Dienstag, 12. Februar 2013

ru history 44 - WG mit Ludger (1991 ff.)

http://goo.gl/74qvy
Nachdem es in meinem Elternhaus noch ungemütlicher geworden war, zog ich 1991 kurzentschlossen bei Kumpel Ludger (Name geändert) ein. Hier gab es zwar nur ein Durchgangszimmer für mich, aber da konnte ich aufgrund langjähriger Erfahrung mit umgehen.
Jetzt bewohnte ich eine WG mit Ludger!
Ludger hatte schon immer hier gewohnt, es war sein Elternhaus, das er nach dem Ableben seiner Eltern übernommen hatte, incl. dem Pudel namens Pascha (Name nicht geändert). Pascha war der Hund alter Leute gewesen. Wenn er winselte, um mal zu »müssen«, öffnete man ihm die Haustür und der Hund kackte dann ganz unbefangen auf den Hof. Manchmal streifte er noch auf dem Grundstück herum bis zum Zaun, um in den Wald zu schnuppern. Manchmal kackte er in mein Zimmer.
»Barfuß« blieb bis zuletzt spannend.

Ludger hatte Kellerräume satt. Einmal die Woche trug er das Altglas von unter der Küchenspüle in den hintersten Kellerraum und stellte das Leergut in Reih und Glied an die Wand. Die Wochen flogen nur so dahin. Nach einer Weile war Kellerraum 1 mit einer geschlossenen Glasdecke versehen, dann wurde Kellerraum 2 ausgebaut. Irgendwann kam Ludger hoch und sagte zu mir den gefürchtetsten aller Sätze: »Wir müssen Altglas wegbringen!«
Bewaffnet mit allen Plastiktüten, derer wir habhaft werden konnten (und das waren einige), machten wir uns daran, säckeweise Glas mit verschiedenfarben schimmelnden Inhalten einzusammeln (Nutella schimmelt eher grau, Nusspli eher grünlich). Die beiden Autos wurden bis zum Stehkragen damit vollgestopft (mein Kadett D schaffte mit umgeklappter Rückbank eine Riesenmenge). Mit beiden Autos zweimal fahren - fettich!
Dann fing alles wieder von vorne an.

Im Keller des Hauses hätte man WK II-Luftschutzbunkerfilme drehen können. Das lag zum Einen am vor sich hinrottenden Gewölbe-Ambiente, zum Anderen daran, dass völlig authentische Lebensmittelkonserven dort herumstanden. Zum Beispiel gab es Einmachgläser voller mittlerweile durch Ausbleichen kaum noch zu identifizierenden Obstleichen à la »Stachelbeere« und »Sauerkirsche«. Spektakulär war eine Sammlung weiß angelaufener Zinkblechkonserven und vor sich hinrostender unverzinkter Konservendosen. Die Konserven waren aus einer Zeit, als es noch nicht üblich gewesen war, ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufzudrucken. Der Höhepunkt der Ausstellung war eine kleine Dose Mandarinenstücke, die in einer schwarz-glänzenden Pfütze Fäulnis stand. Das Etikettenpapier war rundum schwarz angelaufen und der Ausdruck nur noch durch die Unterschiede von matter zu glänzender Oberfläche auszumachen. Vorne, mittig durch die Dose, wuchs ein knubbeliger graugrüner Pilz durchs Blech nach außen.

Eines Tages fand ein lustiges Kaffeetrinken mit den halben Freundeskreis statt. Hoch die Kaffeetassen! Irgendwann ging die Kaffe-Milch zur Neige und Kumpel Frank sagte: »Ich weiß, wo die im Keller steht!«, sprang auf und verschwand. Im Handumdrehen tauchte er wieder auf, eine Konservendose »Bärenmarke« in Vorhalte. Das Etikett wirkte seltsam antiquiert, das Blech war angelaufen. Alle blickten zweifelnd, außer Frank, der bereits nach einem Dosenlocher suchte. Eins, zwei waren die Löcher gestanzt. Frank drehte die Dose um und drückte - nichts! Er drückte fester. Noch fester. Endlich kamen graue, griesige Würste aus den Löchern. Als er den Druck minderte, wurden die Würste wie Rotz wieder in die Dose zurückgesaugt incl. eines hoch authentischen Geräuschs. Alle starrten mit ekelgeweiteten Augen, nur nicht Frank, der seine Bemühungen verstärkte. Zuletzt bekam er genügend von der grauen Masse in die Tasse, verrührte das Ganze und nippte zur Fassungslosigkeit aller tatsächlich an seinem völlig verseuchten Heißgetränk. Der Kaffe schmeckte »grau«. Bei dem Schluck ließ er es bewenden. Er hatte noch Stunden später stumpfe Zähne davon.
Merke: Ist »Bärenmarke« in Frakturschrift geschrieben, ist das Verfallsdatum überschritten.

Ludger war ein großer ambulanter Esser*. Er hatte das ambulante Essen quasi auf eine ganz neue Ebene befördert. Lässig stand er an der Anrichte, einen offenen Tetra-Pak O-Saft in die Achselhöhle geklemmt, in der einen Hand eine Scheibe Aldi-Graubrot, in der anderen Hand eine Packung Fleischsalat zum Dippen. Hier wurde im wahrsten Sinne »aus dem Stand« - ein komplettes Mahl bereitet und verschlungen, ohne dass man solchen Killefitt wie Teller, Besteck oder gar Servietten benötigt hätte. Finger ablecken, O-Saft-Tüte angesutscht und halbvoll in den Kühlschrank stellen und dort vergessen - das war ambulantes Essen at its best!
*) Gegenteil: "stationäres Essen", z.B. regulär an einem Tisch

Wenn so ein geöffneter und angesutschter 1,5 l-O-Saft mal eine zweistellige Anzahl an Kalenderwochen im Kühlschrank vor sich hin gerottet hatte, war die Entsorgung desselben nichts für Lappen. Normalerweise würde man den Inhalt des Beutels in die Spüle oder ins Klo kippen. Normalerweise. Schon, wenn man den Beutel kippte, konnte man spüren, wie sich ein faustgroßer, kompakter Strunk Fäulnis im Inneren verlagerte und - tschwomp! - den Ausguss am Tetra-Pak verstopfte. Ja, auch, wenn man sehr fest drückte. Dies war immer ein Kandidat für komplett-in-die-große-Tonne!

Eines Tages betrachtete Ludger versonnen seine Wohn-Küche. Er entdeckte einen flammend orangeroten elektrischen Hähnchengrill, ein Relikt aus den 80ern. In einem Anfall von Häuslichkeit beschloss er, das Ding einfach mal zu benutzen. Erstmalig in seinem Leben kaufte er bei ALDI ein tiefgefrorenes Hähnchen. Doch wohin mit dem gefrorenen Geflügel? Ludger, nicht dumm, steckte das Getier zum Auftauen direkt in den ausgeschalteten Mini-Grill, denn so war es nirgends im Weg!
Ein genialer Plan! Begeistert wandte Ludger sich anderen Dingen zu.
Es wurde April.
Die Quelle des grauenerregenden Verwesungsgeruchs in der Küche war nicht leicht auszumachen. Zuletzt fand man das wirklich, wirklich sehr aufgetaute Hähnchen im besagten Elektrogerät. Dummerweise öffnet Ludger die Luke. Es blieb kein Auge trocken. Das Hähnchen hatte übrigens bereits wieder dichten Flaum. Es hörte auf den Namen Haarald. Ludger schmiss entgegen sonst so strenger Mülltrennungsregeln Haarald mitsamt seinem Minigrill-Sarkophag auf den Müll.


Es kam, wie es kommen musste: Sigrun (Name geändert) trat in Ludgers Leben. Sigrun war arg reinlich und urst häuslich. Sie war eine spektakuläre Bäckerin und Köchin, als Hobby sammelte sie Kochbücher. Ihre Küche war stets sauberer als ein Reinraum bei der Mikrochipherstellung. Wir haben das heimlich überprüft. Mehrfach. Und selbst in der Woche deckte sie morgens vor der Arbeit den Tisch mit Sets, die mit den diversen »Servietten der Saison« wohlfeil harmonierten.
Das Ambulante war Sigruns Sache nicht. Selbst im für den Ottonormal-Looser üblichen hochnot-ambulanten Camping-Ambiente konnte sie keineswegs auf die einfachen Freuden von Kaffeevollautomat, Mikrowelle, Satellitenantenne, Sets und Servietten verzichten.
Als sie Ludger eines Tages in ihrer Küche beim ambulanten Essen erwischte, bekam sie einen Nervenzusammenbruch und musste zwei Wochen lang hochdosierte Psychopharmaka einnehmen. Ludger legte daraufhin diese Methode der Nahrungsaufnahme aus Sicherheitsgründen gänzlich ab.
Na, da passte ja alles ganz wunderbar zusammen!
Ludger zog zu Sigrun, die Wohnung wurde verkauft, unsere WG-Zeit war zu Ende.


Dienstag, 5. Februar 2013

ru history 43 - Dorfpunk (1984)

http://goo.gl/KKD7k
In meiner Heimatstadt 5608 Radevormwald gab es eine sehr übersichtliche Anzahl an diversen Jugendkulturen. Den hintersten Platz im Ranking belegte wohl "Punk" mit einem (1) auf 25.000 Einwohner.
Dieser singuläre Punk hieß Rambow.
Rambow war mittelblond und hatte immer ausgeblichene rote und grüne Einfärbungen im Haar, manchmal hatte er es auch halbherzig aufgestachelt. Er trug eine mit Domestos fleckig gebleichte Jeans, Springerstiefel und eine schwarze Motorrad-Lederjacke, auf der er mit einem weißen Edding "DRECKICHISSA", "STINKENTUTA" und "IN JEDER PFANNE STECKT EIN KIND" geschrieben hatte.
Rambow, der keinen Vornamen hatte, lungerte quasi vollzeit mit Bierdose (Hansa-Pils) am Neumarkt herum. Er gehörte damals zum Stadtbild wie die vier Kirchtürme.
Eines Tages erschien er seitengescheitelt mit dunklem Jackett und wohlfeilen Schuhen und hinterließ scharenweise Jugendliche in Schockstarre!!!
"Rambow, wat is???", kam es aus vielen Mündern gleichzeitig.
"Ey, Alta, war bei Gericht, Mann! Hatte im Suff ne Mülltonne umgetreten, oder ne Oma - un darum ginget."
Ach so.


Sonntag, 27. Januar 2013

www 20 - The social network

http://goo.gl/fZtwe 
Noch vor 2006 hätte man es für eine super Idee halten können: Mit allen Nasen, die man kennt, gleichzeitig in Kontakt zu stehen. „Die Welt offener und vernetzter [zu] machen“, wie Marc Zuckerberg es ausgedrückt hat.

Dieses Privacy-Ding bei Facebook ist mittlerweile durch ständige Änderungen so massiv undurchsichtig geworden, dass selbst Zuckerbergs Schwester Randi-po-pandi nicht mehr richtig durchblickt (Link). Irgendwann habe ich aufgegeben noch verstehen zu wollen, wer jetzt welchen Post von mir sehen kann und wer nicht und wtf warum. "Alle" ist die Default-Einstellung.
Ist es nicht mittlerweile sowieso sowas von völlig schnuppe?
Na, das hat ja gut geklappt, Facebook.

Im Laufe der letzten Jahre hat man sich bei FB mit Hans und Franz "angefreundet". Teilweise ist es bei manchen in den vergangenen Jahren geradezu zu regelrechten "Wer-kennt-wen"-Orgien gekommen. So sind viele jetzt mit "Kalle Klammroth, dem Klassenarsch"* (o. vgl.) aus dem heimatlichen Weiler befreundet, mit denen sie als Teenies hinterm Bürgerhaus Anno '82 mal ein Hansa-Pils gezischt haben, Berührungspunkte heute = Null. Und gerade diese verwegenen Vögel posten was das Zeug hält, meist Post-Weiterleitungen von hochfragwürdigen Gruppen-Seiten wie "Schatz, bitte schluck. Bett ist frisch bezogen" (Link) oder "Nein, Stil ist nicht das Ende des Besens" (Link) - Autschn!
*) Aus "Schöner leben mit dem kleinen Arschloch", W. Moers

Zu dieser Überzahl an Nasen kommt die Tatsache, dass Facebook eines Tages absurderweise beschloss, alle "Gefällt mir-Listen" (Filme, Bücher, Musik, Tralala) in Gruppen umzugestalten, die auch tatsächlich Content produzieren (= posten). Dadurch bin ich jetzt auch "irgendwie befreundet" mit den Filmen "Fight Club", "Star Wars Episode IV", "Scott Pilgrim", den Büchern "Daemon" und "Die Hyperion-Gesänge" und  den Bands "Kraftwerk" und "Lemon Jelly" (usw.) - so unnötig wie ein Kropf! Zusätzlich dazu kommen die Gruppen, die man ohnehin abonniert hat, wie "I love Wuppertal", "Der Postillion", "Jamiri" usw. usf. Dann gibt es ja noch die Möglichkeit, Leute "zu abonnieren" oder sie mit dem Prädikat "enge Freunde" zu belegen.
Im Laufe der Zeit hat sich so jeder sein eigenes, aus allen Fugen geratenes FB-Monstrum erschaffen.

Wenn man bei dieser Mörder-Timeline auf dem Laufenden bleiben wollte, müsste man täglich etwa 1,3 km Zeugs lesen. Schlaue Vögel im Dienste des Zuckerbergs haben eingesehen, dass sich diese absurden Riesenmengen an Nichtigem nur noch hart gesottene Vollzeitkasper vollständig reinziehen könnten und mussten Abhilfe schaffen: mithilfe des "edgeranks". Jetzt bestimmt ein intransparenter Konzern-Algorithmus, was du von den Meldungen deiner "Freunde" überhaupt zu sehen bekommst und was nicht, wer Posts von dir sehen kann und wer nicht. Das führt dazu, dass nur noch 12% aller Kontakte, mit denen du "befreundet" bist, deine Posts überhaupt zu sehen kriegen und du umgekehrt nur noch 12% der Posts deiner Kontakte. Man lasse diese Tatsache einmal einwirken...
Facebook-Marketing-Direktor Brian Boland begründet das wie folgt:
There are pieces of content you create that are interesting, and there’s some that are not.” (Quelle)
Das ist ja ganz schön feist!
Meine Fresse!
Die haben echt Eier!

Aber jetzt erklärt sich, warum etliche meiner Posts einfach kaltherzig von allen ignoriert wurden, obwohl es sich (in meinem Falle selbstredend) um grandiose Perlen abendländischer Unterhaltung gehandelt hat!
Richtig, richtig interessant wird das, wenn eine Selbstmordankündigung automatisiert als "not interesting" eingestuft werden und sie deswegen keine Sau zu sehen bekommt... (= Sozial-Darwinismus via Algorithmus).

Also, jetzt mal "in echt": Wenn ich 12% meiner richtigen, echten Freunde (und ich meine das Wort in seinem eigentlichen, wirklichen Sinne) erreichen will, dann kann ich sie ansimsen, anrufen oder mich mit ihnen treffen - IRL! Das ist ad hoc drastisch effektiver als in einem von Nichtigkeiten überfluteten sog. "sozialen Netzwerk" herumzudödeln, welches meine Äußerungen auch noch nach Lust & Laune im Nirwana verschwinden läßt.
Da kann ich mich ja ebenso gut mit meiner Mutter unterhalten.



Mehr Facebook: (Blogbeiträge)


Freitag, 25. Januar 2013

Queen Mom 24 - Projekt "Wat is ambach?"

http://goo.gl/4ndZH
Wat seit jeher schwer war: Vonne Mutter zu erfahren, wat denn nu eigentlich is. Vor allem, wenn se im Krankenhaus is. Da de Mutter ja nu schon ein paar Tage "Klinikum" aufm Buckel hatte un et vermutlich allerlei Ergebnisse ihrer Untersuchungen gab, wollten de Bruder un ich so ganz bei kleinem mal wissen, wat ambach is.
Entsprechend mental gerüstet fuhr ich hin zum Projekt "Wat is ambach?"
Einatmen.
Ausatmen.
"So. Mutter, wat genau sagen de Ärzte denn?"
"Ja wat sollense denn sagen?"
Gottogott.
"Je nun! Du hattest doch Untersuchungen en masse, bis geröncht worden und hattest ne fette CT. Die haben doch wat gesacht!"
"Ja, hamse: nix Gutes!"
"Mutter, Grundgütiger, geht et en bissi wat Konkreter?"
"Ja, dat et wat Böses is!"
"Noch genauer!"
"Ja, hanä, dat reicht ja wohl!"
*seufz*


Donnerstag, 24. Januar 2013

WC Sitz "Madrid Slow Motion, Panda"

http://goo.gl/ae7qu
Im OBI-Baumarkt gibt es einen WC Sitz "Madrid Slow Motion, Panda", alternativ auch das Modell "Madrid Slow Motion, Dolphin" (Bild).
Muahaha!
Was für ein scheiß Name für einen Klodeckel!
1) Gibt es wohl auch einen WC-Sitz "Berlin", oder nimmt man dazu nur ausländische Hauptstädte? "Ankara" und "Mogadischu" geht nicht wegen etwaigem Verdacht auf Ausländerfeindlichkeit. "Paris" geht nicht wg. des deutsch-französischem Freundschaftsvertrag (Élysée-Vertrag) von 1963, der solches vermutlich ausdrücklich regelt (= verbietet). "Bukarest" und "Sofia" sind zu runtergerockt. "Lima" ginge noch. Vielleicht auch "Minsk" und "Caracas", aber das war's dann auch schon...
2) Der "Slow Motion"-Part rührt daher, dass das dritte Jahrtausend technische Neuerungen parat hält, die keine Sau braucht, wie z.B. einen federgebremsten Deckel, der sich via "Absenkautomatik" total sanft absenkt. "Drauf geschissen" wäre jetzt eine Spur zu unflätig, es geht aber eindeutig in die richtige Richtung.
3) Kitschige Airbrush-Delfine auf dem Klodeckel sehen zwar bekackt 80er-Jahre-mäßig aus, passen aber wenigstens noch zur maritimen Badezimmer-Gesamtthematik des seit 30 Jahren nicht mehr renovierten Bads. Aber Pandas? Herrgott! Wieviel Bambus-Deko-Schnickes soll man denn herankarren, damit DAS passt?

Man verberge sein Antlitz bitte manuell und nicht "via Absenkautomatik".


Samstag, 19. Januar 2013

Bürogeplänkel 48 - Ja ist denn schon "Event"?

http://goo.gl/brfNA 
Unser Anstalts-Gruppenführer O. ist ja in Kölle bei den Blauen Funken, ein Karnevalist, der seinesgleichen sucht, mit Uniform un em Schellenbäumsche, etc. pp.
Nun denn: Jeder so, wie er mag.
ABER: Kam ich heute ins Büro, war alles voller Luftschlangen und Luftballons und clowneskem, grellfarbenem Zeugs. Die Raumpflegerin begann sogar völlig entfesselt, Luftballontiere zu basteln.
WTF ihr Irren!
Gottogott!!!
Warum?
Waruuum?
Ich bekam es erklärt: "Man" dekoriert jetzt bis zu vier Wochen "vor dem Event".
Hört, hört...
Ich so: "Hä? Was überhaupt für ein Event? '11.11.' oder was?"
Die Vögel meinten natürlich "Altweiber".
Nachdem "Altweiber" in 2012 im Büro in etwa so lustig war wie eine Wurzelbehandlung am Totensonntag, kommt jetzt der ganz, ganz lange Anlauf auf das Mega-Event mit "lustich und alles".
Bis zum unausweichlichen Rohrkrepierer am 07.02. habe ich Augenkrebs!!!


Karnevalstermine bis 2020: Link


Dienstag, 15. Januar 2013

Queen Mom 23 - Et is herrlich

Schwester Olga, damals war
se ja noch nett (goo.gl/5fK9l)
De Mutter alias Queen Mom oder kurz QM is im Krankenhaus.
Rundum betüdelt werden findet se jetz, ich sach ma, "nich ganz so schlimm", de Mutter. Un eigentlich könnt ja alles kreuzfahrtmäßig fein sein im Sana-Hotel, aber diesmal isset nich dat Gelbe vom Ei, sie hat et nämlich ernstlich anne Lungen.

Bevor man se besucht, isset unheimlich wichtig, dat man fragt, wat se noch braucht. Ihr fällt ja immer wat ein, also "et Blöcksken" (DIN-A7-Schreibblock) oder "de Strippe vonne Brille" (Brillenband) oder "et Dinges, wat immer... na, da neben em Stuhl anne Heizung" (Wasauchimmer).
Ich ruf an, et is besetzt - stundenlang. Hat se mal wieder den Hörer nicht richtig aufgelegt, dat kennt man ja von zu Hause. "Hörer auflegen" is eh nur wat für Lappen.
Ich ruf im Krankenhaus bei de Zentrale an, die stellt mich mit der Begründung "bei de Mutter isset dauernd besetzt" mal eben direkt auffet Schwesternzimmer vonne Station. Schwester Olga Waschmaschinewski war not amused, se knurrte und geiferte - hanä! Se würde besser mal vonne Beruhigungsmittel vonne Patienten naschen, meine Güte!
Fahr ich also ohne de Mutter vorher zu fragen hin, ich alter Gefahrensucher.
In letzte Sekunde fällt mir noch ein, dat se "Mandeln" erwähnt hatte, letztens. Ich fahr also vorher noch beim Supermarkt (guess where) vorbei.

Ich komm also endlich auf et Krankenzimmer, da isset da laut am Piepsen. Natürlich bei de Mutter, nich bei den anderen Frauen, die da liegen.
PIIIEPS!!!
Son Spritzendosier-Dinges is alle und keiner tauscht et. De Schwestern sind vermutlich alle damit beschäftigt, im Schwesternzimmer Kunden, die ihre greisen Mütter wegen nich aufgelegter Telefonhörer nich erreichen können, am Telefon abzukanzeln.
PIIIEPS!!!
Naja, et piepst ja nur alle 10 Sekunden markerschütternd, da kann man dann ja mit leben, als Stoiker.
PIIIEPS!!!
Ich begrüß de Mutter, die nich dolle, aber schon besser aussieht als am letzten Freitag.
PIIIEPS!!!
"Dein Hörer war nicht aufgelegt, ich konnte dich nicht erreichen!", sach ich, den Hörer auflegend.
PIIIEPS!!!
De Mutter ignoriert et nich mal, dat mitm Hörer, Respekt!
PIIIEPS!!!
"Ich hab dir de Mandeln mitgebracht!", sach ich.
PIIIEPS!!!
"Wo isset Marmeldenglas?", fragt de Mutter.
Hach! Se is immer so dermaßen dankbar!
PIIIEPS!!!
"???", frag ich.
PIIIEPS!!!
"Na, für de Mandeln, dat se hier nich lose rumfliegen!", sacht se.
PIIIEPS!!!
Soso.
PIIIEPS!!!
Hanä! Et is wie immer herrlich!


Mehr "QM im Krankenhaus": Blogbeitrag


Freitag, 11. Januar 2013

Bürogeplänkel 47 - "Reise nach Jerusalem"

http://goo.gl/LGsXo
In der bisherigen Sitzordnung haben wir im Büro schon seit Jahren gesessen. Diese Ordnung hatte sich bewährt, sie war quasi IN ORDNUNG. "Sehr starke Persönlichkeiten" waren mit ungefährlichen Personen umgeben, damit quasi gepampert worden. Etwaige "Befindlichkeiten" konnte man dadurch bislang bis auf ein unvermeidliches Minimum vermeiden.
Alles gut!
In allerlei Sitzungen der Anstaltsleitung wurde nun eine komplett neue Sitzordnung ausbaldowert - Begründung: "Positiver Effekt". Gestern schritt man zur Tat: Das gesamte Großraumbüro spielte "Reise nach Jerusalem" incl. Telefon, PC und beiden Monitoren.
Die Hälfte der Insassen findet es nun wg. der Lampen über sich zu hell oder zu dunkel (je nachdem, ob die Teile funktionieren oder nicht), Anstaltsleiter O. ist genervt, ein Elektriker ist schon bestellt.
Meiner einer hat nun einen Fensterplatz - doll. Ich blicke auf ein Industriegelände mit drei orangefarbenen Papiercontainern, an denen fettige Gabelstapler vorbeiholpern. Im kahlen Baum davor sitzt eine alte Krähe und kotzt. Der staubige Ficus hinter mir findet das auch alles nich ganz so dolle. Und das Beste ist: Der Heizkörper direkt neben mir. MUAHAHA!!! Neben mir! Wo et mir immer so warm is. Über "2" (von 5) wird der nie hinauskommen und die in der Gegend herumsitzenden Mädchen müssen natürlich leider alle erfrieren.
Schade eigentlich!
Und das sind noch nicht die sozialen Interaktionen der neuen Sitznachbarn in diesem hochgradig gewagten soziologischen Experiment.
Hätte die Anstaltsleitung doch mal vorher gefragt, was dem Insassen zum Thema "Sitzplatz" wichtig ist - aber auf derartigen basisdemokratischer Killefit wurde offenbar zugunsten der puren Freude am Thrill verzichtet. Leute fragen - *kicher* - wo bleibt denn da die fette Action?
Es wird Blogbeiträge geben.


Dienstag, 8. Januar 2013

Bürogeplänkel 46 - Klischee

http://goo.gl/HlLCt
Kollegin S., die Rauchen gehen wollte, bat gerade Kollegin Kathi um deren Feuerzeug. Sie habe zwar ein Eigenes in der Hosentasche, aber da komme sie gerade nicht dran, weil sie sich gerade die Fingernägel lackiert habe.
Grundgütiger!
Mädchen!


Sonntag, 6. Januar 2013

Der gruselige Dr. Best

http://goo.gl/zwgs2 
Vor 1988 gab et ja nix, nich mal ungefährliche Zahnbüsten! Viele Menschen litten bereits seit Jahrzehnten unter Zahnbürsten, die buchstäblich Zähne und Zahnfleisch meuchelten! Gottseidank brachte die Marke "Dr. Best" in 1988 eine Zahnbürste mit einem "federnden Hals und einen Zweikomponenten-Aufbau (gummierter Bereich im Bürstengriff)" auf den Markt - hurra! (Quelle)
Die Werbeagentur Grey fand dann dazu auch noch das passende Werbemaskottchen. Nachdem man vermutlich drei Dutzend unbezahlte Praktikanten sechs Wochen lang mehrere Tonnen internationaler Branchenbücher hatte durchblättern lassen (et gab ja nix anderes damals), entdeckte man den Chicagoer Zahnmediziner Dr. Earl James Best. Der ahnte zwar nix von der Existenz federnder Zahnbürsten, hatte spontan aber wohl auch nix dagegen, sein arg bescheidenes Zahnarzt-Salär ein bissi aufzubessern und unterschrieb.
Dr. Best hatte eine Kopfform wie Bert aus der Sesamstraße. Während sein Schnurrbart und die Augenbrauen dunkelgrau waren, trug der Doc sein Haupthaar weiß (Bild). Von nun an waberte Dr. Earl James Best vollsynchronisiert durchs deutsche Fernsehen. Sein Hauptjob bestand darin, direkt in die Kamera zu starren und dabei federnde Zahnbürsten an Tomaten zu drücken. Später starrte er direkt in die Kamera und schrubbte dabei grobes Salz aus irgendwelchen Rillen.

Ich fand Dr. Best immer gruselig. Dieser stechende, blaue Blick! Dazu das schmale, arg zurückhaltende Lächeln, bei dem die immer etwas zu weit aufgerissenen Augen niemals mitlächelten! Das alles erinnerte mich wohl zu sehr an die unethischen Ärzte, zu denen mich meine Eltern in den 70ern als Kind immer geschleppt hatten (Blogbeitrag).
Brrr!