Freitag, 15. Dezember 2017

Serien-Empfehlungen 4 -- Gutes zum Fest

photo credit: mripp Our Darkness via photopin (license)

Ihr Lieben, zum Fest meine aktuellsten Serienempfehlungen:



Crime

Manhunt: Unabomber (Wiki): Für den Discovery-Channel gedrehte Miniserie über den Profiler Jim „Fitz“ Fitzgerald, der neue Wege ging, um den „Unabomber“ Ted Kaczynski dingfest zu machen, der zwischen 1978 und 1995 16 Briefbomben innerhalb der USA versandte. Während der Profiler neue Wege beschreitet, wirft ihm ein über-bürokratisches FBI nur Knüppel zwischen die Beine und kommt nicht gut weg dabei. Die erste Staffel ist der Auftakt zu einer Anthologie von berühmten Kriminalfällen, die jeweils in einer separaten, abgeschlossenen Staffel behandelt werden sollen. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mindhunter (Wiki): 1977: Die Kriminalpsychologie steckt noch in den Kinderschuhen. Zwei FBI-Agenten beginnen quasi in ihrer Freizeit, zuerst noch im Alleingang und mit viel Enthusiasmus, in den Gefängnissen des Landes Serienmörder zu befragen, um so allgemeine Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu ziehen. Das Wissen dieser neuen Wissenschaft soll helfen, aktuelle Serienmorde aufzuklären. Die Serie bekam 96% bei Rotten Tomatoes. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Comedy

Patriot (Wiki): Unser melancholischer Held, der lieber klampft statt kämpft, soll undercover mit einer Rohrfirma nach Luxemburg reisen um dort mittels der Übergabe von zwölf Millionen Euro die Geschicke im Iran so umzulenken, dass dort der für Amerika genehme Präsident an die Macht kommt. Leider gelangt das Geld immer wieder in die falschen Hände, während sich das Netz der Luxemburger Polizei enger und enger zieht, Iraner und brasilianische Ringer die Beute umkreisen wie Geier und die Kollegen der Rohrfirma nach und nach -- quasi als Roadkills -- auf der Strecke bleiben. Grandios. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2015)

Haters back off (Wiki): Schriller Quatsch um die hart verblödete und dramatisch unbegabte Sängerin Miranda (verkörpert von youtube-Star Colleen Ballinger), die sich auch dank der aufopfernden Unterstützung ihres mit geistigen Gaben nicht allzu gesegneten Onkels für eine große Nummer hält. Mit dem Youtube-Channel "Miranda sings" soll der große Durchbruch gelingen. Hier geben die ironischen Kommentatoren den Haters die Klinke in die Hand, aber all das wird nur als Zeichen frühen Ruhms angesehen. Zum Totlachen, ist aber nur in kleinen Dosen zu genießen. 16 Folgen in 2+ Staffeln (EA: 2016)


Dramedy

Atypical (Wiki): Der 18-jährige, autistische Sam Gardener möchte die Liebe finden und verkuckt sich erst einmal in seine Therapeutin. Seine Eltern und seine Schwester geben ihr Bestes, doch alle lassen Federn, wachsen aber auch über sich hinaus. Bittersüße coming-of-age Dramedy, nicht zu ernst, nicht zu viel Tiefgang, TV-Dinner-tauglich. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Mystery

Dark (Wiki): Erste Netflix-Serie, die komplett in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde. In der (fiktiven) waldumstandenen Kleinstadt Winden steht ein Atomkraftwerk. Seit drei Generationen verschwinden in der Stadt immer wieder Kinder, deren Verschwinden niemals aufgeklärt wurde. Der Hauptprotagonist ist der fast erwachsene Schüler Jonas, der nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie aufgrund des Selbstmordes seines Vaters wieder in die Stadt zurückkehrt. Urst finstere Zeitreise-Mystery. IMDb wertet die Serie mit 8,8 von 10 Punkten. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


SF

Star Trek: Discovery (Wiki): Die Serie spielt 10 Jahre vor Kirks "Raumschiff Enterprise" in der Original-Zeitlinie des Franchise. Die von Vulkaniern erzogene, menschliche Sternenflottenoffizierin Michael Burnham kennt sich bereits mit Klingonen aus, als sie auf der USS Shengzhou eine folgenschwere Entscheidung gegen den ausdrücklichen Befehl ihres Captains fällt -- um einen Krieg Sternenflotte vs. Klingonen zu verhindern. Die aufgrund dieses fast schon antiken Dilemmas in Ungnade Gefallene ist aber dadurch genau die Richtige, um auf der geheimnisvollen USS Discovery ihren Dienst unter dem noch geheimnisvolleren Captain Gabriel Lorca anzutreten. Arg schrundige Klingonen. Not bad, erstmal. 9 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mars (Wiki): Im Jahre 2033 startet in dieser Doku-Drama-Miniserie die Daedalus mit ihrer sechsköpfigen, internationalen Besatzung zum Mars, als Vorhut einer Besiedelung des Roten Planeten. Doch bei der Landung geht einiges schief, die Landezone wird verfehlt und der Captain schwer verletzt. Während die Besiedlung des Mars in kleinen Schritten und Rückschritten voranschreitet, gibt es immer wieder Rückblenden auf die Gegenwart und es kommen Forscher, Idealisten und Pioniere zu Wort. SF-Infotainment. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)

Die gute Nachricht: "Black Mirror" (Wiki) Staffel 4 startet ab 29.12. (nun von Netflix produziert), klasse Rezension & Trailer schon jetzt auf Wired.


Superhelden

The Tick (Wiki): In "der Stadt" sind Superhelden und auch Superschurken ganz normal. Arthur, ein nerdiger Bilanzbuchhalter wurde als Kind Augenzeug, wie sein Vater durch das Auftauchen von "The Terror" ums Leben kam. Doch nun ist der Superschurke angeblich tot. Besessen von dem Gedanken, dass "The Terror" in Wirklichkeit noch am Leben ist, nimmt er seine dilettantischen Untersuchungen auf. Plötzlich findet er sich unfreiwillig als Sidekick an der Seite des schrulligen "The Tick" wieder, einem nahezu unzerstörbaren Superhelden im blauen Insekten-Anzug. Sehr, sehr witzig. Absolut großartig ist Schauspieler Jackie Earle Haley (Watchmen's Rorschach) als Überschurke. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)


Tipp zur Weihnachtszeit: kontrapunktivisch zu "Schalalala" und "Last Christmas" empfehle ich zum Hören den Soundtrack von "Mr Robot" (Spotify). (Wiki)



Samstag, 9. Dezember 2017

Mein erfolgreichster Baumarkt-Besuch seit drei Jahren

photo credit: essenstweet Frikadellenbrötchen @ Residenz Kino via photopin (license)

Den BAUHAUS-Baumarkt in Münster mit seiner 20.000 m² Verkaufsfläche betrat ich nur, weil ich seine Kundentoilette besucht habe.
Yay! Das war mein erfolgreichster Baumarkt-Besuch seit drei Jahren! — Kein „die-Hacken-ablaufen“, keine Suche nach dem einen zuständigen Mitarbeiter, keine 1,75 Regalkilometer voller in Asien zusammengeklopptem, minderwertigen Tand zu überteuerten Preisen. Einfach nur „easy in, easy out“.
Naja, fast.
Am Ausgang gab’s eine im Baumarkt eingezeckte Bäckereifiliale (eine "Aufbäckerei"), ist ja modern, dieses Shop-in-Shop-Gedöns. Der Bäckereitresen war mindestens acht Meter lang. Ich machte einen Schritt darauf zu und löste damit versehentlich bei einer der Bäckereifachverkäuferinnen eine Art Annäherungsalarm aus. Sie federte hinter dem Tresen hoch wie an einer Mechanik befestigt. Ihre Augen fixierten mich, sie fasste mich mit einem Blick wie der RIDGID Parallelschraubstock „Matador“ mit einer Backenbreite von 120 mm, den es irgendwo schräg hinter ihr in 550 m Luftlinie zu erwerben gab. Ich hatte von der Auslage ja bereits einen stolzen 20 cm-Ausschnitt begutachten können! Eigentlich hätte ich gerne mal wenigstens fünf Sekunden lang geschaut, was es überhaupt im Angebot gab!
„Was kann ich für Sie tun?“, plärrte sie in der Stimmlage eines preußischen Feldwebels und ließ mich keine Sekunde aus den Augen.
Meine Herren!
„Ich habe keinen Schimmer, was sie so verkaufen!“, mopperte ich.
„Nehmen S‘e ‘n Frikadellenbrötchen mit Krautsalat!“, befahl die Fachkraft.
„... O.K.!“
War übrigens ‘ne Top-Entscheidung.

Fazit: Wenn man den Baumarkt gar nicht betritt, sondern nur den Parkplatz und die Toilette benutzt, vielleicht noch von einer Shop-in-Shop-Bäckerei-Fach-Domina das Richtige aufs Auge gedrückt bekommt — wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann sollte man ganz schnell sehen, dass man Land gewinnt.
Besser wird es hier nicht mehr.


Donnerstag, 7. Dezember 2017

Queen Mom 30 — Tempo-räre Erbmasse

photo credit: Hans-Michael Tappen Archiv C685 "Hell fließen die Tränerl", Karte (front), 1905 via photopin (license)

Meine Mutter Queen Mom lebte von 2013 an bis 2014 im Johanniter-Altenheim.
Wann immer mein Bruder, TW oder ich zu Besuch kamen, fragten wir, was wir ihr beim nächsten Mal mitbringen sollten. Die Antwort fiel nach kurzem Überlegen immer gleich aus: „Och, Tempo-Taschentücher!“
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin. Wir Verwandten brachten fein Woche für Woche unsere Großgebinde Tempos mit. Das Johanniter-Altenheim bekam einen Anbau. Das Johanniter-Altenheim bekam einen weiteren Anbau. Meine Mutter verstarb. Mein Bruder und ich saßen mit der Heimleitung Frau Birte Schweineweich-Przybicky in ihrem Büro und besprachen die Auflösung des Zimmers meiner Mutter.
„Wir nehmen dann jetzt alles mit“, sagten wir.
„Haben Sie einen Tieflader dabei?“, fragte Frau Schweineweich-Przybicky humorlos.
Wir verstanden nicht. Frau Schweineweich-Przybicky stand wortlos auf, strich ihren Rock glatt und führte uns zum neuen „Lager-Anbau I“. Der 15 x 12 m umfassende Innenraum war bis zur Decke hoch mit Tempo-Taschentüchern gefüllt.
Wir Geschwister bekamen Augeninnendruck.
„Anbau II ist nur zu einem Drittel voll“, beruhigte sie uns.

Mein Bruder und ich beschlossen, unser Erbe geschwisterlich untereinander aufzuteilen.
In einer Nacht- und Nebelaktion, in der ein arg zweckentfremdeter Ziehharmonika-Linienbus namens „Sonderfahrt“ *zwinkerzwinker* und die Sieben Zwerge eine Rolle spielten, verschaffte ich mein Erbteil nach Wuppertal. Der Dachboden unseres Mietshauses, den ohnehin nie jemand verwendete, war plötzlich zu 100% wärmeisoliert, dito unser kompletter Keller. In unserer Wohnung gab es keine Schublade oder Ritze, die nicht von Tempotaschentüchern übergequollen wäre. Die Tempopackung in meiner Hemdtasche trug etwas auf.
„Wir brauchen nie wieder Taschentücher kaufen!“, freute ich mich.
„Och, Quatsch!“, sagte die beste Ehefrau von allen, „Sowas sagst du doch ständig, und dann hält es nicht mehr lange.“
Ich kicherte etwas irre vor mich hin.

Der Herbst kam. Die Blätter fielen und die Erkältungssaison war eröffnet.
„Hatschu!“, sagte die Gattin, nahm ein Tempo, schneuzte hinein und warf es weg.
„Gesundheit!“, sagte ich.
Es wurde März.
„Bringst du bitte Taschentücher vom Einkaufen mit?“, bat sie.
Mir wurde schwarz vor Augen.
Es war wohl dank meiner besseren Hälfte doch nur eine Tempo-räre Erbmasse gewesen.

Donnerstag, 30. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (5): "Skandal" bis "Zu guter letzt: Fazit"

photo credit: Eichental Tünnes und Schäl via photopin (license)

Skandal


Skandal "R" us.
Googlet man Köln Skandal, bekommt man knapp über eine halbe Millionen Treffer (das sind 0,5 Skandale pro Kölner 😊). Es geht um etliche Spendenaffären, SEK- und Polizeiskandale, Messe-Skandal, Flughafen-Skandal, Müll-Skandal, Blitzer-Skandal, natürlich diverse Bauskandale, sogar ein "Forensik-Sex-Skandal" ist mit von der Partie.
Aber die schlechte Presse hat Köln einzig den Medien zu verdanken! Denn eigentlich läuft in der Domstadt doch immer alles "wie geschmiert": Eine Hand wäscht die Andere und kein Problem, das sich nicht wegklüngeln ließe. Allein deshalb hoffen so viele Kölner auf den eisernen Besen der parteilosen OB Henriette Reker, die ganz unvorbelastet an die Sache herangehen kann.
Also ganz theoretisch.


Stapelrecht

Ein Grundpfeiler Kölner Größe.
1259 gewährte Konrad von Hochstaden der Stadt Köln das so genannte Stapelrecht, ein außergewöhnliches Privileg: „Keiner der (...) Kaufleute, der mit (...) Waren an den Rhein kommt, [darf] über Köln hinaus weiterziehen (...).“ Es handelte sich um ein "Zwangsrecht": Fremde Kaufleute waren also gezwungen, in Köln ihre Waren auszuladen und drei Tage lang den Kölnern zum Verkauf anbieten. In dafür vorgesehenen Kaufhäusern im Gürzenich oder im Fischkaufhaus (am Platz des heutigen Stapelhauses), teilweise auch an den Kais, wurden die Waren gelagert, gewogen oder gemessen und mit Abgaben belegt -- eine wichtige Einnahmequelle. Vom Stapelrecht profitierte fortan vor allem der Kölner Zwischenhandel, (…) Köln wurde geradezu zur Drehscheibe europäischer Warenströme, der Stapel war bis in die frühe Neuzeit die Grundlage der städtischen Wirtschafts- und Finanzkraft. (vgl. Quelle)


Tünnes & Schäl

Rheinisches Yin und Yang.
Tünnes und Schäl sind Figuren aus dem Hänneschen-Puppentheater. Kohlbauer Tünnes (von "Antonius"), ein rustikal-knollennasiger Typus, mit blauem Kittel und roten Haaren, steht für den die gewitzt-bäuerlichen Wurzeln der Kölner Bevölkerung von Anno Dazumal. Schäl der Schielende, immer im Frack, wird schlitzohrig, listig und sogar hinterhältig dargestellt, er steht für das Bürgertum der Domstadt. Hinter der vordergründigen Schlichtheit der Protagonisten findet sich, während sie sich gegenseitig versuchen über den Löffel zu balbieren, eine feinsinnige Tiefgründigkeit -- Tünnes und Schäl sind das Rheinische Yin und Yang. Obwohl es die beiden nie gegeben hat, gelten sie als Kölner Originale, zu denen normalerweise nur reale Personen gerechnet werden. Den Beiden wurden in Köln einige Denkmäler errichtet, das Letzte vom Kölner Bildhauer Wolfgang Reuter im Jahre 1974. (Vgl. Link)


Ubier

Barbaren, die sich kämmen.
Julius Cäsar, Namensgeber des Monats Juli, bezeichnete den Germanenstamm der Ubier als einzige als "zivilisiert". Die Ubier stellten für die Römer im unwegsamen Gestrüpp die Fremdenführer, zahlten artig ihren Tribut und stellten auch dem römischen Heer Reiterei-Hilfstruppen zur Verfügung. Den anderen, noch ungekämmten, "wilden" Germanenstämmen, war solches natürlich ein Dorn im Auge: "Was zivilisiert ihr Euch?", mag man den Ubiern verständnislos und mit krassem Dialekt entgegengebrüllt haben. Wegen diesem Zuviel an Zivilisiertheit wurden die Ubier von den anderen Stämmen nicht nur gehänselt, sondern sie gerieten recht prekär zwischen die Fronten, sodass sie 19/18 v. Chr. von den Römern ins Linksrheinische umgesiedelt werden mussten, und zwar in die Gegend des heutigen Kölns in die Oppidum Ubiorum.
Heute erinnert im Köln noch der Ubierring an sie.


Hl. Ursula von Köln

11.000-faches Gemeuchel an Märtyrer-Jungfrauen.
Im vierten Jahrhundert n. Chr. zog der Sage nach die bretonische Prinzessin und religiöse Eiferin Ursula mit 11.000 Jungfrauen gen Rom, ein Deal, den sie mit ihrem heidnischen, englischen Verlobten ausgehandelt hatte. Da man in Rom mit enthaltsamen Jungfrauen überhaupt nix anzufangen wusste, entsandte man die Spaßbremsen nach Köln, vielleicht, um sie mit →Kölsch, Schunkeln und Bützen gefügig zu machen wie alle anderen dort. Doch ach! In Kölle war gerade gar kein →Karneval, denn die Stadt wurde justament von den Hunnen belagert, den Orks der damaligen Zeit. So wurden die Damen samt & sonders gemeuchelt, außer et Ursel, denn der Prinz der Hunnen hatte ein Auge auf die Bretonin geworfen und ihr die Verschonung durch Heirat angeboten. Doch der Dame, die vermutlich knöcheltief im Blut ihrer Gefolgsfrauen stand, hatte den Kaffee auf, war ja auch schon mit einem anderen Heiden verlobt und tendierte auch ganz allgemein zur Keuschheit -- so lehnte sie dankend ab. Ein Pfeil setzt ihrem jungen Leben ein Ende. So wurde eine Prinzessin von Außerhalb durch den Mord durch einen Unhiesigen schwupps! zur Heiligen Ursula von Köln.
Siehe auch →Reliquien, →Stadtwappen.


Veedel

Köln besteht aus neun Stadtbezirken und 86 Stadtteilen, Veedel (Viertel) genannt. Zu →Karneval finden hier die Veedelsumzüge statt.


Verkehr

Alle außer Jason Statham machen in Köln besser Park & Ride.
Kölner erklären den Verkehr in Köln immer über "die Ringe", sie malen einem dann etwas Abstraktes auf eine Serviette brabbeln dazu in einer Tour. "Ist ganz einfach", kommt mindestens auf sechs Nennungen, nur doof, dass man als Nicht-Kölner nix rafft. Fakt ist: Wenn man als Nicht-Kölner in Köln ohne Navi mit dem Auto unterwegs ist, ohne jemals mehrere Jahre als Taxifahrer in Kölle sein Brot verdient zu haben, dann ist man am Arsch (siehe Blogbeitrag). Hat man ein Navi, dann ist es nur mäßig schlimm. Das liegt daran, dass, wenn das Navi sagt "In 300 m links abbiegen", dann haben die einheimischen Linksabbieger leider bereits 330 m der Linksabbiegespur so dicht besetzt, dass kein Telefonbuch mehr dazwischen geht. Und Landeier lassen Kölner schon aus Frack nicht rein, schon gar nicht die mit GM-, BM- und W-Kennzeichen.
Der Kölner Autofahrer an sich tritt beherzt aufs Gas, 70 innerstädtisch geht immer. Den halben Kilometerstand hat der Kölner mit Fahren von hier nach da zusammenbekommen, die andere Hälfte stammt vom Parkplatzsuchverkehr. In der Regel parken Kölner ca. 2 km Fußweg von ihrer Wohnung entfernt. Sollte sich doch einmal ein Parkplatz direkt vor der Haustür finden, dann quetschen sie sich schief hinein und fahren nie wieder weg.
Selbst in nichtswürdigen Nebenstraßen kosten Parkuhren gerne 6,00 EUR/Stunde.
Die Kölner Radfahrer sind die Anarchisten im Kölner Straßenverkehr: Verkehrsregeln werden vom Kölner Radfahrer nicht einmal ignoriert.
Der Kölner Fußgänger ist das singende, taumelnde Plankton der Straßen.
Gründe für Staus gibt es immer: Wenn nicht gerade →Karneval ist, dann ist Demo und/oder →FC/Haie/Konzert und/oder Feierabendverkehr (Mehrfachnennungen möglich).
Wie gesagt: Alle außer Jason Statham machen in Köln besser Park & Ride.


Zoo

Check! Einen Zoo gibt es auch.
"1988 reißt der 200 Kilogramm schwere Grizzlybär "Karl-Josef I.", benannt nach dem Karnevalsprinz Karl-Josef Kappes, einen Baum in seinem Freigehege um" (Quelle).
Bemerkenswert: Im Kölner Zoo werden Tiere nach Karnevalsprinzen benannt.
Das gibt es nur in Kölle.




zu guter Letzt: FAZIT

Die Römer bauen im Jahre 310 die erste Rheinbrücke. Dann passiert länger nichts. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 882 zwingen die Wikinger die Stadt via Brandschatzung, auch mal für eine Stadtbefestigung zu sorgen. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. Durch die beiden milliardenschweren Fantasy-Franchises "Heilige drei Könige" und "Ursula und ihre 11.000" kommt Geld und Reichtum in die Stadt, ebenso durch das Stapelrecht. Die Kölner ruhten sich erst einmal auf ihren Pfründen aus, da reichte auch ein nur in Teilen fertiggestellter Dom. Der Franzos sorgt ab 1794 in Köln für Hausnummern, Straßenbeleuchtung und eine organisierte Müllabfuhr. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 1859 bauen die Preußen den Kölnern die erste feste Rheinbrücke seit der Römerzeit und organisieren den Rosenmontagszug. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 1880 wurde der Dom durch preußische Hilfe nach 632 Jahren Bauzeit endlich fertiggestellt. Die Kölner ... usw.

Wann immer dem Kölner von außen völlig unverdient Gutes widerfährt, dann klammert er sich mit Inbrunst daran fest und lässt es nicht mehr los. Von da an ist es "sein" Stapelrecht, sind es "seine" Ringe, ist es "sein" Dom, "sein" Rosenmontagszug usw.

DAS WIKLICH, WIRKLICH EINZIGE, WOMIT DIE KÖLNER ÜBERHAUPT NICHT KLAR KÄMEN, DAS WÄRE IHR KÖLLE OHNE KARNEVAL.



+++ Download von "ru24 Special: KÖLN VON A-Z (komplett)" als pdf +++
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Sonntag, 26. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (4): "Oper" bis "Stadtwappen"

SCHÄDEL-RELIQUIE, photo credit: sybarite48 Chauvigny (Vienne) via photopin (license)

Oper

Hochkultur I: Im Chaos versunken.
2006 entschließt sich Köln zum Neubau der Oper mit einem Budget von 230 Millionen Euro. Da man die tatsächlichen Baukosten aber auf 355 Millionen schätzt, wird erst einmal alles gestoppt. Nun entscheidet sich der Rat für die abgespeckte Version "ohne Fähnchen" -- für kostengünstige 295 Millionen. 2010: Ein  Bürgerbegehren will aus Frack einen Neubau verhindern, der Bau verzögert sich. 2014 merkt man, dass das ambitionierte Bauvorhaben völlig überraschend teurer wird. Grund: Alles wird immer teurer. 2015: Der Wiedereröffnungstermin 07.11.15 wird nur sehr knapp verfehlt, man visiert nun die nächste Spielzeit an. Wie beim BER gibt es nun spontan ein Problem mit der Hauselektrik und den Entrauchungsanlagen, die Stadt trennt sich vom dafür zuständigen Ingenieurbüro. Die Kosten steigen auf über 480 Millionen. Der Wiedereröffnungstermin zur Spielzeit 2017/2018 wird sehr, sehr knapp verfehlt. Vier Bauunternehmen verlassen in der Zwischenzeit überhastet das sinkende Opernschiff.
Stand 2017: "Baustaub, nackter Beton, überall Kabel, es wird seit fünf Jahren saniert, fertig ist noch lange nichts. Erst Ende 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, bei Kosten von über einer halben Milliarde Euro. Die Baustelle ist derweil im totalen Chaos versunken." (vgl. Quelle)
Das Teil kostet am Ende knapp soviel wie die ikonische Hamburger Elbphilharmonie, wird aber leider von Außen nur ein kauziger Klotz mit dem brutalistischen Charme eines 60er-Jahre-Hochhauses werden.


Philharmonie

Hochkultur II: Heinrich-Böll-Platz -- Betreten verboten
"Wegen störender Geräusche darf der Platz über der Kölner Philharmonie etwa 1.000 Mal im Jahr nicht betreten werden. Bei Konzerten, Proben oder Aufnahmen werde der Heinrich-Böll-Platz seit 1999 durchschnittlich drei Mal am Tag gesperrt, sagte eine Sprecherin der Stadt. Der Einsatz von Wachpersonal für die Sperrung koste jährlich 100.000 Euro, die aus dem Topf der von der Stadt bezuschussten Philharmonie stammten. Die Sprecherin betonte, eine nachträgliche Schall-Isolierung mit Neugestaltung und komplettem Ersatz des jetzigen kleinteiligen Pflasters koste mehr als zehn Millionen Euro. Das will die Stadt nicht aufbringen." (Quelle)
Und ist es nicht Wahnsinn, so hat es doch Methode.


Preußen ante portas

"Soldatengeist" meets "lauen Charakter"
1815 fielen das Rheinland und Westfalen an die Preußen. Denen waren die Rheinländer aufgrund ihrer frankophilen Ader suspekt (vgl. Quelle). Und der →Karneval mit seinen ungezügelten Ausschweifungen war ihnen eine „anomalische, in polizeilicher Hinsicht bedenkliche Volkslustbarkeit“ (Quelle). Mit dem chaotischen Karnevalstreiben räumten die Preußen gründlich auf: Ein Festordnendes Komitee wurde ins Leben gerufen. Der erste „geordnete“ Rosenmontagszug fand erstmals 1823 statt. Durch die Besetzung der Preußen vollzog sich eine Militarisierung der Stadt. Köln wurde zur größten Festungsstadt Deutschlands ausgebaut. Um Raum für eine moderne Stadtentwicklung zu schaffen, beseitigten die Preußen den größten Teil der mittelalterlichen Festungsanlegen und schufen die Kölner Ringe.
Den Kölnern eigen war die spürbare Abneigung gegen den „preußischen Soldatengeist“, Bespitzelung, polizeiliche Überwachung, politische Zensur und polizeiliche Willkür.
Der Kölsche Widerstand: In lustigen, bunten Pseudo-Militär-Uniformen zu Tschingbummrassassa „persiflierten und karikierten die in der preußischen Zeit tonangebenden Soldaten durch ihr betont unmilitärisches Gehabe (…). Paraden werden als Tanz dargestellt, wobei die Soldaten ihr Hinterteil aneinander stippen im Stippeföttchedanz.“ (Quelle)
Die Preußen beklagten [im Gegenzug] den „lauen Charakter“ der Kölner und ihre gemächliche Lebensführung sowie das Fehlen ihrer „eigentlichen Tatkraft“ (hier).


Prominente Kölner

Eine Stadt wie Köln bringt natürlich allerlei Prominenz hervor -- von der Mutter Neros bis Dirk Bach ist da quasi alles mit dabei. (Link)


Sehenswürdigkeiten (Auswahl)

11)  Kölner →Dom 
12)  Kölner →Zoo
13)  Römisch-Germanisches Museum
14)  Museum Ludwig
15)  Wallraf-Richartz-Museum
16)  Kolumba
17)  Kölner Seilbahn (Zeit mitbringen! :)
18)  Flora (Botanischer Garten)
19)  Früh
10)  Kölner Altstadt
11)  Melaten-Friedhof
12)  Schiffsrundfahrt auf dem →Rhein
13)  Bier-Esel (ältestes Muschelhaus)
14)  Schokoladenmuseum


Reliquien

Stückwerk.
Im Mittelalter war Köln nach Rom der größte Handelsplatz für Reliquien in Europa. Hier entstand die Legende um die heilige →Ursula, der zuerst tatsächlich zuerst nur elf (11) Gefährtinnen zugeschrieben wurden. Als aber bei der Kirche St. Ursula ein römisches Gräberfeld entdeckt wurde, aus dem man immer neue Gebeine aushob, konnte es sich hierbei ja ganz theoretisch auch nur um gemeuchelte Jungfrauen handeln! Geschäftstüchtig multiplizierten die Kölner Cleverles die Zahl von Ursulas Märtyrer-Jungfrauen, die von Hunnen dahingemacht worden waren, flugs x 1.000, und der Reliquienhandel nahm nie gekannte Ausmaße an. Das Vierte Laterankonzil der Katholischen Kirche wandte sich zwar bereits 1215 allgemein gegen Missbräuche im Reliquienwesen und somit durften Heiligenreste nun nicht mehr ohne Reliquiar (Aufbewahrungs- und Ausstellungsbox) gezeigt und zum Verkauf angeboten werden, aber das trieb nur die Preise nach oben. Die tüchtigen Kölner werden wohl viele Kästchen gebastelt haben in jener Zeit.
Siehe oben im Post eingebettetes Bild eine Schädel-Reliquie.


Rhein

Der Rhein wird vom Kölner benötigt, um rechtsrheinisch/→schäl Sick und linksrheinisch zu unterscheiden, was ohne den Fluß recht schwierig wäre.


Schäl Sick

Die "schlechte, falsche (Rhein)seite".
Eine mögliche Entstehungsgeschichte ist diese: "Der Ausdruck Schäl Sick kommt vom kölschen Wort schäle für „blinzeln“, verwandt mit „schielen“ oder „scheel anblicken“. In früheren Zeiten (...) wurden Kähne, sogenannte Treidelschiffe, von Pferden flussaufwärts gezogen (getreidelt). Die Tiere wurden dabei vom Sonnenlicht reflektierenden Wasser geblendet, sodass sie das andere Ufer nur „erblinzeln“ konnten. Um die Pferde vor Augenschäden durch die Sonneneinstrahlung zu schützen, legte man den Tieren auf der dem Wasser zugewandten Seite Scheuklappen an, wodurch diese die andere Rheinseite gar nicht mehr sehen konnten."
Es ist Tradition in Köln, die rechte Rheinseite zu dizzen: Schon der damalige Oberbürgermeister Konrad →Adenauer bezeichnete die Schäl Sick als 'Sibirien'. Auf einer Zugfahrt soll er bereits auf der →Hohenzollernbrücke die Gardinen seines Abteils zugezogen haben mit dem Kommentar: "In Deutz beginnt der Bolschewismus."(vgl. Link)


Schmitz-Säule

Rückt Ereignisse ins rechte Licht.
Die 4,80 m hohe, quadratische Schmitz-Säule in der Altstadt wurde 1962 von einem Bürger gespendet und 1969 fertiggestellt, was für Kölner Verhältnisse recht rasant ist. Neben allerlei Ereignissen gedenkt die Säule der Mondlandung als zweitwichtigstem Ereignis des Jahres 1969.
Das wichtigste Ereignis 1969 war natürlich... (wait for it)... der →Karneval.


Silvester 2016/2017

Der Kölner an sich rechnet ja nie mit dem Schlimmsten.


Stadtarchiv

Auch acht Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs weiß man nur, dass der Einsturz "irgendwie" mit dem Bau der Nord-Süd-Verbindung der U-Bahn zusammenhängt. 2019 ist der Fall verjährt, dann können alle Beteiligten endlich aufatmen (SPON). In der Zwischenzeit wird ge→klüngelt, was das Zeug hält.

By Stadt Köln (Own work by User:Madden)
[Public domain], via Wikimedia Commons

Stadtwappen, kleines

Oben: Die goldenen Kronen der →Heiligen Drei Könige auf rotem Grund.
Unten: Die elf schwarzen Tropfen oder Flammen (in Köln spricht man von „Tränen“), diese stehen für die Hl. →Ursula und ihr Gefolge.




Stay tuned: Teil 5 erscheint am 01.12.


Dienstag, 21. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (3): "Hilfsbereitschaft" bis "Melaten-Friedhof"

photo credit: Günter Hentschel Bierstöpsel via photopin (license)

Hilfsbereitschaft

Freundliches Völkchen.
Eines Tages fuhr ich mit der U-Bahn vom Ebertplatz aus sonstwohin. Ich war mir unsicher, wann ich wohl aussteigen müsste und fragte einen mir vertrauenswürdig scheinenden Mitpassagier. Direkt hatte ich drei freundliche Kölner an der Backe, die mir versicherten, es seien noch drei Stationen. An der richtigen Station angekommen, machten mich gleich fünf Personen darauf aufmerksam, dass ich JETZT aber mal flugs aussteigen müsse. Wäre ich sitzen geblieben, hätten mich vermutlich sieben nette Kölner aus dem Wagen getragen.
Alle sehr freundlich, sagenhaft!
Fun fact: In Köln kann man sogar Taxifahrer nach dem Weg fragen.


Hohenzollernbrücke

Meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands.
"Mit 1220 Zugfahrten pro Tag ist sie die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands. Das Bauwerk gilt, zusammen mit dem Kölner Hauptbahnhof, als zentraler Engpass im Schienenverkehr in der Region Köln." (Wiki) Na, hey! Läuft! Und wenn man zu den zwanghaften Typen gehört, die ihrer Liebsten zur "ewigen Liebe" (*zwinker-zwinker*) ein Love-Lock (Blogbeitrag) hängen müssen, dann befindet man sich hier mit bereits 2,731 Millionen angebrachten Schlössern in bester, wenngleich nicht allzu origineller Gesellschaft.


Karneval (offiziell)

Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Das offizielle Kölner Karnevalsprogramm koordiniert das Festkomitee Kölner Karneval.
Die Karnevalssession oder die „fünfte Jahreszeit“ wird offiziell am 11. November um 11.11 Uhr auf dem Kölner Alter Markt bzw. Heumarkt eröffnet. Vor mehreren tausend Karnevalsfans treten die bekanntesten Karnevalsmusiker auf, außerdem wird das designierte Kölner Dreigestirns vorgestellt. Von nun an eskalieren die Aktivitäten schrittweise: Nach der noch beschaulichen Advents- und Weihnachtszeit beginnen ab Neujahr die Karnevalssitzungen und -bälle. Büttenredner, Tanz- und Musikgruppen treten auf. Anfang Januar findet die Prinzenproklamation statt. Der Straßenkarneval wird am Weiberfastnacht, also dem Donnerstag vor Aschermittwoch um 11:11 Uhr eröffnet, ebenfalls auf dem Alter Markt. Die Jecken feiern in den Kneipen und Straßen jetzt einfach bis zum Abend des Karnevalsdienstags durch. Am Karnevalssonntag finden die Kölner Veedelszöch statt. Die besten Fuß- und Wagengruppen der →Veedel werden prämiert und dürfen am nächsten Tag sogar am großen Rosenmontagszug teilnehmen, der der offizielle Höhepunkt des Kölner Karnevals ist.
In der Nacht zum Mittwoch werden in den →Veedeln die Nubbel verbrannt, eine mannsgroße Puppe, die symbolisch für die während des Karnevals begangenen Sünden steht.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei. (vgl. Wiki)


Karneval (inoffiziell)

Am Aschermittwoch ist (fast) alles vorbei.
Mittwoch vor Aschermittwoch: Die nicht-karnevalsaffinen Kölner vernageln spätestens jetzt ihre Läden und Wohnungen und kehren der Stadt den Rücken (Link). Die Hardcore-Karnevalisten geben ihre Kinder direkt für eine ganze Woche zur Oma, da man ja nicht riskieren kann, dass die Pänz im Falle permanenter Abwesenheit der Erziehungsberechtigten in der Karnevalswoche verwahrlosen.
Donnerstag vor Aschermittwoch um 11:11 Uhr: Während im Umkreis von 100 km um Köln jetzt in den Firmen die Korken alkoholfreier Sekts an konfettigesprenkelten Büffets mit Mettberg knallen, kippen die Kölner, die ja allesamt frei haben, alles, was Umdrehungen hat, denn es ist wie an jedem Karneval scheißkalt, da helfen Schabau und →Kölsch und was sonst noch kribbelt und dösig macht. Von nun an eskalieren die Aktivitäten schrittweise: Rein in die Kneipe zum Wasser lassen, aufwärmen und wieder nachtanken, bützen und schunkeln, raus auf die Straße, bützen und schunkeln usw., das Ganze ad infinitum. Dazu spielt es volkstümliche Karnevalslieder à la "Echte Fründe", "Superjeilezick", "Drink doch ene met", "Mer losse d'r Dom en Kölle", "Ich ben ne Räuber", "Die Karawane zieht weiter" (Link) usw., das Ganze ad infinitum. Während der Pegel steigt, kommen sich z.B. der "Verrückte Hutmacher" (Marvin) und "Wonderwoman" (Leonie) -- die natürlich beide getrennt vom eigenen Partner losgezogen sind und sich vorher gar nicht kannten -- gerne auch mal etwas näher. Noch näher. Gegebenenfalls auch viel näher. Es wird Nacht. Auf den Straßen sammeln sich neben dem Müll die Schnapsleichen und es wird wildgepinkelt. Desorientierte Personen, zumeist Karnevalstouristen von Außerhalb stolpern herum und suchen ihre Polinten (Handy, Portemonnaie, Schlüssel), die Freundin oder den Nachtbus.
So geht das tagelang.
Nachdem die Nubbel in den →Veedeln verbrannt sind, ist ja quasi nie nix passiert in Köln...
Im Falle hämmernder Kopfschmerzen wirft man ein paar Migräne Kranit ein und gegen das Brennen im Schritt hilft ein Breitbandantibiotikum. Für den Schwangerschaftstest gilt: Ein positives Testergebnis kann ab dem zweiten Tag nach dem Ausbleiben der Periode als gesichert angesehen werden (vgl. hier).
Am Aschermittwoch ist (fast) alles vorbei.


Kirche

Was Krupp in Essen ist die katholische Kirche in Köln.
Das Erzbistum Köln hat sa-gen-haf-te 3,5 Milliarden € (das sind übrigens 3.500 x 1 Millionen €) in seinem Dagobert-Duck-Geldspeicher, Tendenz steigend. (Quelle)


Klima

Was für Sittiche.
Köln ist geografisch fein eingekuschelt, sodass das schlimme Wetter der Eifel oder des Bergischen Landes hier wie ein schlechter Scherz wirken. Im Winter ist es in Köln gerne mal minimal regnerisch und auch mal ein bissi neblig, während am nahen Leverkuser Kreuz die Schneepflüge sich in Schneewehen festfahren. Schneit es dann doch mal ausnahmsweise in Kölle -- oh weh!, dann schiebt man das Zeug ein wenig hin und her, an den verantwortlichen Stellen nuschelt man "Et kütt wie et kütt" und "Et hätt noch immer jot jejange" und lässt wie immer den Lieben Gott einen guten Mann sein. Dann stapft der Bürger in den Nebenstraßen halt mal zwei Wochen lang durch den über-knöchelhohen Matsch.
Aber wie sehr die Stadt von der Sonne beschienen ist, zeigt, dass lärmende Schwärme wilder Papageien (Halsbandsittiche) in Köln als "Plage" gelten.


Klüngel

Man kennt sich, man hilft sich.
Filz und Korruption gibt es in jeder Stadt. Aber das sind so häßliche Wörter. Köln hat den Klüngel. →Adenauer fasste den Kölschen Klüngel so zusammen: „Man kennt sich, man hilft sich“. Es geht um ein Netzwerken der Parteien und Entscheidungsträger bei einigen Stangen →Kölsch: In Köln klüngelt die CDU sogar (im Verborgenen) mit der Linkspartei. Diese Gefälligkeits-Netzwerke lohnen sich für alle Beteiligten, denn Schlampereien lassen sich auf diese Art & Weise sehr elegant unter den Teppich kehren oder versinken schlicht im Polit-Sumpf.
Die neue, parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat dem Klüngel den Kampf angesagt. Das klappt nicht auf Anhieb: (Link). Ob sie schon bei ein paar Herrengedecken sondierende Einzelgespräche mit den Betreffenden geführt hat, ist nicht bekannt.


Kölsch (Bier)

Stangenware.
Diese Bierspezialität darf "nur in Köln und der näheren Umgebung hergestellt werden. Das obergärige helle, hochvergorene, hopfenbetonte, blanke (klare) Vollbier darf nur in der Kölner Stange serviert werden." (Wiki) Für Außenstehende scheint der Kölner sein Bier aus Reagenzgläsern zu trinken. Dabei geht es dem Kölner um die Frische des Bieres: Einen großen Schluck und einen kleinen, dann bringt der Köbes, der kölsche Kellner, schon wieder ein neues Glas, das geht hier zack-zack. Schales Bier kennt der Kölner nur aus Gruselgeschichten, in denen es um Alt, Pils und Hefeweizen geht.
Für Fans: Der Früh-Fanshop "Em Golde Kappes" (Im goldenen Kohl) hat von 11.00 Uhr bis 24.00 Uhr geöffnet -- für den Erwerb von (vorwiegend flüssigen) "Last-Minute-Geschenken".


KVB

"Komme vielleicht bald"
Wie die meisten Verkehrsbetriebe (außer der Schweizer Bahn, die ist pünktlich, sauber, freundlich UND preiswert: hier) sieht sich auch der KVB ständiger Kritik ausgesetzt. Täglich fahren mit den Bussen und Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe rund 900.000 Menschen, das macht gut 276 Millionen Fahrgäste im Jahr, Tendenz steigend. Bei Umfragen mangelt's an Pünktlichkeit, Sauberkeit, Freundlichkeit, aber hey: anders wär's doch auch gruselig! ;) Im Grunde sind die Kölner mit einem KVB, der um die Schulnote 4 herum bewertet wird, ganz zufrieden (Yelp).
Positiver Ausblick: Dafür, wenn's mit der Warterei mal wieder länger dauert, hat der KVB Leihfahrräder im Programm, die erfreuen sich so großer Beliebtheit, damit schafft man es sogar bis nach Kopenhagen... (Artikel)


Melaten-Friedhof

"Wat fott es es fott"
Der Melaten-Friedhof ist der Zentralfriedhof von Köln. Angefangen hatte der Friedhof als "Leprosium", ein Ort außerhalb der Stadtmauern, an dem man Leprakranke und sonstige Aussätzige hin abschob und sammelte, die „Maladen“ (von französisch „malade“, krank). "Im Jahre 1980 unter Denkmalschutz gestellt, ist der Melatenfriedhof heute ein anziehendes Ausflugsziel, vor allem wegen der vielen hier bestatteten Prominenten, der interessanten Grabmäler und des parkartigen Charakters der Anlage, die eine ökologische Nische mitten in der Großstadt ist." (Wiki)


Stay tuned: Teil 4 erscheint am 26.11.


Sonntag, 19. November 2017

Nasenschleimhautpeitsche

photo credit: Flickred! Pink Man via photopin (license)
1989 war "Mauerfall", der Öltanker Exxon Valdez fuhr vor Alaska auf ein Riff und 40.000 Tonnen Rohöl liefen aus, Taylor Swift wurde geboren und Wolfgang Joop fiel nichts besseres ein, als sein chemisches Kampfmittel namens "Joop! Homme" auf den Markt zu bringen (Kampagne: "Real Men Wear Pink"). Diese rosafarbene Nasenschleimhautpeitsche verseucht seitdem die Republik, ein Geruch so undezent wie ein Schlaganfall, so wuchtig wie eine soeben geöffnete, in der prallen Sonne stehende Mülltonne voller verwesender Glitzer-Barbies.
"Der Duft polarisierte und tut dies immer noch. (...) Wer Joop! Homme aufträgt, drückt damit aus, dass er über eine gehörige Portion Selbstvertrauen verfügt." (Quelle)
Ja, gemeint ist hier das "Selbstvertrauen" eines Mannes, der "allahu akbar!" ruft, bevor er sich inmitten einer Gruppe Unschuldiger in die Luft sprengt.
"Grundsätzlich können Sie Joop! Homme auch tagsüber auftragen, wenn Sie zur Arbeit gehen, sofern Sie vorsichtig dosieren. (...) Doch wenn Sie auf engem Raum mit anderen Personen zusammenarbeiten, besteht die Gefahr, dass manche Menschen den Duft etwas zu aufdringlich empfinden. Deshalb eignet sich Joop! Homme in erster Linie als Parfüm für die Freizeit. (s. a.a.O.)
Definiere "engen Raum"... Bei Joop! Homme würde ich schon den Petersdom als beengt bezeichnen. Außerdem möchte ich mir wünschen, dass die "Träger" des "Dufts" ihre Freizeit nicht in der gleichen Stadt wie ich verbringen.
"An heißen Tagen sollten Sie das Eau de Toilette hingegen eher im Schrank stehen lassen. Die Wärme intensiviert nochmals das ohnehin schon starke Aroma. Dafür ist Joop! Homme ein ideales Parfüm für Herbst und Winter." (s. a.a.O.)
Ideal, hm?
Am Sonntag, den 12.11.2017 ca. um 13.30 Uhr entdeckte mein in einer Einliegerwohnung im Parterre lebender Herr Nachbar "Joop! Homme" als "Winterduft" für sich. Meine Nasenschleimhäute degenerierten direkt im ganz großen Stil. Unvorstellbar: der Vogel hat wirklich, wirklich nur gezählte sechs (6) Schritte von seiner Wohnung bis auf die Straße und dennoch gelingt es ihm seitdem täglich, das Treppenhaus bis in den vierten Stock hoch komplett zu durchseuchen!
WTF?

Ich mache mir jetzt immer (wie bei "Das Schweigen der Lämmer") etwas Wick Vaporub unter die Nase, bevor ich in die widerliche Luft des Treppenhauses heraustrete.
Ich hoffe, der Herr Nachbar hat nur eine 30 ml-EdT-Pulle.


Donnerstag, 16. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (2): "Düsseldorf" bis "Heilige Drei Könige"


Köln und Düsseldorf sind wie Villarriba und Villabajo.
Schon seit dem 11. Jahrhundert gibt es Häckes zwischen den beiden Städten Köln und Düsseldorf. Als Düsseldorf dann im 19. Jahrhundert "von den protestantischen →Preußen zur Hauptstadt der Rheinprovinz gemacht wurde und eben nicht das viel größere und bedeutendere [katholische] Köln" (Quelle), waren die Kölner vergrätzt. "Diese Schmach wiederholte sich noch einmal, als die Engländer nach dem Zweiten Weltkrieg Düsseldorf zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen erklärten." (s. a.a.O.)
Der Sage nach gibt es heute schon aus Frack in der ganzen Stadt Köln kein Verkehrsschild, das auf die Existenz der Nachbarstadt überhaupt hinweist. Eigentlich macht das auch nichts, denn niemand in Köln würde sich mit Alt löschen, wenn er brennen würde, das gute, alte "Alaaf gegen Helau" eben, siehe Carolin Kebekus auf youtube.
Die Rache Kölns: Man hat dramatisch bessere Laune als die hochnäsigen Haute-Couture-Nachbarn. Während also in Köln (Villarriba) noch hart gefeiert wird, beschließt man in Düsseldorf (Villabajo) schon Landesgesetze -- sind doch alles Spießer!


Farina

Erste Parfümfabrik der Welt.
Der Italiener Giovanni Maria Farina zog bei seinem bereits in Köln ansässigen Bruder ein und nannte sich von nun an Johann Maria Farina. Im Jahre 1709, bereits 90 Jahre vor "→4711", gründete er in Köln die erste Parfümfabrik der Welt. Damit begann die weltweite Verbreitung des von ihm entwickelten Aqua mirabilis (alkoholbasiertem Duftwasser), welches er zu Ehren von Köln "Eau de Cologne" nannte. Das Wässerchen schlug hohe Wellen und wurde ein riesiger Verkaufsschlager.
EdC diente "neben der Körperpflege zum Parfümieren von Wäsche [ebenso] als „Raumspray“ und Badezusatz, und wurde nicht selten auch getrunken" (vgl. hier). Nicht nur das Bürgertum, sondern auch die Prominenz der damaligen Zeit wie Napoleon und Goethe gehörten zu den begeisterten Kunden.
Es wird bis heute unverändert hergestellt, vertrieben.


FC

Effzeh.
"Am Freitag, den 13. Februar 1948 fusionierten die Spielvereinigung Sülz 07 und der Kölner Ballspiel-Club (KBC) 1901 zum 1. Fußball-Club 01/07 e. V." (Quelle)
1950 überreichte die Zirkusdirektorin Carola Williams bei einer Karnevalssitzung dem FC einen jungen Geißbock mit dem Zusatz, dass es dem Verein noch an einem Glücksbringer fehle. Das Tier wurde nach dem Spielertrainer Hans "Hennes" Weisweiler "Hennes" getauft. (vgl. Wiki) Das Böckchen spricht man lokal übrigens "Böckschn" aus. Mehr dazu: Postillion
1951 und 1961 nahm der 1. FC Köln das Gründungsjahr des KBC zum Anlass, 50. und 60. Geburtstag zu feiern. Dann entsann man sich auf 1948 als eigentliches Gründungsdatum und nahm dieses wiederum zum Anlass, 1998 und 2008 abermals 50. und 60. Geburtstag zu feiern -- Hey! Party geht immer!
Der "Effzeh" krepelt in letzter Zeit (Stand Ende 2017) um den hinterletzten Tabellenplatz herum ("Letzter FC Köln") und war auch zuletzt in der Saison 1977/78 Deutscher Meister, aber what shalls. Dann feiern wir halt 2018 fett den 70. Geburtstag!


Ford-Werke

Größter Arbeitgeber Kölns.
1925 kann →Adenauer die Ford-Werke in Köln ansiedeln. Henry Ford himself reist 1930 für die Grundsteinlegung an. Heute sind die Ford-Werke mit mehr als 18.000 Mitarbeitern Kölns größter Arbeitgeber. In Köln-Niehl ist nicht nur die Europazentrale von Ford, hier wird auch der Fiesta gefertigt (vgl. hier).
Das waren noch Zeiten, als der "Kölsche Manta" Ford Capri hieß.


Franzmann ante portas

Franzosenzeit.
Napoleon annektierte 1801 die linksrheinischen Gebiete Deutschlands, die zuvor durch das revolutionäre Frankreich erobert worden waren. Es begann die Franzosenzeit. Tatsächlich war Köln in der Vergangenheit völlig heruntergewirtschaftet worden und nur durch das →Stapelrecht von 1259 (das war 542 Jahre her!!!) kam noch etwas Geld herein. Modernen Schnickes wie Industrialisierung etc. begegnete man mit gewohntem "Wat soll dä Quatsch?" (→Grundgesetz, Rheinisches). Nun also plötzlich erschien in Form der Französischen Herrschaft überraschend die Moderne in der Stadt. Und auf einmal gab es quasi alles: "Gleichberechtigung der Protestanten, Wohnrecht für Juden, Einführung von Hausnummern, Organisation von Straßenbeleuchtung und Müllabfuhr, Niederschrift der Gesetze und eine Säkularisation des Kirchenbesitzes als Grundlage für die Industrialisierung." (vgl. Quelle)
Hey! Wann immer dem Kölner völlig unverdient Gutes einfach so in den Schoß fällt, dann kommt er extrem gut klar damit. Kaiser Napoleon wurde 1804 und 1811 bei seinen Besuchen der Stadt begeistert empfangen.
Aber leider geht alles Gute auch einmal zu Ende. 1815 marschierten die Preußen in Köln ein.


Geschichte arg zusammengedampft

Von der Ubier-Siedlung zur Millionenstadt.
Die lokalen Barbaren machen den Römern in Germanien arg viel Scherereien, nur der Stamm der →Ubier bietet sich dem Imperium Romanum als Fremdenführer an, weswegen sie „nicht allzu gut gelitten“ sind unter Germanen, sodass man sie in das Gebiet des heutigen Kölns in die Oppidum Ubiorum umsiedeln muss. Diese Siedlung wird mit der Gründung der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium", die man praktischerweise mit "CCAA" oder schlicht "Colonia" abkürzte, im Jahr 50 n. Chr. zur Stadt erhoben. Um etwa 80 n. Chr. erhält die Stadt mit der Eifelwasserleitung einen der längsten römischen Aquädukte überhaupt.
Im Frühmittelalter wird Köln Residenzstadt und nach ca. 800 ist der (Erz)bischof von Köln eine der bedeutendsten Personen im Reich. 882 kommt eine Wikinger-Raubhorde auf drei Schiffen den →Rhein heruntergefahren und brandschatzt die Stadt, nachdem man den geforderten Tribut in Silber nicht aufbringen kann. Daraufhin verstärkt man die Mauern der Stadt, was von da an optimal gegen Wikinger hilft. Im Hochmittelalter ist Köln mit etwa 40.000 Einwohnern größte Stadt des deutschsprachigen Raums und bekommt 1180 die damals längste Stadtmauer überhaupt (7,5 km). 1259 erhält Köln das Stapelrecht, welches den Kölner Bürgern ein Vorkaufsrecht aller auf dem →Rhein transportierten Waren sichert und so sehr zum Wohlstand der Stadt beiträgt.
1794 ziehen französische Truppen in die Stadt ein, sie wird kampflos übergeben. In der Stadt lebende Juden und Protestanten werden der übrigen Bevölkerung gleichgestellt. Der die Stadt besuchende Kaiser Napoleon wird 1804 und 1811 begeistert empfangen.
1815 wird, als Ergebnis des Wiener Kongresses, das Rheinland mit der Stadt Köln Teil des Königreichs →Preußen. Auf Drängen der preußischen Verwaltung gründet sich das Festkomitee Kölner →Karneval als ein "das Fest ordnendes Komitee". Der erste kontrollierte Kölner Rosenmontagszug findet 1823 statt. 1841 stößt der König von →Preußen die Fertigstellung des Kölner →Doms an. Von 1855 bis 1859 wird die Dombrücke errichtet, die erste feste Rheinbrücke seit der Römerzeit. 1880: Der →Dom wird wirklich fertiggestellt.
1925 kann →Adenauer die →Ford-Werke in Köln ansiedeln.
1933 ff. Die bekloppten Nazis haben wie immer nichts Positives beigesteuert.
1940-1945 Zerstörung von 90% der Stadt durch Flächenbombardement der Alliierten, der →Dom wird schwer beschädigt, die gezählte Bevölkerung sinkt auf knapp über 100.000 Einwohner.
1964 Der 1. →FC Köln wird erster Deutscher Meister in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.
1969 Ferigstellung der →Schmitz-Säule.
1975 wird Köln neben West-Berlin, Hamburg und München zur vierten Millionenstadt Deutschlands.
(Mehr: lesenswerte Serie auf RP online hier)


Grundgesetz, Rheinisches

Von wegen "philosophischer Ansatz".
Der gebürtige Südtiroler und Bonner Bürger Konrad Beikircher verfasste im Jahre 2001 das Buch "Et kütt wie‘t kütt – Das Rheinische Grundgesetz" (Kiepenheuer & Witsch, Link). Hier greift Beikircher fünf rheinische Lebensweisheiten auf, die der Rheinländer (und vor allem der Kölner) zum "philosophischen Ansatz" hochstilisiert, das aber in tatsächlich lediglich die eigene Unfähigkeit kaschieren soll:
  • Artikel 1: Et es wie’t es
  • Artikel 2: Et kütt wie’t kütt
  • Artikel 3: Et hätt noch immer jot jejange
  • Artikel 4: Wat fott es es fott
  • Artikel 4a: Kenne mr nit, bruche mr nit, fott domet!
  • Artikel 5: Wat soll dä Quatsch?
  • Artikel 5a: Wer weiß, wofür et jot es (Quelle)


Heilige Drei Könige

Gehypte Gebeine.
Im Grunde sieht man sie vor sich, die Silhouetten vor einem Nachthimmel: Drei auf Kamelen reitende Könige aus dem Morgenland mit ihren Geschenken dem Stern folgend. Im neuen Testament (und auch nur bei Matthäus) wird lediglich von Magiern gesprochen, die freundlich mit "Weisen aus dem Morgenland" übersetzt wurden, ihre Anzahl und ihre Namen wurden gar nicht genannt. Im dritten Jahrhundert begann eine umfangreiche Legendenbildung und bereits ein paar hundert Jahre später bekamen die mittlerweile zu Königen avancierten Grenzwissenschaftler die Namen Caspar, Melchior und Balthasar aufs Haupt gedrückt. Von nun an wurden sie von der Katholischen Kirche als Heilige verehrt. Doch auch erdachte Könige legen sich mal zur letzten Ruhe. "Der Überlieferung zufolge soll die hl. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, um das Jahr 326 von Konstantinopel nach Palästina gereist sein, dort die →Reliquien aufgefunden und an sich genommen haben." (Wiki)
Na, das klingt ja schon ein bissi nach Schmu...
Die Gebeine (wessen auch immer) landeten in Mailand. Es wird 1162. Kaiser Barbarossa drückte sie dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel als Dank für seine Schützenhilfe gegen die rebellischen Mailänder in die behandschuhte Hand -- als Kriegsbeute. Der ritt klappernd mit dem Sack voll Knochen zurück nach Kölle, hatte dabei aber genug Zeit, sich zu überlegen, was er mit diesem tollen Sack voll Gaben (kicher!) anfangen sollte. Der lange Ritt und die reichlich vorhandene frische Luft brachten ihn auf die richtige Fährte: Noch unterwegs in die Heimat begann er, eine groß angelegte PR-Kampagne zu lancieren, wodurch die bis dahin in der Christenheit unbekannten Knochen viral gingen. Köln und sein (alter) Dom wurden dadurch zu einem der bedeutendsten Pilgerorte Europas. Seit Ende des 12. Jahrhunderts liegen die gehypten Gebeine im berühmten, goldenen Dreikönigsschrein (Wiki).
Siehe auch →Stadtwappen. Mehr dazu hier.


Stay tuned: Teil 3 erscheint am 21.11.


Dienstag, 14. November 2017

Automobiles 25: Blinken und Winken

photo credit: mripp The future of german car industry via photopin (license)

Meinerzeit (1985), als ich in 5608 Radevormwald bei der Fahrschule Nitsch den Führerschein gemacht habe, hieß der Blinker noch "Fahrtrichtungsanzeiger" und die Ampel "Lichtzeichenanlage". Man bremste nicht, man "verzögerte". Auf den theoretischen Bögen tauchte zu allem Überfluss ständig auch noch "der Mann mit dem Handwagen" an der Kreuzung auf und wollte Vorfahrt. Ächz!
In diesen prähistorischen Tagen, als man den Flintstones näher war als den Jetsons, da wurde an der "Lichtzeichenanlage" sogar der "Fahrtrichtungsanzeiger" betätigt, wenn man denn ungleich geradeaus fahren wollte. Manchmal geriet man auch in eine Situation, da man einem entgegenkommenden Fahrzeug in einer engen Straße soviel Entgegenkommen entgegenbrachte, dass man es vorbei ließ -- der Fahrer des anderen Wagens grüßte dann freundlich mit der Hand und er lächelte dabei, manchmal gab es alternativ eine kurze Lichthupe und ein Lächeln.
Seitdem hat sich viel geändert.
Der Mann mit dem Handwagen wurde aus den Führerschein-Lernbüchern verbannt, Dinge bekamen griffigere Namen. Man kann mit Apps für die theoretische Prüfung lernen. Aber vor allem der Gebrauch der Blinker wurde von Jahr zu Jahr mehr eingeschränkt, zuletzt radikal. Die Leute fahren in der Moderne einfach in der Gegend herum, bremsen hier und da, halten an und fahren weiter, all das, ohne auch nur einmal mit dem Blinker gezuckt zu haben. Man muss raten, was die Menschen, die vor einem fahren, planen und was sie um- und antreibt. Sind die zum Genuss der Morgen- oder Abendröte unterwegs, suchen sie einen Parkplatz, wollen sie losfahren oder anhalten? Das ist nicht immer ganz ungefährlich, denn: man weiß et ja nich!
Oft kommt mir in den engen Nebenstraßen Wuppertals einer entgegen, da fahre ich mit dem Smart schnell in eine Parklücke und setze den Blinker links und warte, dass ich weiterfahren kann. Der Entgegenkommende starrt zu 80% angelegentlich geradeaus, während er an mir vorbei fährt. Ich habe gerade eine Serie, was diese Situationen angeht.
Irgendwann ist die Rücksicht, die Kommunikation, das Freundliche beim Autofahren abhanden gekommen.
Alles Aut(o)isten.

Wenn das mit dem Selbstfahren mal passé ist in den nächsten Jahrzehnten, dann muss mit dem autonomen Fahren eines ganz sicher nicht zu Grabe getragen werden: der umsichtige und freundliche Autofahrer, der steht nämlich schon jetzt auf der Roten Liste.


Samstag, 11. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (1): "11.11." bis "Dreigestirn"

photo credit: EOSfoto.nl Kölner Dom & Hohenzollernbrücke via photopin (license)

"Ovends danze un springe, morjends de Botz net finge."

11.11.

Mit Erreichen des 11. Novembers eines beliebigen Jahres beginnt in Köln die "fünfte Jahreszeit", der →Karneval.


4711

Suspekt.
Der Kaufmann Wilhelm Mülhens bekam der Legende nach die Rezeptur für sein Wunderwasser  im Jahre 1792 von einem Mönch zur Hochzeit geschenkt. Suspekt. Es wird (erst) seit 1799 hergestellt und  schmeckt wie Terpentinersatz. Dennoch wurde es zur inneren Anwendung vertrieben. Als 1810 die französischen Besatzer die Offenlegung aller medizinalen Rezepturen verlangten, schwenkte man bei Mühlhens flugs auf die äußere Anwendung um und vertrieb 4711 von da an als Duftwasser (Wiki). Suspekt. Da die alteingesessene Parfumfabrik Farina viel berühmter war, stellte man bei Mülhens allerlei Herren mit dem Namen "Farina" ein, um sich einen Firmennamen zu verpassen, der hinreichend stark dem des stärksten Konkurrenten ähnelte. Suspekt. Es kam zu einer Reihe von Prozessen, 1881 wurde es gerichtlich endgültig untersagt, den Namen Farina zu benutzen.


5000

Vor dem 1. Juli 1993, also vor der Umstellung der Postleitzahlen in Deutschland von vier auf fünf Stellen (Stichwort: "Fünf ist Trümpf"), gab es ein "5000 Köln". Seufz.


Adenauer

"Wat nix is, dat is nix."
Konrad, die alte Knitterbirne, war zwischen 1917 und 1933 Oberbürgermeister der Stadt Köln (Link), damals noch so glatt wie ein Ei (Bild). 1933 stand Köln nach der sog. "Machtergreifung" ein Besuch Hitlers ins Haus. Adenauer hatte sich gedacht: "Wat nix is, dat is nix." Schon aus Frack hatte er deshalb an der Deutzer Brücke angebrachte Hakenkreuzfahnen vor dem braunen Besuch wieder abnehmen lassen. Das hat ihn zwar den Job gekostet, aber hey: Rockt!
→ Ford → Schäl Sick


Archäologie

Archäologisches Minenfeld.
Ein Spatenstich in Köln führt unweigerlich zu archäologischen Funden. Es finden sich antike Früh-Kölsch-Kronkorken und olle Kamellen in großer Zahl, tiefer aber auch römische Münzen, Legionärsgräber, Tempelanlagen. Durch die Letztgenannten (plus Fliegerbomben) verzögern sich die Bauarbeiten in der Domstadt um ein erkleckliches Maß. Da hilft nur noch →klüngeln weiter.


BAP

Huck kutt mer vuur, als wenn et jestern woor.
Die Kölschrock-Band BAP war in den frühen 80ern eine zeitlang republikweit fast Mainstream, von überall tönten "Verdamp lang her " (Album "für usszeschnigge!", 1981) und "Kristallnaach" (Album "Vun drinne noh drusse", 1982). Die beiden Alben allein wurden je etwa eine Million mal verkauft. Die Texte indes sind für das unbewaffnete Ohr in etwa so verständlich wie Niederländisch und enthalten Textzeilen wie "Huck kutt mer vuur, als wenn et jestern woor" ("Es kommt mir vor, als wenn es gestern war"). Nur die ganz Harten konnten bei den Songs mitsingen.
BAP haben vom Beginn ihrer Karriere an mehr als 5,9 Millionen Tonträger verkauft, sie gehören somit zu den erfolgreichsten Interpreten in Deutschland. Bandleader Wolfgang Niedecken, der auch Soloprojekte macht und nebenbei noch Maler und Autor ist, wurde  für sein soziales und politisches Engagement 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Vor dem BAP-Konzert isst sich der Kölner ein Hämmche, kippt ein paar Schabau zum Vorglühen, besprenkelt sich maßvoll mit Odekolong und verlässt das Haus in Richtung →KVB.


Bläck Fööss, Brings, Cat Ballou, Höhner, Kasalla, Paveier etc.

Nur für Fans.
Was Pavlovs Hund sein Glöckchen sind dem Kölner seine Mundart-Musikgruppen. Besonders zwischen dem →11.11. und Aschermittwoch schrammeln sie sich die Finger blutig. Dazu tobt dann der angeschickerte Mob schunkelnd und bützend ab, während der graue Himmel mit Kamelle und Konfetti gesprenkelt wird. Da muss man schon Fan sein -- oder Kölner.


Büdchen

Gekühlte Pittermännchen immer reichlich vorrätig.
Köln kann mit seinen ca. 1.000 Büdchen als Hauptstadt der Kioske bezeichnet werden.
Der Kiosk (kölsch sprich: "Büdschn") ist die Lebensader Kölns. Hier sind gekühlte Pittermännchen immer reichlich vorrätig. "An den kölschen Feiertagen, wie →11.11., →Karneval oder CSD fahren einige Büdchen 24 Stunden-Schichten. (...) Einige Kioskbesitzer sind (...) die lokale Zeitung der Nachbarschaft. Aber vielmehr noch sind sie Vertrauensperson, der man die Wohnungsschlüssel anvertraut, Päckchen oder Einschreiben, oder Neuigkeiten aus dem Privatleben. Man trinkt dort einen Kaffee oder →Kölsch, trifft Nachbarn aus dem →Veedel und der „Kölsche Klaaf“ (Klatsch) nimmt seinen Lauf." (vgl.: hier)


Dom

Der Dom ist der BER Kölns.
1164 werden die Gebeine der →Heiligen Drei Könige aus Mailand nach Köln gebracht. Köln und sein (alter) Dom werden zu einem der bedeutendsten Pilgerorte Europas. 1248 ist die Grundsteinlegung am neuen gotischen Dom nach französischem Vorbild. Alle an der Gelddruckmaschine "Dom" beteiligten scheffeln die grobe Kohle ohne Ende: Ablass, Spenden, Verkauf von Devotionalien, →Reliquien und frömmelnden Schnulli. Im Jahr 1560 werden die Bauarbeiten -- TROMMELWIRBEL -- "aus finanziellen Gründen" eingestellt. WTF?! Dann passiert 300 Jahre lang nichts, außer, dass zwei Bauarbeiter um ein gotisches Dixi-Klo herumscharwenzeln und die Kölner "Et hätt noch immer jot jejange" nuscheln. 1794: Der wilde Franzos kommt in Form von napoleonischen Truppen vorbei und verheizt das Chorgestühl, der Sakralbau wird derweil als Pferdestall und Lagerhalle zweckentfremdet. Der Dom ist jetzt knapp vor "Ruine". 1841: Auf Veranlassung von König Friedrich Wilhem IV. von →Preußen (Berlin) und mit Promi-Werbung von Außerhalb (Goethe/Weimar) gründen die Kölner den "Zentralen-Dombau-Verein". 1842 legt der preußische König den Grundstein für den Weiterbau. "Et kütt wie et kütt" brabbeln die Kölner, die mit Aktionismus seit jeher "nix to donn" haben. 1880 ist der Dom (dank fremder Hilfe) nach 632 Jahren dann mal endlich fertiggestellt. 
Hätte man die Kölner machen lassen, wäre die Domplatte heute eine Geröllwüste mit ein paar stehenden Strukturen nach Akropolis-Vorbild.


Domplatte

Touristensammelstelle.
"Mitten in die zugebaute Innenstadt drängelt sich ein Dom, arrangiert wie von unten durch 'ne Betonplatte geschossen." (Dietmar Wischmeyer)
"Domplatte", das ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die den Kölner →Dom seit 1970 umgebende 7.000 m² große Fußgängerplattform (Wikipedia). Hier wuseln Touris aller Coleur direkt busladungsweise herum, Skater schießen durch die Zwischenräume und Straßenkünstler wie Akrobaten, Pflastermaler und "lebende Denkmäler" konkurrieren mit Straßenmusikanten, die meist nicht so gut sind, aber dafür umso lauter aufspielen, gerne auch mit plärrender Verstärkeranlage.


Dreigestirn, Kölner

"Eimol Prinz zo sin en Kölle am Rhing.
En nem Dreijesteen, voll Sonnesching.
Dovun han ich schon als kleine Fätz jedräump.
Einmol Prinz zo sin, söns häs de jet versäump."
(Wicky Junggeburth)

Kölscher Knochenjob für Jungfrau, Prinz und Bauer.
"Der Kölsche Jung an sich hat zwei Träume. Einmal dabei sein, wenn der →FC deutscher Fußballmeister wird. Und einmal im Leben Dreigestirn werden" (lesenswerter Artikel).
Das Kölner Dreigestirn besteht aus Jungfrau, Prinz und Bauer und es sind allesamt Herren. Während ihrer etwas über einmonatigen Regentschaft sind sie die pop-up-Popstars des Kölner →Karnevals und der "Spaß" kostet sie pro Kopf etwa 50.000 €. "Unglaubliche 370 Auftritte stehen auf dem Programm, an Wochenenden und in der heißen Phase um Weiberfastnacht bis zu 14 am Tag. Von ihren Familien sehen sie sechs Wochen lang nichts." (s. a.a.O.) So geht das dann vom Festsaal ins Altersheim, von dort in einen Hotelsaal, auf ein Partyschiff, in die Kaserne, ab zur Stadthalle, wieder in den nächsten Festsaal usw. -- von Morgens um 10.00 Uhr bis Nachts um 2.00 Uhr, tagein, tagaus, Woche für Woche. Und buchstäblich überall ist Humba!-humba!-Täteräää!!!, "dreifaches Kölle Alaaf!" und rheinischer Frohsinn galore incl. "Drink doch ene met" und natürlich →Kölsch und schunkeln und bützen bis der Arzt kommt und drei Dutzend Jecken, die ein Selfie mit dem Dreigestirn machen wollen.
Das sind die kommenden tapferen Kandidaten für diesen Höllenritt: Link.


Stay tuned: Teil 2 erscheint am 16.11.