Dienstag, 21. April 2015

ru24 history 54: Bella Italia (1992)

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1992 war ich mit Freunden am Gardasee, von da aus haben wir einen Zwei-Tage-Ausflug nach Florenz gemacht.
Florenz beeindruckt mit Autofahrern, die dermaßen viel mediterranes Flair versprühen, dass ich den Wagen abstellte und mich weigerte, auch nur einen Meter weiter zu fahren. Als Fußgänger lernt man in Florenz auf die harte Tour, dass ein Zebrastreifen nichts weiter ist, als eine Abfolge weißer Rechtecke auf der Straße. Am Rand des Zebrastreifens stehend, ist Augenkontakt zu nahenden Fahrern in Deutschland immer ein Mittel der nonverbalen Kommunikation, ein Signal. Dem florentiner Automobilisten signalisiert es lediglich, dass du, der Fußgänger, ihn gesehen hast -- er kann somit beruhigt Gas geben. Wir stehen eine Weile ratlos herum, bis wir es begreifen: Wirst du auf dem Zebrastreifen überfahren, bist du im Recht. Die logische Konsequenz ist: Man überquert die Teile einfach ohne rechts und links zu schauen in einer Art Suicide-Style, alle Fahrer hupen sowieso ununterbrochen -- und schon ist man drüben.

So viel Aufregung macht hungrig: Bella Italia, das Mutterland der Pizza! Im Biergarten einer kleinen Kaschemme finden wir uns unter Bäumen ein, um original! italienische! Pizza! zu essen, die Krönung des Tages! Hurra! Zikaden zirpen, leichter Wind geht, Lichterketten illuminieren die Nacht -- es ist wie im scheiß Märchen! Wir bestellen Pizza und bekommen, nun ja, ... hmmm ... "etwas". Es sind vage nieren- oder auch Bodenseeförmige Teigstücke mit verbranntem Rand. Auf einige Stellen ist freundlicherweise auch Tomatensauce aufgekleckert, hie und da hat sich etwas Gemüse oder auch mal ein Fleck Schinken verirrt. Die Dicke des Teiges variiert von hauchdünn und verbrannt blasig bis wulstig teigig. Das arme Ding splittert in alle Richtungen auseinander, als man mit der Gabel hineinsticht. Aber wir waren jung und hungrig und haben ganz dolle tapfer aufgegessen.
Um meinen Kollegen Raimund völlig aus dem Zusammenhang zu zitieren: "Das können sie also auch nicht."

Wer eine vernünftige Pizza essen will, sollte gegebenenfalls in Deutschland eine bei Hallo Pizza bestellen.


Sonntag, 12. April 2015

Schottland (2015)

"Haggis with neeps and tatties"

Schottland!
Zuerst denkt man da natürlich an halbnackte, in fadenscheinige, karierte Stoffetzen gehüllte Barbaren, die in zugigen, kargen Hügellandschaften Dudelsack spielen, wenn sie sich nicht gerade an die Gurgel gehen und/oder sich Whiskey in selbige kippen, der u.U. älter ist als sie selbst. Sowieso: Spricht der Schotte, versteht das auf Oxford- und BBC-English trainierte Ohr nur knapp jedes dritte Wort. Gegen den kleinen Hunger kommen bei den Kaledonen quasi-klingonische Nahrungsmittel wie Haggis auf den Tisch, die Mitteleuropäer nicht einmal an ihre Hunde verfüttern würden.

Das alles stimmt so nicht ganz.
Nach meinem Kurztrip nach Edinburgh möchte ich korrigierend folgendes hinzufügen:

  • "Halbnackt" war gestern: Zu 2°C und sporadischem Schneeregen trägt der moderne Scotsman zumindest T-Shirt und Jeans, die moderne Scotswoman gewandet sich in kurzärmelige, semitransparente Blusen, denn hey: Auch wenn es graupelt -- ES! IST! FRÜHLING!
  • Dudelsack spielt der Schotte an sich i.d.R. nur noch an touristischen Brennpunkten (ein Berufskollege ist der dread-gelockte Didgeridoo-Spieler auf der Kölner Domplatte). Abgesehen vom Touri-Gedöns quetscht der Schotte den wüst trötenden Ziegenbeutel sonst nur noch in seine Achselhöhle, um böse Geister zu vertreiben -- also wenn die Queen während der Holyrood Week (Link) zu Besuch ist.
  • Die Schlacht von Culodden ist lange vorbei (Link). Barbarisches Schlachtengetümmel à la "Schottland vs. den Rest der Welt" findet heute nur noch beim Rugby statt, dann aber fett. Die Spiele werden selbst in den schangeligsten Fish & Chips-Shops übertragen und füllen die Straßen mit Schlachtenbummlern. Also: Was macht die Schotten dicht? Man begießt das Event brachial mit heimischem Gebräu (Link) und natürlich mit größeren Mengen durch Destillation von Getreidemaische gewonnenen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereiften Spirituosen (vgl. Wikipedia). Anschließend versucht der Schotte, Karomuster an Häuserwände zu kotzen, was mitunter beeindruckend gut gelingt.
  • Das in Schottland gesprochene 'so genannte Englisch' ist stark durch Scots (Link) und Gälisch gefärbt und verhält sich zum Englischen wie das Bayrische zum Deutschen. Auch wenn der Schotte sich sehr bemüht: Versteht der deutsche Touri auch nur jedes fünfte Wort, dann ist er bereits "Fortgeschrittener". Das hört sich nämlich so an: "Snug ohtn awl smehk QUEEN, slog ohptn awhn meoch SCOTS, alock armeahg smohk shoae MURDERED". Ein Riesenspaß! Bustouren und Führungen sollten deshalb immer, immer, immer auf deutsch gebucht werden, sonst kann man sich auch gleich zu der finnischen Gruppe gesellen. Auf einer 12-stündigen Bustour durch die Highlands habe ich nur ganze 650 Wörter verstanden, verteilt auf den Tag -- und das auch nur, weil der Busfahrer im Kilt sich bemüht hat.
  • Eine Spezialität der schottischen Küche ist Haggis. Das gibt's da in jedem Supermarkt, in der Schangel-Frittenschmiede und im Restaurant gleichermaßen. "[Es] besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis wird mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. (...) Traditionell werden zum Haggis Kohlrübe (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen." (Quelle, siehe Bild oben) Eat this, ihr Lappen! Seid ihr Frauen und Männer des Bergischen Landes oder Memmen? Ich habe Haggis an DREI aufeinanderfolgenden Tagen zu mir genommen, und hey: Das gibt richtig Glanz auf'm Köttel! (Liegt wohl am Nierenfett.)


Donnerstag, 12. März 2015

Wackelpudding made in USA

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"Götterspeise ist eine Süßspeise aus Gelatine, Zucker, Aroma- und Farbstoffen." (vgl. Wikipedia)
Also alles, was mein Körper braucht ...
Bei uns zu Hause hieß Götterspeise "Wackelpeter". Der wurde serviert mit Schlagsahne oder Vanillesauce. Und seit 1967 gab nur eine einzige Sorte: grün (also "Waldmeister").
Anderen Sorten als "grün" stehe ich auch heute noch mit Argwohn gegenüber.
In Deutschland gibt es weiterhin noch Himbeere (rot), Kirsche (im Ernst?) und Zitrone (gelb).
Das war's so ziemlich.
Reicht auch, könnte man meinen.

Das sieht man in den USA allerdings anders. Dort  heißt Wackelpuddung "Jell-O" und ist von KRAFT (was man ausspricht wie "World of Warcraft" ganz hinten). Sorten gibt's dort wie Sand am Meer, schon wegen der "unbegrenzten Möglichkeiten" und so:
Ananas, Aprikose, Berry Blau, Black Cherry, Blackberry Fusion, Cranberry, Erdbeer-Banane, Erdbeer-Daiquiri, Erdbeere, Frucht-Punsch, Himbeere, Kirsche, Kirsch-Limonade, Limette, Mango, Margarita, Melon Fusion, Orange, Pfirsich, Pina Colada, Saft, Soda-Pop, Traube, Traube Farbwechsel (is klar), Tropical Fusion, Wassermelone, Zitrone (vgl. Wikipedia).
Dazu kommen etwa drei dutzend "ehemalige" Sorten, die unverständlicherweise aus dem Programm genommen wurden. Dazu zählen solche Schmankerl wie Kaugummi, Zuckerwatte, Root Beer, italienischer Salat, gemischtes Gemüse, Tomate der Saison und Sellerie (bäh!).

Aber eine Sorte gibt es nicht und gab es noch nie in den USA: Waldmeister (so called 'woodruff').
Die wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht.


Montag, 2. März 2015

ru24 future 2: Flucht aus Wuppertal, der Stadt ohne Wiederkehr (2018)

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21. Juli 2014: Sperrung der B7
Erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik beschließt eine Stadt für eine Großbaustelle eine Bundesstraße für geplante 3 Jahre vollständig zu sperren. Es sollen - wen wundert's in Anbetracht des Hauptstadtflughafens und der Elbphilharmonie - fast sieben Jahre werden.

25. September 2014: Sperrung der Autobahnauffahrt "Katernberg"
Rückblickend wirkt die Sperrung der Autobahnauffahrt "Katernberg" auf der A46 zusätzlich zur Vollsperrung der B7 für 18 Tage wie ein Ausblick auf kommende Sensationen.

ab Februar 2015: Sperrung des Kiesbergtunnels (L70)
Straßen NRW testet hier erstmalig, wie weit man in einer Stadt gehen kann. Geplant sind fünfmonatige Sanierungsarbeiten, um die "abgelaufene Betriebsgenehmigung" des Tunnels wieder zu erneuern. Das die mal abläuft, damit hatte ja niemand rechnen können! Millionen werden in das Projekt gebuttert. Doch ach! Die Mikrofrakturen in den tragenden Strukturen und durch saures Grundwasser zersetzter Stahlbeton machen einen Neubau notwendig (geplanter Baubeginn: 2027). Dafür sind in der stillgelegten Ruine jetzt die Fluchtwege chefmäßig gekennzeichnet und man kann Verkehrsfunk empfangen - wenn einem der Sinn danach steht.

ab August 2017: Ausbau der A46 am Sonnborner Kreuz
Mit ganzen drei Arbeitern und ebenso vielen Dixi-Klos startet der sechsspurige Ausbau der A46 mit Flüster-Asphalt am Sonnborner Kreuz. Der Bauarbeiter Jürgen "Jolle" H. beginnt versehentlich mit der Vollsperrung der Autobahn. "Et war so 'n Reflex, ich war in Gedanken. So läuft dat doch normalerweise in Wupatal", so H. später in einem Interview mit dem Leitmedium BUNTE.

der 30.08.2017
Als am Autobahnkreuz Wuppertal Nord ein Tankwagen, gefüllt mit dem radioaktiven Nervengas "Nukleo-Phosgen H", havariert, ist die Stadt auf beiden Seiten von der A46 abgeschnitten. Das THW rechnet wegen der extrem aufwendigen Dekontamination in doppelten Schutzanzügen mit "etwa 36 Monaten" Vollsperrung. Die Ladung des LKW war angeblich für die "zivile Nutzung in einem Schwellenland" vorgesehen, so Pressesprecherin Imogen Krummrhein-Paziwicky von BAYER.

Herbst 2017
Straßen NRW beginnt wie jedes Jahr, etwa 30 Baustellen auf den Ausfallstraßen rund um Wuppertal aufzumachen - weil sie es können. Doch die Verkehrs-Infrastruktur war bereits am Limit. Die Summe der Baustellen und Engpässe führt dazu, dass man die Stadt nun nur noch über zwei (2) ampelgeregelte Einbahnstraßen erreichen kann. Leider führt keine Straße mehr hinaus. "Eine kleine Planungsschwäche", wiegelt Horst Krempel vom Bauplaungsamt in Radio Wuppertal ab. Der ADAC verteilt derweil Decken und Tee, kapituliert aber bereits nach wenigen Tagen vor der Flut der Menschen, die die Stadt nicht mehr verlassen können. "Wir erleben den Beginn einer humanitären Katastrophe", so Wulfhart Wessels von den 'gelben Engeln'.

Winter 2017/18: Einrichtung von Notunterkünften im Kiesbergtunnel
Immer mehr Ronsdorfer, Radevormalder, Remscheider, sogar Düsseldorfer stranden in der "Stadt ohne Wiederkehr", wie die "Schwebebahnstadt" jetzt in den Medien genannt wird. Wuppertaler, die auswärts arbeiten, verlieren ihre Jobs. Längst ist jede Straße mit parkenden Autos vollgestellt. Auf jeden Wuppertaler kommen nun 1,2 Gestrandete. Nachdem alle Sporthallen überfüllt sind, richtet die Stadt Notunterkünfte im ohnehin leeren Kiesbergtunnel ein. Der hat chefmäßig gekennzeichnete Fluchtwege und man kann Verkehrsfunk hören. Die Medien berichten täglich. Bei dem ARD-Spendenmarathon eine Woche vor Weihnachten 2017 sammelt Günther Jauch 1.785.548 € für die Eingeschlossenen. Am 24.12.2017 wird die kleine Hope Schliepkötter, das erste "Tunnelbaby" geboren. Sie wiegt 3.698 g.

ab März 2018
Die Lage wird zunehmend prekärer. Skrupellose Schlepperbanden schlagen Kapital aus dem Elend der Eingekesselten. Ausreisewillige werden mit Versprechungen geködert, sie für 5.000 EUR pro Kopf die Wupper hinab zu schiffen. Im Morgengrauen werden die Elendsgestalten auf improvisierten Flößen oder bereits leck geschlagenen Ruderbooten zusammengepfercht. In den seit Wochen leeren Augen liegt ein Hoffnungsschimmer. Doch treibend auf den eisigen Fluten der Wupper schaffen es viele nur bis Solingen-Unterburg, dem "Lampedusa des Bergischen Landes", wie es nun in den Medien genannt wird.


Freitag, 27. Februar 2015

ru History 53: Fahrmischer & Bagger (1970/1971)



Fahrmischer
Im Sommer 1970 befand ich mich oszillierend im Besitz eines großen, maus- bis mittelgrauen Spielzeug-Fahrmischers (das sind LKW-Betonmischer). Das mit dem "Oszillieren" kam daher, dass, wann immer ich in die Hosen gepupt/gepullert hatte, musste ich das Teil wieder an meine Mutter (Queen Mom) abgeben. Sie stellte es dann hoch oben auf den Küchenschrank - gut zu sehen, aber für Zwerge unerreichbar. Blieb ich dann trocken, bekam ich das Teil wieder zurück. Mit der Zeit hatte sich das ganz gut eingependelt: Wenn ich mal wieder die Hosen voll hatte, drückte ich meiner Mutter einfach den LKW in die Hand - da wussten wir dann beide, woran wir waren.
Im Grunde ist es ein Wunder, dass ich nicht heute noch beim Anblick eines Fahrmischers Verstopfung bekomme.

Bagger
Eines Tages nahmen meine Elten mich zu Besuch zu "Leuten" mit. Die hatten auch Kinder. Dort gab es einen feuerwehrroten Spielzeug-Bagger. Es war nicht irgendein roter Bagger. Für mich war es in diesem Augenblick "Excalibur unter den Baggern"! Mit klebrigen Griffeln klammerte ich mich an diesem von den Göttern gesandten Kleinod fest. Wann immer jemand versuchte, mich von dem Spielzeug zu lösen, stieß ich das Geheul von 1.000 Höllenhunden aus. Ich pfiff sowas von auf Argumente und so einen Quatsch wie "gehört dir gar nicht" etc! Die Anwesenden standen ratlos um mich herum, zumal meine Eltern auch gerne mal wieder nach Hause gefahren wären. Am Ende einigte man sich, dass ich den Bagger "leihen" dürfe. Zu Hause war ich erst von Excalibur zu trennen, als ich fest eingeschlafen war. De Vatter nahm den Bagger an sich, stieg ins Auto und brachte ihn den Leuten zurück.


Donnerstag, 26. Februar 2015

@work 23: "viertel zwölf" aka "11:15 Uhr"

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De Mutter sprach gerne von nem "halben Pfund 'gute' Butter". De Tante lagert sich auch heute noch mit Vorliebe mal nen "Zentner" Kartoffeln ein und wundert sich, dass sie das mit über 80 nicht mehr schafft, sie vor der totalen Auskeimung aufzuessen. De Vatter bestellte an der Fleischtheke gerne auch mal "anderthalb (1 1/2) Dutzend" Scheiben Aufschnitt, schon aus Frack, um die juvenile Fleischfach-Maid in Nöte zu bringen.

Sicherlich handelt es sich hier um veraltende Mengenangaben.
Aber wenigstens weiß man, woran man ist. Denn es gibt sie, die Vögel mit den fehlenden und dazu irreführenden Angaben...

Oft rufe ich von der Arbeit aus in Baumärkten an und erhalte die hoch-schwammige Aussage "Der Herr Pfleiderer ist um viertel zwölf wieder zugegen."
Was soll ich mit so etwas anfangen?
Gehts noch?
Hier fehlts ja wohl an allen Ecken und Enden an entscheidenden Informationen: "vor" oder "nach" oder was? Rufe ich den Pfleiderer dann um 12:15 Uhr an, ist der nörgelig, weil er schon über ne Stunde gewartet hat, da "viertel zwölf" wohl angeblich (ich hab's gegooglet) "viertel nach 11 bedeutet".
Hä?
Ein ganz klassischer Fall von "WTF?"
Dann sollen sie das doch sagen, die kryptischen Herrschaften!
Ich sag ja auch nicht "kurz acht" und meine 7:05 Uhr!
Und "ein Sechstel zwölf" bedeutet dann "zehn nach elf" und "elf zwölftel elf" bedeutet dann "fünf vor zwölf"?
Sicher, sicher.
Spacken.


Mittwoch, 25. Februar 2015

Veganer

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Wenn wir früher mit den Eltern einen Zoo oder Safaripark besuchten und sich vor uns Besuchern in einem Gehege eine Herde - sagen wir Gnus - ausbreitete, dann ging immer dieses Strahlen von meiner Mutter, Queen Mom, aus. Sie lächelte. Ihre Augen bekamen diesen Glanz. Wild schlagenden Herzens stand sie da, ihr Atem ging schneller. In der Majestät, in der Anmut der grasenden Tiere sah sie viel mehr als das gewöhnliche, unbewaffnete Auge. Im Geiste befüllte sie Dutzende Tiefkühltruhen mit allerköstlichsten Gnu-Steaks, allesamt säuberlich eingetütet und beschriftet.
Während eines solchen Hemingway-Momentes dachte sie vermutlich nie an Veganer.

Manchmal komme ich in meiner alten Heimatstadt Radevormwald nahe dem Markt an der Metzgerei Gottlieb Kalkuhl vorbei. Dort gibt es die besten Metzgereifrikadellen der Welt. Es wäre verrückt, wenn ich keine kaufte! Manchmal sind sie noch warm. Sie sind fantastisch gewürzt, groß und unnachahmlich saftig. Eigentlich will ich sie mit nach Hause nehmen, aber ich verschlinge sie noch vor Ort. Und es ist immer, als hätt' der Himmel die Erde still geküsst!
Während eines solchen Eichendorff-Momentes denke ich eigentlich nie an Veganer.


Montag, 23. Februar 2015

ru24 Wissen: "GENFREI" LEBEN: Der Zug ist lange abgefahren

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Man möchte keine "Gentechnik" im Essen. Auch die Tiere, die man verschnabuliert, sollten nicht mit genetisch verändertem Futter aufgezogen worden sein. Genau so möchte man das als deutscher Verbraucher gerne haben!
Leider ist der Zug zu dem Thema bereits so heftig abgefahren, dass es fast schon ans Groteske grenzt. Es gibt so gut wie keine "gen"freie Nahrung mehr! Bereits in den 60er-Jahren begannen findige "Nukleartechniker in Ernährung und Landwirtschaft" die Samen von Nutzpflanzen radioaktiv zu bestrahlen, z.B. mit Kobalt 60. Die teilweise heftigen Mutanten, die daraus entstanden, wurden in bereits bestehende Sorten eingekreuzt, so die Spuren verwischt:
"Weil kein Züchter gezwungen wird, eine (durch) radioaktive Bestrahlung indizierte Mutation bei der IAEA anzuzeigen und die Angaben freiwillig sind, dürfte die tatsächliche Zahl der so geschaffenen Pflanzensorten wesentlich höher liegen. Egal, ob es sich um texanische Grapefruit, amerikanischen oder asiatischen Reis, italienischen Hartweizen oder die Jute für eine Tasche handelt, auf der „Atomkraft, nein danke“ aufgedrückt ist – die meisten dieser Pflanzensorten wurden in Atomreaktoren bestrahlt oder auf den Feldern mit Kobalt-60-Kanonen oder Röntgenstrahlen behandelt." (Quelle)
Das ist der brisanteste Artikel, den ich je in meinem Leben gelesen habe. 
Um nur einige, wenige der "neuen Pflanzensorten" zu nennen, die in Wirklichkeit Strahlungs-Mutanten sind: Reis (434 neue Sorten), Gerste (269 neue Sorten), Weizen (197 neue Sorten), Sojabohnen (90 neue Sorten), Mais (68 neue Sorten), Bohnen (54 neue Sorten), Erdnuß (48 neue Sorten), Erbse (32 neue Sorten) und Baumwolle (24 neue Sorten). Desweiteren: Bananen, Hartweizen, Kichererbse, Apfel, Grapefruit, Pfefferminzejapanischer Birne, usw. usf.

Ich möchte betonen, dass das jetzt nicht nur irgendwelche armen Bauern in Hippenindien betrifft. Hoch wahrscheinlicherweise sind um die 90% unseres in Massenproduktion hergestellten Obsts & Gemüses in Wirklichkeit mit der ganz groben Kelle hergestellten Strahlungs-Mutanten. 
Dagegen wirkt die oft  verteufelte "Grüne Gentechnik" wie ein sehr, sehr schlankes Skalpell.

Ein Bauer, der 1962 100% Ernte einfährt und sein Nachbar 120% dank "neuer Sorte", wird zur nächsten Aussaat auch zur ertragreicheren Sorte greifen. Wie die Sorte entstanden ist, ist erst einmal marginal. Und wenn nicht einmal Kennzeichnungspflicht besteht, dann kommt man nach nur 4 Sortenwechseln auf 200% Ertrag bei gleichzeitiger Rüsselkäferresistenz. Was die normalerweise nicht in der Natur vorkommenden Eiweiße der Supermutanten mit dem Verdauungstrakt des Volkskörpers anstellen, das findet man dann erst Jahrzehnte später heraus.
Vermutlich lässt sich das Rad aber nicht mehr zurückdrehen. Schützen kann man sich nur, wenn man im eigenen Garten "alte Sorten" aus dem Argrarmuseum anbaut oder bei Ebay Bunker-Notrationen aus den frühen 60ern aufkauft.

Wer sich noch immer fragt, woher in der Moderne die ganzen Allergien und Autoimmunerkrankungen herkommen, ich hätte da schon mal einen Teil des Puzzles anzubieten.


Artikel aus der Süddeutschen: Link.


Freitag, 20. Februar 2015

Allein unter Memmen

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Die einzigen Frauen, die Pappkartons zerreißen können, sind Regina Halmich und Walter ausm Frauenknast aka die Wuppertalerin Kathi Karrenbauer. Alle anderen sind Mädchen und müssen beim Zerreißen von Pappkartons oder Papierschachteln leider passen.
Und die Jungs auch.
Also vermutlich.
Denn wenn ich bei unseren Vier-Mietparteien-Haus die Altpapiertonne öffne, dann sehe ich in dem stets proppenvollen Teil vor allem unzerkleinerte Kartonagen. Fünf Pizzakartons als säuberlicher Stapel. Ganze Schuhkartons. Windelkisten.
Ich glaube, das Schlimmste daran für mich ist, dass ich mich darüber aufrege. Und dann ganz automatisch an 1982 denke, wie mir die blöde Möchtegern-Hausmeisterin Frau Dörner im Haus meiner Kindheit mit ihrem pingeligen Else-Kling-Gemecker auf den Geist gegangen ist.
Bin ich hier jetzt der bekackte Nörgelrentner?
Das ist ja wie in der scheiß Werthers-Echte-Werbung!

Dann will ich lieber glauben, dass ich in Wuppertal "Allein unter Memmen" lebe.


P.S.: Müll trennen können se wenig überraschenderweise auch nicht, die jungen Herrschaften.


Siehe auch: Blogbeitrag


Montag, 16. Februar 2015

fimschige Teile

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Endlich, die Moderne!
Alles scheint möglich -- außer Fusionsenergie und Weltfrieden!
Doch ach! Während Smartphones immer brachialere Leistungsdaten bekommen, verliert das goldene Zeitalter der Mechanik täglich an Boden!
  • Ich koche gerne, aber Zwiebeln hacken ist nicht gerade ein Hobby von mir. Also dachte ich alte 80, ich kaufe mir einfach einen Zick-Zick-Zyliss Hacker - für irgendwas musste der ganze Werbefernsehenkonsum in den 80ern doch gut gewesen sein! Doch die Rezensenten des Zick-Zick-Zyliss Hackers auf Amazon lehrten mich eines Besseren. Das Teil wird jetzt nicht mehr von famosen Eidgenossen in einer Schweizer Präzisions-Manufaktur hergestellt, sondern im Asia-Sweatshop zusammengekloppt und hält jetzt keine 30 Jahre mehr, sondern nur noch 30 Tage.
  • Wer noch einen Aufzieh-Küchenwecker sein Eigen nennt, kennt die Problematik. Ist das Teil vor 1985 hergestellt worden, ist ja alles gut. Die Mechanik im Inneren (aka "Zahnräder") ist komplett aus Metall und somit im Grunde unzerstörbar. In 2015 kann solches leider niemand mehr herstellen, scheinbar nicht mal mehr der ansonsten so robuste Russ. Auch wenn die Außenhülle Wertarbeit und Unnachgiebigkeit verspricht, so ist das Innere der Küchenweckers qualitativ mittlerweile weit unterhalb eines "Yps-Gimmicks" anzusiedeln.
  • De Oppa hatte Anno 1982 eine Pillendose "Mo-So, Morgens/Mittags/Abends/Nachts", mit der hätte man auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können, wenn einem der Sinn danach gestanden hätte. Bestellt man heute so ein Teil "in diesem Internet", so bricht dat fimschige Kläppchen vom Donnerstag spätestens inner zweiten Woche ab, auch ganz ohne Arthrose inne Finger.
  • Den Eierpieker (ja, ich pieke Eier vor dem Kochen und möchte das nicht diskutieren), den die Liebste anschleppte, war nicht einmal mehr aus Plastik: Hier handelte es sich um ein unbeschreiblich disfunktionales, unwertes Plastik-Imitat.
Wo gibt's noch Qualität? Leider nur noch auf Trödelmärkten. Da kann man dann die ganzen guten Sachen noch kaufen: Zwiebelzerkleinerer, die nochmal 30 Jahre funktionieren, der unzerstörbare Küchenwecker vonne Omma un de Pillendose vonnem Oppa (mit ein paar Kratzern dran vom Nägel einschlagen).
Wichtig ist hier das Alter: Es sollte immer Vorkriegsware ein, wobei es relativ egal ist, auf welchen Krieg man sich hier zwischen 1985 und 1960 bezieht.



P.S.: Das gleiche Schicksal ereilten die einst so urst robusten Klappkisten für Einkäufe, da geht auch nur noch Vorkriegsware (Golfkrieg II).