesskasper. In San Diego, der an Mexiko grenzenden Küstenstadt, kann man sich überhaupt nicht entscheiden, ob es sich dem einen oder anderen Gammelvogel um einen skatenden Hippie, runtergerockten Surf-Hobo oder doch um einen arg derangierten Hipster mit Pappunterkunft handelt. Egal, tiefenentspannt sind die San Diego-Dudes allesamt.

kcal: Während Lebensmittelpackungen immer und ausschließlich nur Kalorienangaben "pro Portion" z.B. "277 kcal à 44 g" aufgedruckt bekommen (was die Schergen der Lebensmittelindistrie freuen wird), hat man die Restaurants & Fastfoodketten dazu verdonnert, Kalorienangaben zu ihren Getränken und Gerichten dazuzuschreiben. Das war für McDonald's, Starbucks & Co. sicherlich genau so ein Schock wie für die Kunden, die sich arglos am Morgen ihren "Iced Caramel Macchiato" in Größe "Venti" mit Vollmilch abholten, der plötzlich auf stolze 1.017 kcal kommt. Es ist ernüchternd, wenn man begreift, dass man soeben weit über 1/3 der empfohlen Tageskalorienmenge als Morgenkaffee hatte.

Los Angeles: Die Sehenswürdigkeit überhaupt ist das Getty Museum. Das Hollywood-Schild wird von der Polizei 24/7 bewacht und das Gelände rund ums Schild darf nirgends betreten werden, es ist überhaupt nur von bestimmten Stellen aus zu sehen. Doch das Beste an LA ist: Wenn man mal da war, kann man später bei TV-Serien wie Bosch, Flaked & Co. (Liste) und bei Filmen ununterbrochen wie ein Wackeldackel weise nicken und sagen: Da drüben habe ich mir die Schuhe zugebunden und da drüben hatten wir diese riesigen, ekligen Zwiebelringe!

Natur: Ich bin niemals zuvor in meinem Leben an einem Fleck der Welt gewesen, der von Sonne & Natur dermaßen gesegnet war wie dieser. Hier wachsen Dukatenbäumchen als Hecke und die Vorgärten explodieren geradezu vor Grün. Kolibris schwirren umher (insgesamt 600 Vogelarten), geradezu über-exotisch wurde es, als ein Truthahngeier versuchte, vor unserem Auto einen Roadkill von der Straße zu befördern. Seehunde und Seelöwen liegen an den Piers und auf Bojen herum, ganze Schulen Delphine (ja, die Sorte mit 'ph') schwimmen mit dem Schiff mit, überall gibt es Eichhörnchen, Eidechsen, Damwild, Monarch-Schmetterlinge. Wow!!
Der 17-mile-drive ist die vielleicht schönste Küstenstrecke der Welt, sobald man aussteigt riecht es nach Zypressen, Kiefern, Blumen und Meer, es ist unbeschreiblich.

Balboa Park, San Diego

San Diego: ist ein Surfer-Paradies. Das "Gaslamp Quarter" von SD ist völlig uninteressant, sagenhaft sind die kleinen Häuschen, schrammeligen Läden und wackeligen Bars in Ocean Beach. Die Straße bis runter zum langen Pier ist palmengesäumt (Bild oben). Ein Sonnenuntergang hier ist die Wucht in Tüten für alle Grasraucher, von denen es in SD nicht zu wenig gibt. Der Balboa Park ist einer der schönsten und aufwendigsten Parks, die ich je gesehen habe. Der Kaktusgarten rockt. Die gepflegten Rasenflächen darf man betreten und laden zum Dösen & Picknick ein. Der Park hat duchgehend kostenloses WLAN und eine eigene App, mittels der man nach allen Angeboten suchen kann, auch nach Toiletten.
Der beste Mexikaner bei dem wir je gegessen haben, ist Ortegas Cochina (Webseite).
Durch die hohe Dude-Dichte der Stadt sind die Supermärkte dazu übergegangen, elektronische Wegfahrsperren in ihre Einkaufswagen einzubauen, damit diese das Grundstück nicht verlassen und als Pennermobil enden.

San Francisco: Wenn man nicht dort war, glaubt man kaum, wie steil die Straßen einer Stadt sein können. Ich habe mich vor Ort gefragt, wer ernstlich auf die Idee kam, hier zu siedeln: Das war völlig verrückt, vor allem mit Kutschen und Pferden! Mit dem Cable Car, welches ausschließlich nur noch Touristen nutzen, sollte man wirklich ganz unbedingt fahren! An der ersten Station wimmelt es von Touris, man sollte ab der zweiten Station einsteigen und sich so etwa eine halbe Stunde Anstehen sparen. Die Fahrt (7,00 $) sollte man außen am Cable Car stehend bis Fishermans Wharf genießen. Dann schnell ein paar Fotos vom Fishermans Wharf-Logo mit Krebs und dann sollte man die Beine in die Hand nehmen, denn das Areal ist touristisch völlig übererschlossen, um es vorsichtig auszudrücken. Es lohnt, beim Rückweg mit dem Cable Car in China Town auszusteigen und man sollte mit dem Bus nach Haight-Ashbury fahren.
Tipp: In Berkeley wohnen und mit der BART-Bahn nach SF fahren, denn dort werden Parkplätze mit Gold aufgewogen. Außerdem kenne ich persönlich eine Person in meiner alten Heimatstadt, die seit dem Autofahren in SF eine Angststörung betreffs steiler Straßen hat.

Starbucks: Wer mal schnell Pipi muss und auch ins WLAN möchte, der ist bei Starbucks USA an der richtigen Adresse, denn hier gibt es immer Beides -- und auf 500 Metern gibt es manchmal drei Filialen, kein Witz (es gibt 13.000 Filialen insgesamt in den USA). Bestellen sollte man sich dann dort ganz unbedingt einen ganz normalen Filterkaffee. Erst einmal bekommt man den ohne großes Gemansche & Gepansche sofort ausgehändigt, spart hunderte kcal und das Teil ist im Gegensatz zu den anderen "Kaffe-Kreationen" bezahlbar dazu (hier die ganze kcal-Liste: Link).
Wieder zu Hause in good old Germany gilt dann wieder: "Freunde lassen Freunde nicht zu Starbucks gehen".

Tanken: Eine amerikanische Zapfsäule hat optisch eher etwas von einem Geldspielautomaten. Tanken geht nur auf Vorkasse. Die Zapfsäulen akzeptieren zwar Kreditkarten, aber sie wollen einen ZIP-Code dazu, der einer amerikanischen Postleitzahl entspricht. Man geht also zum Kassenhäuschen, zahlt vorab 40,00 $ auf die Säule Nummer 6, geht zum Auto zurück, drückt die Taste für den Sprit, den man möchte (hier gibt es alles aus einem Rüssel), tankt. Passen nur 37,22 $ in den Tank, geht man wieder zum Häuschen zurück und bekommt die restlichen 2,78 $ wieder auf die Karte gutgeschrieben. Das klingt umständlich und das ist es auch.

Toiletten: In Deutschland ist man gewohnt, dass, wenn der Laden Sitzplätze hat, dann gibt es dort in der Regel auch eine Kundentoilette. Das ist hier nicht so. Kleinere Donut-Schuppen usw. haben oft ein "No Restrooms"-Schild. Die übrigen Läden (siehe "Starbucks"), egal wie groß, begnügen sich sehr häufig mit einer (1) einzigen Unisex-Toilette, sodass es durchaus länger dauern kann, bis man die mal unbesetzt erwischt. Im IHOP in Bakersfield hatte ich 6x hintereinander kein Glück, dann wollte ich nicht mehr müssen. Dafür, dass die Meisten nur eine einzige Toilette haben, ist diese überraschend sauber.

Touristen: Wähle eine zufällige Küstenstadt Nordamerikas, wähle einen zufälligen Tisch in einem zufälligen Restaurant in einer beliebigen Seitenstraße -- und es werden Deutsche am Nebentisch sitzen. Wir haben das geschafft. Mehrfach. Während sich Serben und Brasilianer in dieser Situation gegebenenfalls weinend in die Arme fallen, wenn sie sich zufällig z.B. am Südpol begegnen, so "soll [es] ja als typisch deutsch gelten, es als unangenehm zu empfinden, beim Individualtourismus auf Landsleute zu treffen." (Tina Kupke, Facebook)
Ja. Isso.

Uggs: Bei 25° C geht dem Deutschen an sich das Herz endgültig auf. Sommer, Sonne, Sonnenschein, Palmen galore!! Vor Ort stapfen die vielbesungenen california Girls dann aber immer noch gerne mit Uggs herum, weil die lokalen Damen anscheinend echt andere Temperaturen gewöhnt sind, als läppische 77° Fahrenheit. Gut, dass wir vor diesen Temperaturen wieder weg waren.

Verkehrsregeln: An der roten Ampel darf man rechts abbiegen, wenn man schön aufpasst und es nicht ausdrücklich untersagt ist. Doppelt durchgezogene Linien gelten nicht, wenn man über sie in eine Einfahrt abbiegt oder aus einer kommt. Am Stoppschild hält man nur mal gerade eben so an. Wer an einer 4er-Stopp-Kreuzung als erstes ankommt, darf als Erstes weiterfahren. Auf der Autobahn ist rechts überholen genau so normal wie links überholen. Tempolimits liegen immer bei 25/35/45/55 Meilen die Stunde. Und so. Ist man selbst entspannt, sind die Anderen es auch.
Hat man sich endlich daran gewöhnt, reist man wieder ab.

Weber-Grill: Wer in der neuen Welt etwas auf sich hält, hat einen Weber-Grill und einen Weber Barbecue-Smoker im Backyard stehen und besucht thematisch passende Abendschulkurse dazu, z.B., wie man so allerlei, z.B. Quarkbällchen, auf den Punkt grillt.
"Im Jahr 1952 erfand George Stephen den ersten Kugelgrill, indem er die Unterseiten zweier Bojen zu einem Grill mit Deckel umfunktionierte. ... Bis zur Erfindung und Etablierung des Kugelgrills waren in Nordamerika hauptsächlich Grills aus Ziegelstein üblich, die fest installiert waren." (Wikipedia) Der Firmensitz von Weber-Stephen Products LLC ist in Palatine, Illinois, USA.

Weinproben: Das "Wine Country ist eine Weinbauregion in Nordkalifornien. Sie liegt nördlich von San Francisco und besteht aus über 400, überwiegend in Sonoma County und Napa County angesiedelten Weingütern. Zu den bekanntesten Weinbaugebieten der Region gehören Napa Valley, Sonoma Valley (...) und Russian River Valley." (Wikipedia) Wer in der malerischen Ecke allerdings gerne an einer Weinprobe teilnehmen möchte, sollte viel Sonne im Herzen tragen, da die "wine tastings" zwischen 10.00 Uhr morgens und 17.00 Uhr am Nachmittag stattfinden -- vielleicht, um lange ausschlafende Alkoholiker auszusperren. Leider waren wir zu diesen Zeiten anderweitig beschäftigt.

Zwiebelringe: In Kalifornien sind die Zwiebelringe so groß, dass ein Baby sie als Stirnreif tragen könnte. Wo auf diesem Planeten gibt es solche Zwiebeln? Und nimmt man nur den Äquator dieser Riesenzwiebeln dafür? Rätselhaft!

Riesenzwiebelringe und Crackertütchen

Sonntag, 13. März 2016

Oskar 3 - Desert Storm

photo credit: sand storm via photopin (license)

Kater Oskar hat ein riesiges, hohes Katzenklo mit einem breiten, nach innen gewölbten Rand. Es ist so hoch und groß, dass ich mich anfangs darüber lustig gemacht habe. Theoretisch könnte man darin Bauarbeiten betreiben, ohne dass jemals Katzenstreu heraus fliegt.
"Theoretisch" ist hier wohl das Stichwort.
Denn schon als winziges Kätzchen gelang es Oskar binnen Stunden, größere Kontingente Katzenstreu in unserem Bad zu verteilen. Völlig rätselhaft! An manchen Tagen übertrieb er es dermaßen damit, dass ihm das den Spitznamen "Desert Storm" eingetragen hat -- denn unser Bad sah aus wie ein Modell des Iraks im Maßstab 1:144.000!
Gestern Abend kam ich ins Bad und konnte das Katzenvieh gerade noch dabei beobachten, wie er quasi einen Salto vorwärts aus dem Katzenklo heraus machte und wie der Blitz verschwand, pfotenweise Granulatkrümel wie Kamelle verteilend.
WTF?
Als sich eine Sekunde später die aus Richtung Katzenklo mit 2 km/h auf mich zutreibende Giftgaswolke traf, war klar, warum das Vieh wie von Furien gehetzt floh.
Ich wand mich würgend von dannen.
Ach so!