Dienstag, 25. Oktober 2011

Bürogeplänkel 26 - Die Moderne, das Luder!

http://bit.ly/ocrEUW
Welche geruchlichen Brachialitäten habe ich nicht schon alles überstanden! Da war z.B. im Jahr 2000 die extrem besuchte CeBit-Toilette in Halle 2, Nähe Stand C36 (Symantec). Vor jedem Pissoir, vor jeder Kabine standen mindestens fünf Messebesucher Schlange, eine gewaltige, sich immerfort erneuernde Phalanx der Ausscheidung. Der daraus resultierende Pesthauch hätte mich fast gezwungen, statt meinen Darmtrakt meinen Mageninhalt zu entleeren. Ich floh diesen schrecklichen Ort mit tränenden Augen, würgend und vor allem unverrichteter Dinge.

Dergestalt abgehärtet fing ich in meiner aktuellen Firma an. Trotz einer heftigen Hire-Phase beider Unternehmen (2005), die in meinem Stockwerk die gleiche Toilette benutzen, erreichte der olfaktorische Level trotz zwischenzeitlicher Überbevölkerung niemals mehr als 0,32 CeBit und nach der darauffolgenden Fire-Phase (2007) niemals mehr als 0,2 CeBit.
Doch die Moderne, das Luder, wollte mehr, viel mehr!
Nach der Anbringung eines Handdesinfektionsgerätes gegen die böse, böse Vogelgrippe (oder welche Seuchen-Sau gegen Ende 2009 auch immer durchs Dorf getrieben wurde - Blogbeitrag) hatte es jetzt fast zwei Jahre lang keine technischen Schnickschnack-Neuerungen mehr gegeben.

Heute komme ich auf die Toilette, und mein erster Gedanke ist, dass dort eine preiswerte Prostituierte explodiert sein muss, zumindest dem Geruch nach. Aber es ist die Moderne, die mir so wuchtig und betäubend wie ein Süßkindscher Alptraum auf die Schleimhäute schlägt! Der Grund: "AirWick Freshmatic Compact" mit Geruchs-Sensor. Ein kleiner Automat, groß wie ein Tischlautsprecher, entscheidet jetzt selbsttätig, wann angeblich dicke Luft ist und hält dagegen, als gäb's kein Morgen! "Bratapfel und Zimt" soll das übrigens sein - Muahahaha! Im Grunde kann man schon froh sein, dass AirWick nicht versucht hat, "Kotze" nachzubilden.
Dieses Ding verteilt jetzt seinen irgendwie pinkfarben stinkenden, beißenden, vollsynthetischen Dritte-Welt-Nuttendiesel gnadenlos im ganzen Raum und auf den anwesenden Urinierenden.
Jetzt weiß ich, wie ich diesen brachialen Angriff auf meine Nase am besten beschreibe: Als würde Barbie verwesen.

Ich vergebe 0,7 CeBit.
Danke, Moderne!

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Montag, 24. Oktober 2011

Die Kleinen

http://bit.ly/oFsRgn
Seit ich mit meiner Partnerin zusammenwohne, hat sich gegenüber dem Leben in einem Einpersonenhaushalt durchaus einiges geändert - zum Beispiel die Zusammensetzung der täglich konsumierten Lebensmittel. Bislang wenig beachtetes, so genanntes "Obst" ist nun fester Bestandteil auf dem täglichen Speisenplan.
Ich fremdele noch ein wenig.
Auf dem Küchentisch fest installiert steht nun eine gewaltige, aus Berlin importierte Keramik-Obstschale, satt gefüllt mit Birnen, Bananen, Äpfeln und Diversen.
Und somit hielt auch die Drosophila melanogaster vulgo "Fruchtfliege" oder "Taufliege" Einzug in die neue Wohnung, der die alte Wohnung niemals einen Lebensraum geboten hatte. Wer würde sich aus dem Bio-Grundkurs nicht an diese possierlichen Tierchen erinnern? Ich höre es noch wie heute:
"Propft man nun den Kopf von Drosophila melanogaster auf den Fuß von Acetabularia Wettsteinii, so erhält man eine Schirmalge mit roten Augen - ein beliebter Halloween-Scherz unter Genetikern ... "
Naja, auf jeden Fall wohnen die Kleinen jetzt bei uns. Es sind ungefähr 15 bis 20, man kann sie schlecht zählen oder auseinander halten.
Sie heißen alle Sophie.
Ihr Tummelplatz, Phantasialand, Abenteuerspielplatz ist die Obstschale. Doch ach! Wir, die Großen, essen ja täglich Obst! Mittwochs, am Tag vor dem großen Einkauf, ist die Schale oft leer. Dann sitzen die Kleinen am Aluminiumschirm der Hängelampe über dem Küchentisch und starren mit rotgeweinten Augen in den 40 cm tiefen Abgrund einer leeren Obstschale, ein Bild des Jammers! Vielleicht kauen sie nervös ein wenig an ihren Fingernägelskes, ich kann es nicht genau sagen, ich habe meine Stereolupe noch nicht gefunden. Die Verzweifelten unter ihnen stürzen sich in den Restmüll und nagen an den verderblichen Resten diversen Unrats, ein schreckliches Schicksal!
Sie dauern mich.
Die Kleinen.
Am Donnerstag werde ich bei den Einkäufen für Nachschub sorgen. Ihre Leibspeise sind Nektarinen (oder sind es Aprikosen? Egal: Es sind Pfirsiche ohne Haare), die fangen schon nach zwei Tagen an zu gammeln, quasi ab Werk.


Samstag, 15. Oktober 2011

Queen Mom 9 - Patientenverfügung

http://bit.ly/oPBl3t
Letzte Woche fuhr ich mit Queen Mom gen Supermarkt.
Da ich morgens auf WDR 5 etwas über Patientenverfügungen gehört hatte, wollte ich nur mal fragen, ob meine Mom für den Fall der Fälle vorgesorgt hatte, nämlich über ihr Sterben zu verfügen, wenn sie - was ein gnädigeres Schicksal verhüten möge - an Geräten vor sich hin dämmern sollte.
Auf meine Frage hin schlug mir Schweigen entgegen. Es war nicht nur ein mißtrauisches, ablehnendes Schweigen, sondern es war wirklich und wahrhaftig ein SUPERSCHWEIGEN!!!
Ich habe mir überlegt, wie Queen Mom sich das mit der Patientenverfügung wohl vorgestellt hat:
Die Sparkasse schaltet einen Gang rauf, nachdem mein Girokontostand von knallrot in bodenloses Infrarot gefallen ist. Dezente Hinweise des Geldhauses, wie ein mit Blut auf mein Auto gemaltes Sparkassen-S, das Auffinden des abgeschlagenen Kopfes eines Sparschweins beim Aufwachen in meinem Bett usw., ignoriere ich geflissentlich. Nun schickt die Sparkasse ihre Ninja-Killer. Es ist eine mondlose Nacht. Tiefschwarz vermummte Gestalten mit einem kleinen, gestickten Sparkassen-S auf ihrer Kluft springen behände mit leise flatternden Geräuschen von Dach zu Dach, mir aufzulauern, die Wurfsterne bereits zwischen den Fingern.
Nun endlich werde ich aktiv.
Ich greife zum Hörer.
"Ist dort das Mariä-Kowalski-Krankenhaus?", frage ich flüsternd, während sich auf dem nachtschwarzen Balkon noch schwärzere Schatten verdichten.
"Ich hätte gern den behandelnden Arzt meiner Mutter gesprochen, Dr. Sigurd Hess".
Nach einer Weile werde ich verbunden. Das völlige Ausbleiben von Geräuschen von jenseits des Balkonfensters deutet lautstark auf die Anwesenheit der Meuchelmörder hin.
"Hess!", meldet sich der Arzt.
"Es geht um Queen Mom. Ich bin ihr Sohn. Und ich habe eine Patientenverfügung... Schalten Sie meine Mutter sofort ab!", belle ich. Die Patientenverfügung meiner Mutter und ein teilausgefüllter Erbschein liegen vor mir, meine Girokontonummer ist bereits eingetragen, nur der Todeszeitpunkt fehlt noch.
"Aber Ihrer Mutter geht es gut! Sie ist wegen eines eingewachsenen Zehennagels hier!", lamentiert der Mediziner haltlos.
"Ich wiederhole: SOFORT ABSCHALTEN!", brülle ich.
"Sehr wohl. Faxen Sie mir die Patientenverfügung zu, und wir schalten Ihre Mutter umgehend ab", winselt Dr. Hess devot.
Fast zärtlich tätschele ich das Faxgerät, während es die Patientenverfügung verschlingt.
Eine Minute später kommt der OK-Sendebericht heraus.
"MUAHAHAHAHA!", mein dämonisches Lachen läßt die angespannten Ninjas auf dem Balkon zusammenzucken.
"Ich bin reiiich!", flüstere ich mit irrem Grinsen.
Ich habe es dann gelassen, sie noch einmal drauf anzusprechen.

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Mittwoch, 12. Oktober 2011

@work 2 - Funkmaus

http://bit.ly/qsCC4o
Kundin ruft an, die Maus sei kaputt. Ich frage schon gar nicht mehr, wie der Defekt zustande gekommen ist. Manchmal fahren sie irgendwo mit einem Stapler drüber oder zersägen es aus versehen. Oder der Azubi hatte zu viel Kraft und oder Langeweile. So viel Elend!
"Es ist aber eine Funkmaus", sagt sie.
"Oh. Echt? Am PC?"
"Jaja!"
 Welcher Steckertyp?", frage ich.
"Hä?", fragt sie konsterniert.
"Naja, so ein flacher Grauer oder ein grüner Runder?", versuche ich es einfach zu machen.
"Na Sie machen es aber kompliziert!!!"
Sie kriecht unter den Tisch, es raschelt am Hörer.
"So rund", sagt sie ächzend, sich wieder aufrichtend.
Ich schicke den Ersatzteilauftrag an die Technik. Postwendend kommt er zurück. "Funkmäuse nur an Laptops! Ansonsten kostenpflichtig!" steht da freundlich wie immer.
Ich rufe im Markt zurück, erkläre das Problem.
"Wie? Bezahlen? Aber meine Funkmaus hat doch ein Kabel!", beschwert sich die Kundin.
"???", frage ich.
"Funkmaus heißt das doch, wenn die Maus keine Kugel, sondern ein Lämpchen unten drunter hat", behauptet die Kundin.

Persönliche Notiz: Nur noch 23 Jahre bis zur Rente.

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Samstag, 8. Oktober 2011

Queen Mom 8 - Pätschkes

http://bit.ly/pKGZE0
2005 war ich mit Queen Mom (seinerzeit 79) unter anderem für einen Tag auf La Isla Margarita, Venezuela. In Sichtweite des Hafens La Guardia wurden wir ausgeschifft und mit Shuttlebooten an Land gebracht. 
Am Kai ankerten Schiffe, die mit Tauwerk an eisernen Pollern festgezurrt waren. Die schiefe Sitzgelegenheit dieser Taue nutzten zahlreiche Pelikane, ein skurriler Anblick.
Queen Mom, die mich als Geh-Hilfe nutzte, hielt inne und wies auf die schrägen Vögel.
"Dat die da mit ihren komischen Pätschkes überhaupt sitzen können", sagte se.
Pätschkes! Hach! Da geht einem als Bergischen Jungen echt dat Herz auf, gerade in der Fremde! Un et gibt Momente, da muss man Queen Mom einfach drücken.

Info: Der Diminutiv des Bergischen Landes führt zu so wunderbaren Wörtern wie Wäffelkes, Schläppkes, Äutekes, Schlüsselkes, Herzkes und natürlich Pätschkes - den Patschefüßen von Seevögeln.


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge


Freitag, 7. Oktober 2011

Bürogeplänkel 25 - Kohlenhydrate-Diät

http://bit.ly/q5sJiy
Dienstag in der Mittagspause aß ich selbst zusammengerührten Joghurt mit Birne. Obenauf hatte ich Dinkel Crunchy Müsli gestreut. Während ich am PC ein paar Facebookeinträge kommentierte, näherte sich rechts von meinem Kopf ein Löffel. An dem Löffel hing eine komplette Kollegin nebst Bürostuhl.
"Darf ich?", fragte sie.
Ich bejahte huldvoll. Sie nahm einen Löffel, crunchte vor sich hin, nickte begeistert.
"Lecker!", sagte sie und nahm sich gleich noch einen Löffel. "Ich mache gerade eine Kohlenhydrate-Diät", ergänzte sie.
"Äh?" Ich war verwirrt. Zumal die Dinkel Crunchies eine ganz wunderbare Kohlenhydrate-Quelle darstellten. "Seit wann?", fragte ich.
"Seit gestern!", antwortete die Kollegin stolz.
"Du weißt schon, dass das hier Kohlenhydrate sind?", fragte ich.
Murrend, maulend und crunchend rollte die Kollegin auf ihrem Bürostuhl von dannen.
Mittwochs hörte ich die Kollegin den anderen Mitarbeiterinnen stolz berichten, sie habe Abends für sich und ihren Freund eine Pfanne Bratkartoffeln gemacht.
Ah ja...
Aber lecker!
Donnerstags verkündetet sie, dass sie sich bei dem bevorstehenden Ausflug der Bürodamen nach Cochem/Mosel keinesfalls "irgendwie zurückhalten" würde.
Hmm...
Heute rief sie aus der Küche: "Kommt schnell alle her, hier ist das Paradies!", sie war schlecht zu verstehen, denn ihr Mund war so voll mit Donuts und Sahnebällchen, die dort in Krankenhausmengen herumstanden, wie bestellt und nicht abgeholt.
So ganz bei kleinem glaube ich, dass diese "Kohlenhydrate-Diät" für mich genau das Richtige wäre! Sie klingt einfach großartig!

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Dienstag, 4. Oktober 2011

Autowaschanlage

http://bit.ly/nC20cs
Auch wenn man ein kleines Auto fährt, wird es mal arg schmutzig. In meiner Mittagspause bin ich dann zur Tanke gefahren und habe mir die Autowaschangebote mal angesehen. Sieben Waschprogramme rangen um meine Gunst. Bürstenwäsche, Unterbodenwäsche mit Unterbodenkonservierung, Felgenreinigung, Wachsauftrag mit Sonderwachs, Schaumpolitur, Trocknung mit Glanztrockner. Ich wählte das Programm, das ich mir leisten konnte und bekam ein Zettelchen mit einer sechsstelligen Codenummer. Ich trollte mich.

Mit dem Wagen an der Waschstraße stellte ich fest, dass ich nicht der einzige war, der auf die grandiose Idee gekommen war, sein Auto in der Mittagspause waschen zu lassen, ich stellte mich an. Mit dem Codezettelchen in der Linken stiegt ich aus. Die Gelegenheit war günstig: Ich durchstöberte das Wageninnere nach Abfall und warf zwei Hände voll in den nahen Mülleimer.
Den Rest der Wartezeit versuchte ich das Wetter zu genießen (angesagt: Sonne, 27°C, tatsächlich: bedeckt, 12°C).
Als ich an der Reihe war, stellte ich meinen Smart in Position, ging zu dem Bedienpanel mit den Zifferntasten herüber und starrte auf meine Linke mit dem Zettelchen. Die Hand war leer. Blitzartig entschlüsselte der großartige Verstand, der nicht einmal in der Lage war, fünf Minuten auf ein kleines Zettelchen aufzupassen, die Vorgänge. Mein Blick wanderte zu der Mülltonne.
Jubilate!
Angelegentlich scharwenzelte ich zu der Mülltonne und warf einen unauffälligen Blick hinein. Nun, nur hineinzulinsen würde definitiv nicht reichen! Und die Augenzeugen dieses Vorgangs zu eliminieren würde auch kein leichtes Unterfangen werden!
Ich wühlte also in einer Mülltonne. Dabei hatte ich in den 80ern nicht einmal eine Clochard-Hose besessen! Ich fischte sechs unterschiedlich zerknüllte Codezettelchen heraus und ging wieder zum Panel.
381 654 war eine Niete. 729 062 auch. 667 382 übrigens ebenso. Ach ja: 110 299 auch. Und 447 381 überraschenderweise auch.
Ich ging wieder zur Tonne. Die zahlreichen Augenzeugen starrten auffällig unauffällig, als ich mich wieder in den Unrat hinabbeugte und unter Kippen, Asche, runtergerockten Kokos-Duftbäumchen und Getränkeverpackungen weitere Zettelchen hervorkramte.
Die Glückszahl lautete übrigens 772 861.
Danke Gehirn!

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Mittwoch, 28. September 2011

Sperrmüll

Wie alles begann...
Über zwei Wochen vor dem Sperrmülltermin reichte ich in persona bei der Stadt Radevormwald eine Sperrmüllkarte ein. Ich ließ die Verwaltungsfachangestellte ihren Blick darüber schweifen, sie nickte wohlwollend nach eingehender Prüfung und gab die Karte in die Hauspost.
Misson completed!
Einen Tag vor dem Sperrmüllabholtermin stellte ich den Krimskrams fein säuberlich auf den Bürgersteig. Einen Stuhl. Einen Mülleimer. Ein paar Gardinenstangen. Zwei Badezimmerschränkchen. Eine Stehlampe. Kleinkram eben.
Am Abend begann die Transformation.
Kleinlaster mit Ruhrgebietsnummernschildern cruisten die Straßen entlang. Glutäugige Männer sprangen heraus, griffen sich Metallgegenstände und alles, was ein Kabel hatte. Passanten streiften herum und grofelten angelegentlich durch die Auslagen. Aus meiner Wohnung hörte ich noch bis nach Mitternacht Scharren, Wühlen und das Umkippen von Dingen.
Am morgen hatte sich die Szene dramatisch verändert.
Wenn überhaupt war nur noch die Hälfte meines ursprünglichen Krempels vorhanden. Der Stuhl war weg, die Stehlampe, die Badezimmerschränke, dafür war jetzt eine mit grünem Schleim versiffte zweisitzige Rattancouch dazugekommen und ein zur Hälfte weggefaulter Küchenschrank. Ein stockfleckiger Karton mit angebranntem Plastikspielzeug stand schief oben drauf, wie eine Anklage. Dreiviertel der Breite des Bürgersteiges waren bereits blockiert
Na ja.
Ich fuhr zur Arbeit. In der Zwischenzeit würde der Sperrmüll dem Spuk schon ein Ende machen!
Ich kehrte heim.
Es sah aus wie ein Kriegsschauplatz! Man hatte den Krempel überall in der Straße abgeholt, nur bei  mir nicht, tolle Wurst! Dafür waren untertags noch eine bis zur Unkenntlichkeit verrostete Schubkarre und ein paar Farbeimer dazugekommen.
Ich rief bei der Stadt an.
Uh, hmm, man könne jetzt wirklich nicht alle Sperrmüllkarten durchgehen. Ob ich mir denn sicher sei, eine Karte ausgefüllt zu haben.
Ja-haa!!!
OK, nächste Woche wird der Sperrmüll ganz sicher abgeholt, versprochen, vielen Dank für Ihren Anruf.
Hurra...

Die kommende Woche verging wie im Fluge. In den dunklen Stunden der Nacht klimperten Ghoule und Zombies durch den immer minderwertiger werdenden Ramsch. Sie rissen sich das eine oder andere unter den Nagel und hinterließen im Gegenzug ihren seit Jahren in feuchten Kellern vor sich hinfaulenden Mist wie z.B. drei verwesende Teppiche.
Schon Mittwochnacht fand sich ein Liebhaber für die arg leprösen Bodenbeläge, dieser hinterließ freundlicherweise im Gegenzug etwa eine Tonne Schrott aus alten Flippern.
Der Donnerstag brachte sechs Müllsäcke voller Troll-Nierensteine und einen vor Jahrzehnten mit irgendeiner Küste kollidierten Fischkutter namens "Malaria III".
Freitag kamen 4 leckende Atommüllfässer dazu und ein abgebrochener Mammutstoßzahn.
Die Ghoule holten sich nachts zwei der Atommüllfässer und rissen dabei wohl versehentlich die Säcke mit den Troll-Nierensteinen auf, diese hatten sich in den Vorgarten ergossen.
In den Nächten darauf kam es zu weiteren Transaktionen. Die "Malaria III" verschwand auf Nimmerwiedersehen zusammen mit dem letzten Atommüllfass, dafür entledigte sich jemand seiner etwas syphilitisch wirkenden Schrumpfkopfsammlung, etwa 150 Stück. Die Hälfte der Troll-Nierensteine fanden ihre Abnehmer, dafür kippte mir jemand eine Wanne Fischeingeweide und zwei Roswell-Alien-Kadaver in den Vorgarten. Ich wurde samstags um 5.00 Uhr morgens vom Gekreische der Möwen geweckt.
Die Möwen waren recht gründlich, dafür kackten sie alles voll.
Am Sonntag ging es ruhiger zu.
Montag bereits hatte das Ordnungsamt die Straße halbseitig gesperrt, rot-weißes Flatterband schlänzelte im Wind, eine Baustellenampel regelte den Verkehr im Zweiminutentakt. Als ich Montagabend die Rollläden herunterließ, erhaschte ich einen Blick auf Mulder und Scully, die mit Taschenlampen im Vorgarten nach Alien-Überresten suchten.
Nach einer weiteren unruhigen Nacht kam der große Tag!

Ich fuhr zur Arbeit.
Ich kehrte heim.
Argh!
Natürlich hatten die Stadt-Schergen nur den gröbsten Krempel mitgenommen.
Ich werde 20 Pfund Troll-Nierensteine, 32 Schrumpfköpfe, den abgebrochenen Mammutstoßzahn und einen abgenagten Alien-Schädel wohl bei eBay verticken müssen.
Falls jemand Interesse hat, bitte melden (an Selbstabholer).

P.S.: Die Preziosen riechen etwas nach Fisch.

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Montag, 26. September 2011

Umzug

"Ich kann hier niemals ausziehen!", sagte ich damals zu einer Freundin. Gemeint war meine Wohnung in 42477 Radevormwald, 50 m² mit Garten, Parkplatz vorm Haus für 190,00 EUR, die ich schon seit 10 Jahren bewohnte.
Ich meine hey!
Bei der Miete!?
Die Freundin schaute damals etwas sparsam. Nun, sie war meine damalige Freundin.
Aber, wie de Omma schon immer sagte: "Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen". Nun, sie sagte es auf französisch, was sich anhörte wie "Musche-musche-musche-awek-ö". Also, wie sich quasi alles auf französisch anhört, aber ich wusste ja, was sie meinte.
Die Zeiten haben mich dann irgendwann auch mal erwischt und spülten mich an neue Gestade, vulgo: ich zog der Liebe halber nach Wuppertal.

Zwischenspiel: Auf einer Garten-Party in Oberhausen. Meine Freundin und ich erzählen einer uns Unbekannten, dass wir gerade nach Wuppertal gezogen seien. Sie: "Seid ihr geistesgestört?"
So viel dazu.

Ein Umzug könnte ein Riesenspaß sein, wenn das Aussortieren, Kisten besorgen, Einpacken, Renovieren, Herumschleppen, Auspacken, Anschließen, Aufbauen und Kisten sowie Müll entsorgen nicht wäre. Ich hatte schon auf vielen Umzügen geholfen und da das ganze Spektrum der Möglichkeiten erlebt, von einer völlig ungepackten Wohnung, Motto: "Ach, Kistenpacken, das geht doch schnell! Kommt rein!" bis hin zur totalen Organisation nebst Empfangsgirl im Flur mit Klemmbrett, Motto: "Karton 68 gehört laut Liste hinten links ins Schlafzimmer, da weist dich dann jemand ein!"
Doch es ist immer eine ganz eigene Sache, wenn man selber umzieht...

Hier ein paar auf die harte Tour erarbeitete Tipps:

0) Bevor ihr irgendwo hinzieht, fragt VORHER die Nachbarn, wie es da im Winter ist.
[Wir beide sind jetzt SEHR gespannt auf den Winter, nachdem uns diverse Nachbarn über die Zentralheizung im Hause und den nicht stattfindenden Winterdienst in unserer steilen, schmalen Straße aufgeklärt haben]
1) Leute, kommt aus den Puschen und packt euren Kram selbst, bevor es andere für euch tun.
[So fand ich dann im Arbeitszimmer drei Wochen nach dem Umzug eine Kiste, aus der Wolken von Fruchtfliegen aufstiegen. Sie enthielt neben Bürokrimskrams originellerweise eine Obstschale mit in Verflüssigung befindlichen Birnen, eine Art Phantasialand der Drosophila.]
2) Beschriftet eure Kartons auf beiden Schmalseiten UND dem Deckel.
[a) kistenschleppenden Freunden ist es eh scheissegal, was du auf die Kartons geschrieben hast. Und: 2. Stock: (scheissegal)², 3. Stock: (scheissegal)³ etc. b) Beschriftungen von einseitig gekennzeichneten Kisten werden von den rekrutierten Hilfskräften grundsätzlich zur Wandseite gestellt. Mein Besteck ist noch immer Missing in Action. Gewöhne mich langsam ans Fingerfood.]
2b) Schreibt auf die Kisten nicht nur K, D, B, WZ, SZ, AZ.
[Wenn plötzlich und unerwartet die TAN-Liste benötigt wird, sind trotzdem noch 8 Kisten "AZ" zu durchsuchen. Ich hatte Glück im Unglück und musste nur eine komplette Raumecke freiräumen.]
2c) Bitte nehmt einen wasserfesten Stift!
Kaum hatten die Helfer alle Kisten zum Einladen in die Autos an die Straße gestellt, öffnete der Himmel des Bergischen Landes seine Schleusen für einen kurzen aber heftigen Schauer. Aus der Umzugskistenbeschriftung "Akten, Wii, Deko" wurde im Handumdrehen "$% ,,&/ /²²". Wenn etwas schief gehen kann, geht es schief.
3) Demontiert eure Möbel selbst, bevor es andere für euch tun.
[Tütet eure Schrauben und Möbelverbindungsteile ein, nebst Zettel, für was das zum Teufel eigentlich ist. Klebt euch diese Tüten an den Körper wie Sprengstoffgürtel. Bis alles aufgebaut ist. Glaubt mir, es ist sinnvoll, auch wenn es juckt. Alternativ kann man natürlich auch 3x zu IKEA fahren und die lieben Leute am IKEA-Kundenservice-Schalter besser kennenlernen. Klaus und Irene sind übrigens dufte!]
4) Macht euch einen Ordner mit allen wichtigen Papieren.
[Wie hieß nochmal der Auto-Versicherer? Granata? Hungaria? Weiß die Fröhn-Versicherung gegen Arbeitsscheu eigentlich schon die neue Adresse? Und die scheiß TAN-Liste fürs Überweisen der Miete, siehe 2b)... Just do it.]
5) Wo entsorge ich was?
[Ein Umzug enthüllt erbarmungslos, wieviel grausam unnützes Zeugs du eigentlich hast. Und wenn man zusammenzieht, hat man den ganzen Scheiß auch noch mindestens doppelt! Entsorgung tut not. Intime Kenntnisse über Entsorgungskalender, Standorte von Altglas-, Papier- sowie Altkleidercontainern, Diakoniestationen (zur Abgabe von sonstigem Plunder), Sondermüll-Sammelstellen und Müllverbrennungsanlagen sind idealerweise VOR dem Umzug zu erwerben.]
Dann passiert lange nichts.
6) Die Telekom schaltet DSL frei.
[Der Telekom-Fritze erscheint einige lange Wochen nach dem Umzug irgendwann zwischen 8.00 Uhr und 14.00 Uhr, steckt seinen Schraubvenzieher in die Telefondose und geht wieder. Dann stehst du da mit deinen Kabeln und Geräten. Das Geschlöngels ist unbeschreiblich! NTBA, Splitter, Fritz-Box, AB, ISDN-Telefon, Netzteile und Kabelage - Technik kann so viel Spaß machen, wenn sie auf Anhieb funktioniert! Schaut vor dem Umzug ins Internet und druckt euch was aus. Die Seite kommt in den Ordner, siehe 4).]

OK, Leutz, jetzt kann nur noch alles Andere schiefgehen!

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Samstag, 10. September 2011

ru24 History 25: This is the end of the world as we know it (2001)

Das dritte Jahrtausend hatte angefangen und ich war noch nie in den USA gewesen. Somit beschlossen Freund Thomas und ich, mal eine Woche nach New York zu fliegen, zumal die gute, alte Deutsche Mark so gut wie lange nicht stand. Und in ein paar Monaten sollte der Euro eingeführt werden, wer konnte schon sagen, wie es dann werden würde. Die Urlaubsplanung schleppte sich zögerlich hin, dann gaben wir uns einen Ruck: Wir verabredeten uns bei mir zu Hause für die - Tadaaa!!! - endgültige Planung unserer New York-Reise.
Es war ein Dienstag.
Es war der 11.09.2001.
Ich hatte frei an diesem Tag und fuhr nach Wuppertal. In der Rathausgalerie gab es einen Plattenladen, ich grofelte angelegentlich durch die Auslagen. Der Tresenmann war überhaupt nicht bei der Sache, er starrte die ganze Zeit durch die Schaufenster auf einen im Einkaufszentrum installierten Fernseher, auf dem irgendein aus der Hüfte gefilmter SF-Film mit Hochhäusern lief - tsts. Ich hätte währenddessen den ganzen Laden ausräumen können.
Zuletzt kaufte ich eine CD und trollte mich.
Da ich abends Besuch bekam, fuhr ich auf dem Weg zur Wohnung noch einen Schlenker bei PENNY vorbei und kaufte etwas Bier und was zum Knabbern. An der Kassenschlange tappte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um. Der Mann war mir völlig unbekannt.
"Haben Sie DAS gesehen?", fragte er mit bebender Stimme, er war irgendwie blass und fahrig.
Ich schaute aus den Panorama-Fenstern des Marktes hinaus auf die Kaiserstraße, aber da war nichts - wie immer.
Ich drehte mich wieder zu ihm um und grunzte fragend.
"Gehen Sie nach Hause und schalten Sie den Fernseher an! DAS IST WAHNSINN!!!", fabulierte er.
Ich nickte, beschloss aber, den Mann für nicht ganz zurechnungsfähig zu halten.
Dann fuhr ich heim, es war ca. 18.00 Uhr.
Jacke an, Tasche um und Sixpack in der Linken drückte ich einer Eingebung folgend auf die Fernseh-Fernbedienung.
Der SF-Film mit den Hochhäusern lief noch immer.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Und in meinem Kopf spielten REM unaufhörlich "This is the end of the world as we know it".
Als Thomas wie immer auf die Sekunde genau um 20.00 Uhr an der Tür schellte, hatte ich noch immer die Jacke an und die Tasche um, stand noch immer an der gleichen Stelle, die Fernbedienung in der Rechten. Das Bier stand auf dem Boden neben mir.
Wir tranken warmes Bier und starrten auf den Fernseher.
Die Bilder waren die Gleichen.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Keine Überraschung: Wir haben unsere NY-Reise an diesem Abend nicht geplant.
Tags drauf, am 12.09.2001, stöpselte ich mein Antennenkabel aus dem Fernseher und warf es weg. Kabel und GEZ habe ich gekündigt/abgemeldet.
Bis heute bin ich clean und ich habe seitdem nichts vermisst.

Im Dezember 2001 rief der damalige Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, die Touristen der Welt auf: Wenn ihr etwas für die Stadt tun wollt, kommt uns besuchen!
Wir kamen.


P.S.: Die CD, die ich mir am 11.09.2001 in dem Laden mit dem unaufmerksamen Verkäufer geholt hatte, entdeckte ich Monate später, noch im Verkaufs-Tütchen steckend, bei den anderen CDs.
Sie war Mist.

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