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Freitag, 21. August 2009

Heimat 2/Restaurantkritik 1 - Stadtgraben

Gemeinhin weiß ich "Heimat" nicht allzu sehr zu schätzen. Die grünen Hügel des Bergischen Landes, malerische Fachwerk- und Schieferhäuser mit grünen Schlagläden, Wald, Feld und Flur - ja! Fein, fein! Nur...
Doch ach! Leben pulsiert anderswo...
Nun, es gibt auch lieb gewonnene Highlights...
Heute will ich von einem solchen berichten: dem "Spezialitätenrestaurant Stadtgraben" in 42477 Radevormwald. Es ist im Stadtkern in der Grabenstr. 8 angesiedelt und liefert seit Menschengedenken Balkanküche zu moderaten Preisen. Manchmal glaube ich, dass die Stadt Radevormwald diesem Restaurant die erste urkundliche Erwähnung Anno 1050 verdankt: Man fand ein duftes Balkanrestaurant vor, das Lustigen Bosniak mit Duvecreis feilbot und hat die Siedlung dann einfach drum herum gebaut - logisch.
Soviel zur Geschichte.
Von Außen eher unscheinbar und schmiedeeisern, ist es von innen vor allem eins: eine Zeitreise in die 80er. Brachiales Eichenfurnier-Pseudorustikalmobiliar, gepolsterte Sitzecken, Kunststofftischdecken, Wagenraddeko und unfassbar kolossale Trockenblumenbuketts aus vor Jahrzehnten in Kitschfarben eingefärbten Gräsern lassen das Auge herumirren, bis man an einem der schwarzen Balken hängen bleibt. Das es solche Läden noch gibt! Wenn man reserviert oder einfach Glück hat, bekommt man sogar einen Sitzplatz, hat die Gelegenheit, die Lokalität weiter sinnlich zu erfassen, zu begreifen.
Wenn man über das bucklige Kleinstadtpublikum hinwegsieht, schneidet einem dafür die dort gespielte Musik in die Trommelfelle wie ein Teppichmesser. Was der seit mindestens Ende der 80er in die Wand eingemauerte Cassettenrecorder auf Auto-Reverse spielt, kann nur eine Best of "Die Flippers" von 1989 sein. Es werden Hits feil geboten wie: Nur mit Dir allein (1970), Komm auf meine Insel (1974), Die rote Sonne von Barbados (1986), Nur wer die Sehnsucht kennt (1986), Malaika (1987) und Arrivederci, Ciao Amor (1988). Bevor man wahnsinnig wird, läßt der gute Duft der Balkanküche den Magen knurren, schnell erinnert man sich an den Grund des Besuchs!
Ein eher kleiner, einsilbiger Mann, das runde Gesicht hat einen slawischen Einschlag, materialisiert sich neben dem Tisch, meinen Recherchen zufolge muss das Herr Radomir Gutic sein. Er trägt schwarze Hosen und Weste, dazu ein weißes Hemd, die glatten, dunklen Haare sind gescheitelt. Vor 30 Jahren sah er schon genau so aus, ein Phänomen! Er kaut einige Laute hervor, die man der Erfahrung nach als Frage nach Getränken interpretieren kann, man bestellt folglich etwas zu trinken, erhält dafür ein freundliches und gedehntes Knurren als Antwort. Nach dem Abgang der Bedienung hat man Zeit die Vollplastik-Karte zu studieren: sie birgt keinerlei Überraschungen. Chevapchichi, Leber, Steak, Reis, Pommes, Salat - nun, Balkanküche eben. Überrascht hätte mich indes Ente mit acht Kostbarkeiten.
Die Getränke kommen, die im Folgenden hervorgebrachten Laute kann man getrost als Frage zur Essensbestellung interpretieren. Mit Bärbel, mit der ich jahrein, jahraus den Laden besucht habe, gab's keine Abweichung von der Regel: Sie bestellte die Chavapchichi, ich die Balkanleber.
Vor dem Essen erscheint ein Salatteller. Der ist seit Bestehen der Trockenblumendeko identisch mit allen je servierten Salattellern: ein etwas konfuses Geshredder aus Möhren, Gurke, Rote Beete usw., ertränkt mit einer völlig unzeitgemäßen Cocktailsauße Anno 1989. Aber irgendwie ist es OK.
Kurzum, flott, flott, erscheint das Hauptgericht: prachtvoll gefüllte Teller - man wird nicht Hungers leiden müssen und auch für den Cholesterinspiegel ist mehr als gesorgt! Nun kann der Fuchs mit der Begleitung noch ein oder zwei Chevapchichi gegen ein Stück Leber tauschen und schon hat jeder Esser einen Balkanteller!
Wenn man alles vertilgt hat, stellt man fest: Es war wunderbar! Wohlig lässt man sich zurücksinken. Bei den Weight Watchers hieße das jetzt: "Der Kandidat hat 99 Punkte!"
Beim Zahlen stellt man fest: Es ist auch in 2009 noch möglich, dass zwei Personen für unter 30,00 EUR aus essen gehen können!
Verläßt man dann das "Spezialitätenrestaurant Stadtgraben" wieder in Richtung Realität, trifft einen die Moderne wie ein Schock.

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Donnerstag, 20. August 2009

3 x 7


Ball in the air.
Originally uploaded by deskounlmtd.net
Im Urlaub mit Freunden und Kindern ergab es sich, dass "Onkel Henning" mit den beiden Recken (9 und 13) auch mal alleine war. Ich rekelte mich in den Liegestuhl, las mein Buch und genoß das süße Leben, die Jungs spielten Ball. Ich gähnte, kratzte mich am Bauch, lächelte unbestimmt. Dieser paradiesische Zustand dauerte ganze drei Minuten an. Dann gab es natürlich Geschrei: "WÄÄÄH!"
Tom: "Henning, der Robin hat mich geschlagen!"
Henning: "Hallo?"
Robin: "Ja, klar, weil du mir den Ball weggenommen hast!"
Henning: "Hallo!?"
Tom: "Ja, weil das mein Ball ist!"
Henning: "Herrgott! Kommt! Mal! Her!", pfiff ich die Brut herbei, ich stand auf, die Knaben scharwenzelten heran, offenbar gespannt, wie ich mit der Situation umgehen würde.
"So!", sagte ich.
Ein Paar sehr grüner und ein Paar sehr blauer Augen blickten mich erwartungsvoll von unten an.
"Leute! Wir sind doch schon alle drei mal sieben!", begann ich.
Die zwei blinzelten bar jeden Verständnisses.
Moment...
"Äh. Zwei mal sieben!", versuchte ich es.
Das Blinzeln blieb.
Verdammt!
"Also gut. Wir sind doch alle schon ein mal sieben!", sagte ich matt. Die Aussage war nun bar jeden Sinns. Die Jungs wussten damit auch nicht so recht etwas anzufangen und trollten sich ratlos, der Streit war vergessen. Ich ließ mich wieder in den Liegestuhl plumpsen.
Geht doch.

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Dienstag, 18. August 2009

Familie 7 - Jagd im dritten Jahrtausend 1

Was hat er nicht alles überstanden, der einstige Mammutjäger! Von der Steinzeit bis zu den Eisenstürmen des WK II war es ein langer Weg, all das hat er überlebt. Er hat seine Gene weitergetragen, von Generation zu Generation.
Und nun das!
Degradiert zum Chauffeur und Einkaufswagenschubser sieht man den einst so stolzen Jäger und Ernährer seiner Sippe mit starrem Blick und angewiderter Miene einen Drahtkorb auf Rädern durch eine neonbeleuchtete Ödnis fahren, immer dem Weibchen, der Sammlerin hinterher. Die Jagd ist dem einstigen Jäger lange schon entrissen worden. Seine Hände verkrampfen sich an der Querstange des Wagens, unbewusst ahnt er: Nur Feiglinge tragen ihren Speer horizontal vor sich!
Die Sammlerin hingegen ist in ihrem Element, in einem Zeitalter, da auch Hirsch, Wildschwein und Strauß sammelbar geworden sind - man muss sie nur aus den Regalen und Truhen pflücken. Der einstige Waidmann, verweichlicht und unbewaffnet, spürt eine ohnmächtige Wut in sich, kann sich indes nicht artikulieren. Seine Gefährtin allerdings, Spezialistin auf diesem Gebiet, artikuliert in einer Tour, fragt, ob er lieber Tee- oder Leberwurst haben möchte, wie ihm eigentlich der Rotschimmelkäse geschmeckt hat und ob der Senf nun eigentlich alle ist oder was denn gestern Abend mit Thorsten am Telefon gewesen sei, er habe so komisch geklungen. Zwischendurch trifft die Sammlerin ehemalige Nachbarinnen, Schulkameradinnen und Freundinnen, mit denen sie angeregt plauscht, derweil die Lebenszeit des Mammutjägers unwiderruflich verrinnt, seine Kiefer sind verkrampft, alle Antworten ein Maulen.
Viele der ehemaligen Jäger bleiben direkt im Auto sitzen, rauchen, ihr Blick geht in eine undeutbare Ferne.
Ich habe mich immer gefragt, was die da machen.
Ich glaube, im Geiste umschließen ihre Hände ihre Waffe, mit angehaltenem Atem kauern sie im dichten Unterholz, der Wind steht günstig, dem prachtvollen Hirsch zuckt das Fell, dennoch macht das Tier noch weitere Schritte auf die ihm gestellte Falle zu, dann ...
*Klopf, klopf*
"Machst du bitte den Kofferraum auf? Wir müssen gleich auch noch zum Aldi wegen der Brechbohnen."


Siehe auch "Jagd im dritten Jahrtausend 2" (Blogbeitrag).



Freitag, 24. Juli 2009

Bürogeplänkel 4 - Kaffemaschinen-Zen

Als ich um die Ecke bog, meldete der edle Jura-Vollautomat im Büro "Satzbehälter leeren". Versunken stand ich da, die leere Kaffetasse in der Rechten starrte ich auf eine Sentenz, die mir wie die pointierte Aussage eines Zen-Meisters erscheinen wollte!
"Satzbehälter leeren!" - ein Mantra! Ist nicht dieser Satzbehälter zwischen unserer Ohren die Quelle unserer Sprache, das Behältnis für Wörter, Sätze, zu sagendes? Was passiert, wenn ich diesen Satzbehälter bis zur Neige leere, wenn ich dem Befehl "Satzbehälter leeren!" folge leiste?
"Jenseits des Wortsinns aber, der eher ein Schleier ist denn eine Erhellung, beginnt die Wirkungssphäre eines jeden Mantras. Und dorthin muss man gelangen: Jenseits der Worte, jenseits des Denkens - als eine Form reiner Hingabe an diese Sonne des vollkommenen Unendlichen (...)"
Wow!
Ich stand noch immer vor der Kaffemaschine, als ich wieder zu mir kam. Hinter mir hatte sich eine murrende Schlange aus 15 Mitarbeitern gebildet. Ich wischte mir mit einer beiläufigen Geste den Speichel aus dem Mundwinkel, leerte das verbrauchte Kaffemehl aus dem Mockekasten an der Kaffemaschine, drückte auf die Taste und ging mit gefüllter Tasse wieder zu meinem Platz.
Irgendwie fühlte ich mich wie frisch reinkarniert.


Mittwoch, 22. Juli 2009

Bürogeplänkel 3 - Wespe


wespe
Originally uploaded by mat300
Vom benachbarten Vierertisch im Büro kamen kleine Geräusche. So hatte ich mir die Geräuschkulisse vorgestellt, wenn Gibbons sich paaren. Tatsächlich saßen da keine baumbewohnenden Primaten. Auch hatte gerade niemand Sex. Vielmehr zappelte dort eine Kollegin herum, warf ihre Arme schlaksig und erratisch in die Luft, sprang wie ein Flummi von hier nach da und verzog dabei arg das Gesichtchen. Dabei stieß sie in unregelmäßigen Abständen diese Gibbon-Paarungslaute aus. Nach einer Weile kam ich dahinter: Eine ganz dolle böse Vespinae hatte ihren Weg ins Büro gefunden und bedrohte das Leben der Kollegin, die jetzt zu allem Überfluss begann, mit ihren Büroutensilien um sich zu schlagen.
Das alles wegen einer (1) Wespe.
Jetzt mal in echt: Wir sind doch schon alle 3x7. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass einen die Papier-WG-Bewohnerin überhaupt sticht, wenn man NICHT in der Luft herumwästert wie ein Derwisch auf Speed? Und wie schlimm wäre es denn, wenn man wirklich mal gestochen würde? Mehr als *pieks* - "Autsch! Verdammt!" würde das doch nicht!
Himpelchen und Pimpelchen werden jetzt wie immer superschlau anmerken: "Und wenn man allergisch ist? Was ist dann?"
Hey, Leute!
"In Deutschland sterben nach der amtlichen Todesursachenstatistik etwa 40 Menschen pro Jahr an den Folgen von Insektenstichen." (Link)
Es war in 2008 somit 113x wahrscheinlicher, ein Verkehrstoter zu werden.
Und wenn man an einem Wespenstich stirbt, das merkt man dann schon.
Ihr Luschen.


P.S.: Eine Freundin (C.) meinte, die Grundangst, die die Leute hätten, wäre, eine Wespe einzuatmen. Hmm? Durch die Nase? Eher doch wohl beim unwürdigen Herumkreischen.
Die Sorge ist berechtigt: "Wäwäwäwäwä..." - *gulp!*


Montag, 20. Juli 2009

Ein schrecklicher Verdacht


Understand The Chaos
Originally uploaded by yelowcap
Ich lebe alleine in meiner Wohnung. Dachte ich wenigstens. Denn diese Wohnung macht neuerdings einen arg verwahrlosten Eindruck. Sie ist staubiger als normal, quasi paranormal staubig. Im Bad liegen Haare am Boden, die unmöglich alle von mir sein können, viele davon sind grau. Schaue ich aus den Fenstern, entsteht der Eindruck, es seien Fliegengitter davor. Sind es nicht. Der Küchenboden hat bessere Tage gesehen und die Anrichte... lassen wir das mit der Anrichte - brrr!
Schangelig ist glaube ich das Wort, nach dem ich gesucht habe.
Das kann so alles nicht sein!
Hey, ich wohne doch nur! Dieser ganze Melm und Schmutz, diese Mocke, die ganzen Haare - das kann unmöglich alles von mir alleine sein!
Ich bin in mich gegangen.
Nun keimt in mir ein schrecklicher Verdacht: Jemand wohnt bei mir, während ich bei der Arbeit bin!
Ein Jemand, der es mit Hygiene nicht zu genau nimmt.
Jemand Haariges, Großes.
Es handelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Silberrücken-Gorilla.


Sonntag, 19. Juli 2009

Lifestyle 7 - Hundehaltung

Meine Eltern wurden vor Jahren einmal Augenzeugen, wie ein Hundehalter seine Töle mitten in den Woolworth kacken ließ. Seitdem habe ich Tag & Nacht recherchiert und Folgendes herausgefunden: "Der Hund an sich ist nicht ganz so dolle nützlich".
Die meisten Hunde zwischen 500g und 50 Kilo sind ja keine Nutzhunde, also sind weder Jagd-, Wach- oder Kampfhunde, noch kommen sie in die Suppe, leben also in den vier Wänden des Hundehalters als richtiger Mitbewohner. Dort füllen sie dann ab sofort ihren lähmend langweiligen Tieralltag anteilig mit folgenden Tätigkeiten aus: etwas (Wichtiges) ankauen (9 %), ihre Zecken verlieren (10 %), zwischenzeitlich auf den Bürgersteig oder auf Kinderspielplätze kacken (11 %), haltlos sabbern (13 %), exzessiv haaren (17 %), dreckeln incl. in die Ecken pissen und/oder auf den Badezimmerteppich kotzen (19 %), fragwürdigste Gerüche emittieren (26 %) und schlafen (69 %). Aber vor allem Geräusche verursachen (76%). Dass diese Aufstellung auf 250 % kommt, liegt dran, dass Hunde vieles von dem Vorgenannten massiv parallel ausführen können, Beispiel: „duften“, röcheln und schlafen gleichzeitig.

Der gesamte Geräuschekomplex soll hier einmal unter die Lupe genommen werden. Gerade ältere Menschen klagen ja oft darüber, dass es unerträglich still in der Wohnung sei, nachdem ihre Brut sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut hat. Ein Hund soll da Abhilfe schaffen. Mit der Ruhe ist's dann aber wirklich endgültig vorbei: Tapptapptapp zum Wassernapf, schlapp-di-schlapp-di-schlapp wird getrunken, währenddessen schlägt die Kette an den Napf pingpingping, tapptapptapp zurück zum Körbchen, schmatzen schleck-schleck, einen Knochen besabbern und bekauen slirg-klim-slirg, wieder tapptapptapp zum Napf, schauen, ob man ggf. versehentlich eine Fütterungszeit verpasst hat, lautes Schnuppern fft-fft--fffft!, tapptapptapp zurück. Dann folgt ein halbstündiges sich kratzen ft-ft--ft-ft--ft-ft! und an den Eiern lecken schleck-di-schleck. Die Lücken in der Schall-Performance werden mit asthmatischem Atmen, allerchristlichsten Stoßseufzern, allgemeinem Schmatzen und Gähnen ausgefüllt. Ist der Mensch gar aushäusig, versucht das Hündchen mit stundenlangem Kläffen, Jaulen, irrwitzigem Gewinsel und Kratzen an der Tür, die Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben (also die, die noch nicht wahnsinnig sind).
Einzig Hundefürze sind in der Regel lautlos, dafür betäuben sie andere Sinne in unvorstellbarem Maße (oder kommen direkt am offenen Kamin extrem performant – burn, baby, burn!).

In einem Versuchsaufbau in einer Schallmesskammer gibt es mit zwei Hunden im Leben eines Menschen täglich nur noch 12 Momente der Stille (verteilt auf 44 Sekunden), ab drei Hunden gibt es keinen einzigen dieser kostbaren Augenblicke mehr. Dazu kommen Hausarztbesuche wegen der Zecken am Halter. Und Hundefutter kaufen, Tierarztrechnungen, Haftpflicht und Steuern zahlen muss man für diese Krampen ja auch noch. Der gesamtwirtschaftliche, durch Hunde verursachte Schaden liegt in der BRD, wie ja allgemein bekannt ist, bei 22,8 Mrd. EUR jährlich (Statistisches Bundesamt 2008).
"Der beste Freund des Menschen" – schon ein bisschen gruselig.

Lediglich der Muselmann hat's tatsächlich geschnallt. Der hält sich ja garnix.
Auch keine Wellensittiche, Meerschweinchen, Katzen, Vogelspinnen, Warane, Nacktmulle oder Galeerenquallen.
Na gut. Im Frühjahr haben die schon mal Schafe im Hinterhof, aber nur ganz, ganz kurz, quasi bäääh-krx! dann ist wieder ein Jahr wirklich Ruhe.
Oder hat z.B. den türkischen Mitbürger schon einmal jemand mit einem Geschwader schwuler, rosa gefärbter Königspudel wo lang marschieren gesehen?
Wohl kaum!
Bravo!
Weiter so!



Samstag, 18. Juli 2009

Familie 6 - Quarr!


manteufelstr. kind
Originally uploaded by dr. motte
Kinder beziehen ihre Energie, wie ja allgemein bekannt ist, direkt aus den Atomkernen. Während Erwachsene in Magen und Gedärm die aufgenommene fettreiche und ballaststoffarme Nahrung mittels körpereigener Enzyme und Gaben von körperfremdem Rennie aufwändigst aufspalten müssen, damit sie nicht zu schwach sind, ihren Hintern von der vollgekrümelten Fernsehcouch zu wuchten, können Kinder mit der Gabe nur eines einzigen Löffels Haferbrei 1,1 Millionen mal auf und ab hopsen.
Dieses ist ein nicht zu unterschätzendes Problem für die Eltern, denn die monströse Energieausbeute wird den Erziehungsberechtigten fast immer zum Verhängnis, da Kinder bereit sind, zur Wahrung ihrer Interessen jederzeit und überall ein Riesenfass aufzumachen. Der 60 Jahre alte Steiff-Teddy von Oma soll in Papas Altölwanne baden, Muttis Messerblock soll mit ins Bett, man will sich gerade nicht wickeln bzw. sich an-, aus- oder umziehen lassen, also allgemeiner Hosen-runter-Alarm. Im Winter sollen die Lieblingssandalen an die Füße, am heißesten Tag des Jahres Gummistiefel. Ihrem Unmut machen die Kleinkraftwerke zumeist in Form von Schalldruck Luft.
Die Psycho-Schall-Wissenschaft hat hierzu die Einheit quarr (qr) entwickelt. 1,0 qr ist die Menge Gezeter, die ein kinderloser Normalsterblicher im Alter von 25 Jahren ohne abstumpfende Drogen und Gehörschutz gerade noch weitere 10 Minuten ertragen kann, bevor er zu einem gewalttätigen Irren mutiert. Durchschnittliche Eltern können ihrem Schicksal bei bis zu 2,67 qr tatsächlich noch die eine oder andere positive Seite abgewinnen (62 %), ab 3,22 qr sieht man Eltern jedoch oft mit Lärmschutz-Kopfhörern auf Balkonen sehen, Reval ohne Filter rauchen und Rotwein aus der Flasche trinken (89 %). Jenseits der 3,5 qr verfilzt bei den Eltertieren das Fell, die Augen werden trübe und das Paarungsverhalten setzt für immer aus.
Das ist natürlich nicht so schön.

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Donnerstag, 16. Juli 2009

Medien 4 - Nur drei Gegenstände pro Grab

Der König ist tot, es lebe der König.
Ob MJ nun nur vorübergehend, als Wanderpokal quasi, oder auf Dauer auf dem Forest Lawn Memorial Park in den Hügeln von Hollywood beerdigt wird, sei dahingestellt. Leider sind die Betreiber des Friedhofs solche Spaßbremsen: »Die strengen Friedhofsregeln sehen vor, dass nur frische Blumen und Blumentöpfe vor den Gräbern stehen dürfen. Insgesamt sind nur drei Gegenstände pro Grab erlaubt.« (Zitat)
Was da von den Pilgern, äh, Fans herbeigeschafft werden wird: Stofftiere (Halden von: Monchichis, Bärchen, Häschen, Schweinchen), Blumen (1,2 t täglich), Kondolenzkarten (containerweise), Audiokassetten, Bleichungsmittel, Hello-Kitty-Tand usw. usf.
Gerade die brutale Menge an Grabbeigaben, die im krassen Widerspruch zum restriktiven Reglement des Ortes steht, wird Arbeitsplätze schaffen: Um dem ganzen Schnulli, den die Heerscharen von Fans herankarren werden, Herr zu werden, wird man geschätzte zwölf Hütchenspieler fest einstellen müssen. Die können dann je zu dritt in Vierstundenschichten den ganzen Firlefanz in rasender Bewegung halten, sodass immer nur drei Teile parat liegen.
Geht doch.

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Mittwoch, 15. Juli 2009

Automobiles 4/Familie 5 - Kleine Beindegenerierte


Knaben
Originally uploaded by Gertrud K.
Immer mehr Pädagogen klagen über Kinder, die ihr junges Leben bislang in einer Sitzstarre verbracht haben – schön im Schneidersitz vor diversen wohlfeilen Konsolen, vor der Glotze, Video, DVD. Parallel zu "The Matrix": "Warum tun meine Beine weh?" – "Du hast sie noch nie benutzt."
Schuld ist auch der fehlende Schulweg. Mein Weg zur weiterführenden Schule war so lang, der führte noch durch drei Klima- und Zeitzonen, seinerzeit.
Egal wie kurz heute der Schulweg ist, moderne Eltern karren ihre Brut bis direkt ins Schulgebäude und holen sie von da aus wieder ab. Das Brut-in-die-Schule-karren-Verkehrschaos mißt sich nur mit dem Brut-aus-der-Schule-holen-Verkehrschaos. In beiden Fällen ist es absolut überlebenswichtig, dass die kleinen Bein-Degenerierten quasi bis zu ihrem Sitzplatz gefahren werden, um sich sofort plumpsen lassen zu können.
Wer kann denn heutzutage noch 800 m zu Fuß gehen?
In meinem Kaff stellt sich das bei der "Grundschule Stadt" so dar: Die Rochollstraße führt auf die Blumenstraße. Rechts ist die Blumenstraße eine sehr kurze Sackgasse ohne Wendemöglichkeit, die zu zwei Grundschulen und einem Kindergarten führt. Jeder normale Mensch würde mit seinem feisten Geländewagen (dessen Offroad-Höhepunkt das Allrad-Überfahren einer leeren McDonald's-Tüte in 2007 war) bis hierhin zur Einmündung fahren, die Luken öffnen und das Balg die 30 Schritte zur Schule selber tun lassen und links weiterfahren. Nicht so Eltern. Im Rahmen des Full-Security-Door-to-Door-Konzepts biegen die Irren jetzt rechts in die Sackgasse ab, fahren die kleinen Paschas und die kleinen Maharanis direkt in die Klasse und versuchen dann zu wenden, wären da nicht noch an die 80 anderen Autos, nachrückenden Autos, hupenden Autos, wartenden Autos. Gören wimmeln herum, das Chaos ist unbeschreiblich.
Dann herrscht vier Stunden lang eine unwirkliche Stille, derweil sich Abgase verziehen, man hört einen hustenden Buchfink, dann beginnt der Abholverkehr des Full-Security-Door-to-Door-Konzepts.
"Warte, bis du selber Kinder hast", sagte meine Kollegin Suse.
Wieso? Geht dann meine Zurechnungsfähigkeit den Bach runter?