Sonntag, 11. November 2012

Knapp vorbei ist auch daneben

goo.gl/SvHRG
Ein bis zwei Buchstaben an bekannten Wörtern ausgetauscht und: voilá - viel Spaß mit den Neukreationen! :)

Afronaut
Beendigungsinstitut, Beziehnungswaise, Blaumarkt
Clownsblase
Dellensittich, Derangierbahnhof, Dosenkavalier
Ecoist, Ex-Lober
Fucksimile
Geflügelschwere, Grabenmutter
Hafenzähne, Harkennase
Jammerwal
Karma-Vertreter, Kassenbester, Krakenschwester
lendenzahm
Magerknilch, Muntermieter, Muttifunktionsgerät, Muttitasking
Punkgun
Reichhörnchen, Rundumschlaf
Schlimmflossen, schorfsinnig, Schwundeinkommen, Spa-Schäler
Testwaise
Vibrationshintergrund
Waffelschein, Wirbelkind
Zuschwellservice



Samstag, 10. November 2012

ru History 40 - Der böse Schatten (1973)

goo.gl/IXJcc
Im Sommer 1973 war ich sechs und mit meinen Eltern und Bruder im "Schurkenstaat" Spanien in Urlaub.
Ein aufpeitschender erster Satz!
"Generalissimo" Francisco Franco führte 1936 den Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung Spaniens an. Nach dem blutigen Bürgerkrieg regierte er Spanien  von 1939 an zusammen mit rechten Militärs als Diktator "El Caudillo" - "der Führer" - bis zu seinem Tod im November 1975. Dann erst begann eine Phase friedlicher Demokratisierung.
Im Sommer 1973 war die paramilitärische Guardia Civil sicherlich noch drastisch badassmäßiger drauf als heute...
"Unter Franco wurde die Guardia Civil als Repressionsinstrument gegen politisch Andersdenkende genutzt. Im Allgemeinen war sie für das Regime das Instrument, um der Landbevölkerung Präsenz und Stärke zu demonstrieren." (Quelle)
Eine meiner eindringlichsten Erinnerungen an diesen Urlaub sind weder Sonne, Strand noch Meer, sondern ein an einer Straßenecke stehender Guardia Civil-Mann. Während wir mit dem Auto an ihm vorbei fuhren, drückte ich mir (natürlich unangeschnallt auf der Rückbank) die Nase an der Scheibe platt.
Dunkle Uniform, sehr gerader Rücken, dieser merkwürdige, glänzende Hut von undeutbarer Form und ein riesiges Pistolenhalfter incl. Riesenknarre. Die gesamte statuengleiche Ausstahlung war streng, herrisch, stolz und vor allem - gefährlich. Alles an diesem Ordnungshüter/Repressionsinstrument schrie laut und überdeutlich: "Don't fuck with me, buddy".
Insgesamt ergab sich eine außergewöhnliche, unverwechselbare Silhouette, im spanischen auch "la mala sombra" - "der böse Schatten" genannt.


Freitag, 9. November 2012

Bürogeplänkel 41 - Kaiserstunden des Bizarren

goo.gl/B49ae
Mittwoch
Mehrere hygienische Damen konnten ganz genau beobachten, wie ein männlicher Mitarbeiter der Nachbarfirma auf der Damentoilette verschwand. Sie lauerten ihm auf, bis er nach langen Minuten wieder auftauchte! Shocking! Nur mit Not konnte verhindert werden, dass die hygienischen Damen meines Unternehmens aus Kopierpapier-Kartonage einen Scheiterhaufen errichteten, um in einem Fackelzug den "Spanner" den reinigenden Flammen zu übergeben!
Mein Einwand, dass er wohl "Stuhlgang" gehabt habe, wurde als völlig abwegig abgeschmettert. Aber was weiß ich schon?
Es wurde nicht zu lange gefackelt! Man eskalierte den Fall mit hysterischem Unterton direkt an die Vorgesetzten, die ihrerseits Kontakt zu den Hochgestellten der Nachbarfirma aufnahmen, um den Täter stante pede einer hochnotpeinlichen Befragung zu unterziehen (Eselsmütze, Streckbank, Adeles "Someone like you" [Blogbeitrag]).
In der Zwischenzeit schossen bei den hygienischen Damen die Theorien arg ins Kraut, was der "Perverse" wohl auf der Damentoilette gewollt habe:
  • div. Gender-Problematiken ("sexuelle Identität")
  • "spannen" und/oder "onanieren"
  • Bergung von Drogen, die eine Komplizin ihm dort hinterlegt hat
  • Installation von hochmodernem Videoüberwachungs-Equipment
  • mehreres oder alles der vorgenannten Punkte
Die Hysterie schaukelte sich derweil weiter auf.

Die allerhygenischte Rädelsführerin verlangte von den Vorgesetzten:
1) Spezialreinigung der Toilettenkabine durch die Reinigungskraft. Ich sah unsere Putzfrau im Geiste dort mit einem Chemturion-Anzug (Link) unter hartem UV-Licht mittels eines Rückentanks Chlorbleiche versprühen. Sicher, sicher...
Muahahaha!!!
2) Begehung der Toilette mit den Vorgesetzten zwecks Aufspürung von hochmodernem, für das menschliche Auge quasi unsichtbarem Videoüberwachungs-Equipment.
Dies wurde tatsächlich gemacht.
Muahahaha!!!
Während alles zunehmend absurder wurde, erlebte ich köstliche Kaiserstunden des Bizarren!
Mein schönster Arbeitstag!

Donnerstag
Die Vorgesetzten der Firmen tauschten sich über das Ergebnis der hochnotpeinlichen Befragung aus. Zuletzt kam ja doch die schreckliche Wahrheit ans Licht! Der schäbige Spanner war zuletzt unter den Klängen von Adeles "Someone like you" eingeknickt und hatte zugegeben, schrecklichen Diarrhoe vulgo Durchfall gehabt zu haben. Als auf der Herrentoilette alles besetzt gewesen war, hatte er sich keinen anderen Ausweg gewusst...
Natürlich: Es bleiben Zweifel...


Mittwoch, 7. November 2012

Herzlich in Altenessen

photo credit: Blick von der Schurenbachhalde mit Bramme im Ruhrgebiet via photopin (license)

Neulich in Essen-Altenessen.
Während sich die Damen in der Zeche Carl durch eine arg überfüllte "Kreativmesse" schoben, zogen die Herren zum nahen Stadtteilfest auf der Altenessener Straße, ganz kreativ eine Currywurst zu ergattern (Karte).
Auf den ersten Blick sah alles ganz normal aus, Daumen hoch: Fressbuden en masse!
Doch schon die erste Inaugenscheinnahme der indigenen Bevölkerung ergab Erstaunliches: Gewaltbereite Männer, die Tätowierungen im Gesicht gut fanden, likten auch eine Freundin im Stil "Cindy aus Marzahn" (diese zeigten allerdings wenig dankenswerterweise drastisch mehr Haut). Viele Pärchen, die uns entgegen kamen, hätte jeder Sozialarbeiter zweifelsfrei als "Klienten" identifiziert. Zwei Frauen, die sich einander näherten, kannten sich bereits, im Vorübergehen brüllten sie sie sich unisono ein "Halt die Fresse!" zu.
Wow!
Später gingen wir (nun wieder zu viert) zusammen mit einem Pulk Menschen über die Straße, es war allerdings ein Radüberweg. Ein uns entgegenkommender Radfahrer musste anhalten und absteigen. Er war sehr geduldig und murmelte lediglich verhalten, dass das aber ein Radüberweg sei.
"Halt die Fresse!", rief ein mit uns gehendes Mädchen nach wenigen Silben des Lamentos reflexartig.
Respekt!

"RUHR.2010 - Kulturhauptstadt Europas (Link)".
Hey! Läuft!

Das Essen-Altenessen-"Halt-die-Fresse"-Spiel (mehrere Mitspieler):
Die/der Jüngste fängt an, stellt einer/einem beliebigen Mitspieler(in) eine höfliche Frage wie "Entschuldigung, könnten Sie...", die/der Angesproche brüllt nach fünf bis neun Silben sofort sehr laut "Halt die Fresse!", dann ist sie/er dran, jemanden eine Frage zu stellen oder etwas zu sagen usw.
Ein Riesenspaß für die ganze Familie!


Montag, 5. November 2012

Hochqualitätsfernsehen

goo.gl/5id94 
Thomas Gottschalk (Jahrgang 1950) moderierte seit dem 26. September 1987 die von Frank "unter den Blinden ist der Einäugige König" Elstner (Jahrgang 1942) erfundene Sendung "Wetten, dass..?" brutale 151-mal.
Für die lähmend unorginellen 80er war das Show-Format sicherlich in Ordnung, gerade auch für ältere Menschen. Für meine Eltern (de Vatter & Queen Mom) war es echt OK.
Außerdem gab et ja nix, damals.
Und wir hatten ja auch nix.
Meiner einer fand den "frechen" *würg* "Sunnyboy" *spei* schon damals dermaßen peinlich und fremdschämtauglich, dass ich mir nicht vorstellen konnte, die Sendung jemals wieder anzusehen.
Die Jahre flogen nur so dahin, die Jahreszeiten erst recht.
In der Zwischenzeit wurde Thomas G. mehrfacher Millionär, alterte in den 25(!) Jahren aber nur um etwa fünf Jahre, vermutlich schlief er in einem Sarg und trank Jungfrauenblut, leisten konnte er es sich letzteres ja.
Hinreichend skurril gekleidet, frisch blondiert und aufgelockt grabschte und salbaderte sich Gottschalk mit der Impertinenz einer Schmeißfliege durch seine Sendungen, bis der Wettkandidat Samuel Koch am 04.12.10 durch das Mißlingen seiner Wette tragisch zum Krüppel wurde.
Das hätte eine Zäsur sein können.
Das Absetzen der Sendung war ohnehin seit mindestens 20 Jahren überfällig.
Wenn das Pferd tot ist, steig ab: Gottschalk stieg ab, aber Markus Lanz (Jahrgang 1969) hopste von der anderen Seite auf den verendeten Gaul.
Hüa!
Die für fette Asche eingeladenen Tom Hanks und Halle Berry verbrachten bei der zweiten von Lanz moderierten Sendung fassungslos verstörende Stunden sog. deutscher "Fernsehunterhaltung" als "Wettpaten" auf der Couch:
"'Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist', beschrieb [Hanks] eine Szene, in der er eine Katzenmütze auf seinem Kopf trug und zugeguckt habe, 'wie der Moderator in einem Sack um [ihn] herum hüpft'." (Artikel).
Gottogott!
Ich würde mir das nur gegen Schmerzensgeld ansehen.
Sehr viel Schmerzensgeld.
So wie Tom und Halle.


Donnerstag, 1. November 2012

Deutsche Hauseigentümer, wehrt euch!

goo.gl/CVhla 
Deutsche Hauseigentümer, wehrt euch!
Dem Hauseigentümer ist die Immobilie das wertvollste Eigentum! Soll er tatenlos zusehen, wie der Wert seines Habitats, in das er Geld, Zeit, Schweiß und Liebe gesteckt habt, verfällt, als würde es von innen heraus von Schwamm und Termiten aufgefressen?
ru24 möchte dem deutschen Hauseigentümer eine Liste an die Hand geben, die die durchschnittliche Wertminderung von Immobilien aufzeigt, wenn es allzu leichtfertig zugelassen wird, dass sich in der Nachbarschaft das falsche Gewerbe breit macht oder die Stadt allzu leichtfertig Institutionen ansiedelt, die durch ihre bloße Existenz ganze Wohngebiete inflationär entwerten.
Deutsche Hauseigentümer, wehrt euch!

Wertminderungsliste:

-99% - Atomwaffen-Testgelände
-95% - Atommüll-Endlager
-65% - Bordell
-60% - Swinger Club
-60% - forensische Klinik für psychisch kranke Straftäter
-55% - Hippie-Kommune
-50% - Dildofabrik
-50% - Atomkraftwerk
-45% - Nervenklinik (»Irrenanstalt«)
-40% - Asylbewerberheim
-40% - Justizvollzugsanstalt (JVA)
-40% - Tierkadaverentsorgungsanstalt
-35% - Behindertenheim mit Freifläche
-35% - Chemiewaffenfabrik
-30% - Moschee
-30% - Behindertenheim ohne Freifläche
-30% - Jugend-Justizvollzugsanstalt
-30% - Hauptschule
-25% - Kohlekraftwerk
-25% - Hundezucht mit Freifläche
-25% - Kindergarten mit Freifläche
-25% - Chemiefabrik
-20% - Schweinemastbetrieb
-20% - Kirmesplatz
-20% - Dönerbude
-18% - Gesamtschule
-16% - Realschule
-15% - Berufsschule
-12% - Windkraftanlage
-10% - Kindergarten ohne Freifläche
-07% - McDonald's
-05% - Gymnasium

Als nicht wertmindernd gelten Banken/Versicherungen (auch die, die Wetten auf Nahrungsmittel abschließen (Link) und Militär-Chuntas in aller Welt unterstützen), jedwede Einrichtung der Katholischen Kirche und Firmen, die mit Herstellung und Handel von Waffen und Munition aller Art befaßt sind (Liste).


Siehe auch: Blogbeitrag


Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Anwohner hat es in der Hand

goo.gl/7yJSV
Der Anwohner lässt sich nieder, als ideal gilt das freistehende Einfamilienhaus mit „unverbaubarer Aussicht“. Er grenzt sein Heim mit Mauer, Zaun und Videoüberwachung („my home is my castle“) gegen Nachbarn, Pöbel und Verbrechen ab. Im Vordergrund steht nun der Werterhalt des Wohneigentums. Und vor allem soll von jetzt an alles so bleiben wie es ist. Die Nachbarn sind idealerweise Gleichgesinnte, die ihre Vorgärten in Ordnung halten (Blogbeitrag), sich um ihren eigenen Kram kümmern und kein größeres oder neueres Auto fahren als man selbst. Wenn man sich – obwohl beiderseitig versucht wurde, dieses zu vermeiden – zufällig beim Rausstellen der Mülltonnen auf der Straße trifft, grüßt man. Etwaige Smalltalk-Themen (sofern unvermeidbar) sind „Wetter“, „die Jugend von heute“, „Gewalt in Großstädten“.
So könnte das ewig weitergehen!
Doch ach!

[Tor 1: Golfplatz]
Lumpen wollten in Wuppertal aus dem „Scharpenacken“ (Link), einem ehemaligen Truppenübungsgelände, einen Golfplatz machen! Golfplatz!! Herrgott!!! Schon die Jahreszeiten stellen ja eine unerwünschte Varianz in der gewollten Eintönigkeit des Daseins dar! Veränderung droht. Hui! Nachher fliegen einem noch Golfbälle in den Zierteich! Oder Fremde parken auf der Straße! Fremde!! Unvorstellbar.
Und weil die Kinder aus dem Haus sind und man außer Unkraut jäten ja sonst nix zu tun hat, ist Advocard auf einmal Anwalts Liebling und es werden 150 Leserbriefe an lokale Zeitungen geschrieben – um denselben Pöbel aufzuhetzen, den man sich jahrzehntelang erfolgreich mit Mauer, Zaun und Videoüberwachung von der Pelle gehalten hat.
(Für „Pöbel aufhetzen“ möchte ich gerne den Neologismus „aufpöbeln“ einführen.)
Vielleicht reicht es ja auch für eine Bürgerinitiative. Was soll ich sagen: Die Verhinderung des Golfplatzes war ein voller Erfolg! Es wurde mit Rotkäppchen-Schaumwein angestoßen!
Dann war wieder alles wie immer – der Traum eines jeden Anwohners.
So hätte das ewig weitergehen können!
Doch ach!

[Tor 2: Windkraft]
Die Lumpen waren nicht untätig! Jetzt wollten sie auf dem „Scharpenacken“ Windkraftanlagen errichten! Windkraftanlagen!! Herrgott!!! Sind die irre? Ja, im Prinzip hat man nichts gegen saubere Energie, auch nicht gegen Windkraft, aber doch nicht „nebenan“! Das mindert ungünstigstenfalls den Wert des Wohneigentums! Da schrillen ja alle Alarmglocken. Und völlig geräuschlos sollen die ja auch nicht sein! Und wenn man nur einen Hund hätte, dann könnte man eventuell nicht mehr ungestört… oder so.
Zack! Bürgerinitiative, 300 Leserbriefe, den Nächsten aufgepöbelt.
Was soll ich sagen: Die Verhinderung der Windkraftanlagen war ein voller Erfolg! Der Rotkäppchen-Schaumwein floss in Strömen!
Dann war wieder alles wie immer – der Traum eines jeden Anwohners.
So hätte das ewig weitergehen können!
Doch ach!

[Tor 3: Justizvollzugsanstalt - der ZONK!]
Die Lumpen holten aus zum finalen Todesstoß – dem ZONK!!! Jetzt sollte in der Nachbarschaft eine Jugend-Justizvollzugsanstalt entstehen! Verbrecher!! Kraisch!!! Ja, dem Verbrechen muss Einhalt geboten werden, aber doch nicht hier bei uns! Der Wert des Wohneigentums ist im freien Fall! Man würde die Hütte nicht mal mehr für 1,00 EUR bei EBAY loswerden, wenn hier ein Zuchthaus voller dreckiger Verbrecher gebaut würde! Im Falle eines Ausbruchs oder einer Massenrevolte wäre niemand mehr seines Lebens sicher! Niemand!!
Zack! Bürgerinitiative, 900 Leserbriefe, den Nächsten aufgepöbelt, alles aus dem Effeff, gekonnt ist gekonnt. Jetzt hatte man sogar „Amphibienarten aus unterschiedlichen Familien der Ordnung Schwanzlurche“ auf dem Gelände der zukünftigen Anstalt gesichtet und den Slogan „Molche statt Strolche!“ geschmiedet und auf Plakate geschrieben.
Doch ach! Nichts, was bisher geholfen hatte, half! Weder die irrsinnige Anzahl von Leserbriefen noch der hoch-originelle Molch-Slogan noch durch pöbelnde Rentner initiierte tumultartige Szenen bei Informationsveranstaltungen!
Jetzt heulten Himpelchen und Pimpelchen Rotz und Wasser und wollten doch so dolle gerne einen Golfplatz, gerne auch mit Windkraftanlagen haben!
Zu spät.

Hart aber fair.


P.S.: Im nächsten Level soll in Wuppertal in einem Wohngebiet eine forensische Klinik für psychisch kranke Straftäter entstehen (Link). Sollte das noch abwendbar sein, wird man alternativ eine Chemiewaffenfabrik ansiedeln wollen und wenn der Anwohner die auch nicht haben will, dann kommt eben als ZONK definitiv ein Atommüll-Endlager nach Wuppertal.
Der Anwohner hat es in der Hand.


Dienstag, 30. Oktober 2012

ru24 Wissen 20: Surströmming

goo.gl/KRpPN
Surströmming ist schwedisch für "saurer Strömling". Man nehme Ostseehering (Strömling), lege ihn wochenlang in Salzlake, wo er gärt, dann dose man ihn einen Monat vor dem großen Tag ein, wobei er in der Konserve fröhlich weitergärt, sodass sie sich kugelförmig aufbläht. Wegen der naheliegenden Detonationsgefahr sind die Dosen auf Flügen der Airt France und British Airways Tabu, völlig unnachvollziehbar für den Schweden an sich...

Am großen Tag:
1) Die Dose ist dringend im Freien zu öffnen, damit die Gase sich verflüchtigen können. Entweichen die bestialisch nach fauligen Fäkalien stinkenden Gase des Surströmmings innerhalb von Räumlichkeiten, werden diese dadurch temporär unbewohnbar.
2) Die Dose ist zusätzlich dringend unter Wasser zu öffnen
Praktisch: Man kann den hoffentlich noch rosigen Fisch direkt abwaschen. Ist er grau, sollte selbst der Alte Schwede die Finger davon lassen, sofern er noch etwas älter werden möchte. Grauen Surströmming kann man vermutlich nur noch trocknen und rauchen.
3) Der Fisch muss drinnen gegessen werden, weil die Faulgase Fliegen anlocken.
Dann flott rein mit der Leckerei in die IKEA-Vorzeigewohnung, es sei denn, man möchte eindringliche Szenen aus "Der Herr der Fliegen" nachstellen.
"Die traditionelle Art, Surströmming zu essen, ist ein sogenanntes Klappbrot. Man streicht Butter auf dünnes Fladenbrot, hartes oder weiches, je nach Geschmack, legt den gesäuberten Surströmming zusammen mit Mandelkartoffeln und gehackten Zwiebeln darauf, klappt das Ganze zusammen und isst es aus der Hand." (Quelle: s.u.)
Übrigens: die "wahren Enthusiasten" lieben nicht nur den "Duft" des Fisches, sie essen als Steigerung die über ein Jahr länger fermentierten Konserven vom vorletzten Fang.

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Freund Bernd (Blogbeitrag) sich nach dieser Lektüre schon das Lätzchen umbindet. :)


Lecker, lecker: Youtube-Video.
Mehr zu Surströmming: Link, Link, Link
Für die ganz Harten: Surströmming bei Amazon bestellen
Mehr Schweden: Blogbeitrag, Blogbeitrag


Sonntag, 28. Oktober 2012

Das Lob des Vaters

goo.gl/CVBcv
Während man ein Kompliment in erster Linie für die zufällig zusammengewürfelten Gene von Mom und Dad (und dazu passende Kledage) bekommt, erhält man ein Lob für etwas, was man selbst getan, gemacht oder geschaffen hat.
Als Kleinkind wird man noch fürs Scheißen über den grünen Klee gelobt, fürs Krickelkrackel und dafür, mal nicht völlig irrwitzig gekleckert zu haben. Dann dünnen sich die Lobpreisungen mit den Jahren mehr und mehr aus. Im Grunde gehen sie asymptotisch gegen Null, bis der Halleysche Komet öfter aufscheint als dass man mal für etwas gelobt wird.
Natürlich ist das lediglich ein »gefühlter Wert«.
Selbstverständlich bekommt man hie und da schon auch mal Anerkennung. Vielleicht dafür, bei einer Beerdigung nicht gestört zu haben oder für einen im Mittelteil recht gelungenen Blogbeitrag.
Doch wenn das ausgesprochene Lob nicht von einer speziellen, hochgestellten Lichtgestalt kommt, sondern von Hans und Franz, dann prallt es leider einfach so doing! von uns ab!

Mit Lichtgestalten sind gemeint z.B. der Dalai Lama, Spock von Vulkan, Dr. Dr. Sheldon Lee Cooper, Stephen Hawking oder total absurd & durchgeknallt: der eigene Vater! (Muahaha!!!)
Denn: Der Mt. Everest des Lobes ist das Lob des eigenen Vaters.

Wie masochistisch kann man eigentlich sein?
Meiner einer wäre eher von einem rotgekochten Lobster (dem Namen nach überaus geeignet) gelobt worden als vom eigenen Vater. Dad wäre implodiert, hätte er zeitlebens auch nur ein lobendes Wort über seine Lippen gebracht. Er war vielmehr der »Das-kannst-du-aber-besser-Typ«.
Mt. Everest, 8.869-ster Höhenmeter, der Sherpa ist vor 600 Metern mit Gefrierbrand ausgefallen. Man schleppt sich dahin, setzt einen Fuß vor den anderen, im Stiefel knirscht es, da ist schon wieder ein Zeh abgebrochen, einatmen, ausatmen. Die Kopfschmerzen von Brain-Freeze erreichen ein absurdes Niveau. Aber irgendwann ist es geschafft! Als coole Sau loggt man sich mit dem Smartphone bei Foursquare ein, um der Welt seine Position bekannt zu geben. Hans und Franz sind ganz aus dem Häuschen! Dann passiert länger nichts. Nach einer halben Stunde kommt sie dann, die heiß ersehnte SMS des Vaters: »Ich habe noch ein paar Vorschläge für Verbesserungen. Mutter grüßt, du sollst dich warm anziehen und auf dich aufpassen. Papa«
Mich würde interessieren, welche SMS Felix Baumgartner vor/während/nach seinem Sprung aus der Stratosphäre von seinem Dad bekommen hat.

Dann doch lieber hie und da mal ein fettes Eigenlob! Das stinkt zwar angeblich - püh! Aber WTF ist denn bitte die Alternative? Das ist allemal besser, als diese Plempe Red Bull zu trinken und vom Rand der Erde zu springen, nur, um sich nachher Verbesserungsvorschläge anhören zu müssen.


Samstag, 27. Oktober 2012

ru History 40 - Großvater Scrooge (1982)

goo.gl/oiFmv
Als ich (als Erwachsener) erstmalig Dickens' Weihnachtsgeschichte (A Christmas Carol) las, und Scrooge als "hart und kalt wie ein Kiesel" beschrieben wurde, da kam mir unwillkürlich ein "Och, de Oppa" in den Sinn.
Gemeint ist mein Großvater Heinrich.
Geboren 1900 (Weltausstellung in Paris, Eiffelturm), als die Titanic sank war er 12, für den ersten großen Krieg war er zu jung, für den zweiten großen Krieg fast zu alt.
Zeitlebens wurde er "de Oppa" genannt. Das lag daran, dass er mit "de Omma" verheiratet war, dadurch begegnete man sich notgedrungen.
De Oppa war ein spektakulärer Esser (Blogbeitrag) und seine Nickerchen konnten sich sehen lassen (Blogbeitrag). Falls ihr das noch nicht kennt, bitte unbedingt lesen!

De Oppa war ein Mann von eisenharten Prinzipien. Was man flicken konnte, wurde geflickt. Was man selber bauen konnte, wurde gebastelt. Wie viel Zeit jeweils darauf verwendet wurde, war allzeit zweitrangig, ganz so, als sei Lebenszeit völlig wertlos, nicht in Geld aufzuwiegen. Eine Mark gab er nur aus, wenn er sie so oft herumgedreht hatte, dass seine Finger metallisch schimmerten. Als seine beiden Mädchen noch klein gewesen waren (30er Jahre), hatte er für die Weihnachtsgeschenke der beiden aber auch schon mal 50 Pfennig springen lassen. Da hatte er wohl seine Spendierhosen angehabt an dem Tag.
Ich fand immer, dass "Geiz" ein viel zu schwaches Wort dafür war, es nicht so recht traf, denn de Oppa grüßte ja sogar nur äußerst sparsam.

Gegen zappelnde (= lebende), plappernde (= kommunizierende) Kinder (moi) hatte mein Großvater ein Allheilmittel: Däumchendrehen. Ich wurde als kleines Kind dazu verdammt, schweigend am Tisch zu sitzen und mit gefalteten Händen Däumchen zu drehen. Meine geheime Superkraft "Ruhe ausstrahlen" entwickelte sich also schon ganz früh.
Kartenspiele waren für ihn "des Teufels Gebetbuch" und Dinosaurier negierte er nur als "Sau-Dier", da die "Schöpfungsgeschichte binnen sieben Tagen" solche nicht vorsah.

goo.gl/HHhAK 
Gottlob grofelte de Oppa bis zu seinem Ableben 1982 die meiste Zeit in seiner Werkstatt herum. Diese Werkstatt war Teil eines Betriebes, der seine letzten Investitionen in den Kriegsjahren und seine besten Tage während des Wirtschaftswunders gesehen hatte. Seitdem waren Maschinen, Vorrichtungen und Werkzeuge in dieser teerpappegedeckten Butze nur noch behelfsmäßig geflickt und zurechtgedengelt worden. Dies war ein lichtarmer Ort, angefüllt mit Geistermaschinen und Maschinengeistern, ein rostiges, spinnenwebiges und staubiges Imperium der Schatten, antik in jedem seiner glanzlosen Details.

Aber irgendwie bin ich als Kind auch oft genug dort gewesen, um das Wesen dieses Ortes in mir aufzunehmen. Vielleicht erklärt das meine heutige Affinität zu Verderb, Niedergang und Zerfall (in "Haunted-Hill-Optik"). Auf vielen meiner Flickr-Fotos kann man die kalte, tote Hand meines Großvaters sehen, erhoben zu einem sparsamen Gruß: flickr