Mittwoch, 30. Dezember 2009

Heimat 10 - Innovation


Flesh
Originally uploaded by Zanthia
F: Wie lange benötigt man, um in der Bibel eine obskure Stelle zu finden? A: 0,56 Sehunden: Aufschlagen, mit dem Finger irgendwohin zeigen.
*kicher*


Aber es soll noch über 100 Stellen in der Bibel geben, die auch heute noch im Rahmen unserer Lebenswirklichkeit einen gewisse Gültigkeit haben...
Äh, so sagt man zumindest.
So auf die Schnelle habe ich leider nichts finden können. Ich habe wild herumgeblättert, quer gelesen und ausschließlich ein einziges Knurren, Heulen, Gezeter und wirres Gerede gefunden, fast so, als wäre man versehentlich im falschen Chatroom ("Besessene only") gelandet.
Aber hier kommt deutscher Erfindergeist zum Einsatz!
Und das in der Stadt, in der der elektrische Currywurstschneider erfunden wurde! (Blogbeitrag)
Neulich beim Zahnarzt fiel mein Blick beim Termin machen am Tresen auf ein Tellerchen mit Give-Away-Erfrischungstüchern. Allen gemeinsam war, dass sie Bibelsprüche trugen.
Hey! Genau mein Ding!
Ich steckte mir zwei ein, um sie zu Hause eingehender zu inspizieren.
Also: Die Firma Telliton GmbH aus 42477 Radevormwald, meiner Heimatstadt, hat eine Innovation aus dem Startloch gelassen: Testamint! Zu bestaunen auf http://www.testamint.de/.
Produktbeispiele:
Einzeln verpackte Bonbons:
"Wenn mein Volk, das meinen Namen trägt, sich besinnt und umkehrt und zu mir betet, dann will ich vom Himmel hören, alle Schuld vergeben und ihr Land heilen." 2.Chronik 7.14
Ist das nicht ein klitzekleines bissi wuchtig auf einem singulären Bonbon?
Schokis:
"Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit und ich bin das Leben. Ohne mich kann niemand zu Gott kommen." Evangelium des Johannes 14.6
Naja, so in etwa empfinde ich schon beim Verzehr von größeren Mengen von Schokolade...
Na gut, es gibt ja noch die Erfrischungstücher und viele andere Artikel...
OK, sicher eine gute Sache das.
*hüstel*

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Dienstag, 29. Dezember 2009

ru24 Wissen 11 - Barbie vs. Fulla

Hinreichend unnützes Wissen über die bekannteste Blondine der Welt:
"Barbies voller Name lautet Barbara Millicent Roberts, sie hat mehrere Doktortitel (als Tierärztin, Kinderärztin, Zahnärztin und Frauenärztin) und besitzt einen Führerschein sowie eine Pilotenlizenz. In den 1990er Jahren kandidierte sie mehrmals für das Amt der US-Präsidentin. Als letzte Bekanntmachung gab Mattel 2005 Barbies Trennung von Ken bekannt; es soll in ihrem Leben einen anderen Mann namens Blaine geben." (Link) oder bei Wikipedia (Link).

Millicent?
Boah! Was?

"Millicent ist ein englischer weiblicher Vorname.
Er geht auf den normannischen Namen Melisende zurück, der wiederum eine französisierte Version des germanischen Amalaswinth (auch Amalasuintha, Amalasuntha; aus amal "Arbeit" und swinth "Stärke") darstellt. Der Name hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Popularität verloren und gilt als veraltet. So wurden 1990 nur noch 0.009% der neugeborenen Mädchen in den USA auf diesen Namen getauft.
" (Link)
Ach so.
Und Trennung von Ken? Hey, wie realistisch!
Aber Blaine?
Who the f*** is Blaine?
Ist sicher ein kranker Schnösel, Motorradfuzzi und so!

Und für den, der das alles schon wusste, hier der Gegenentwurf zur westlichen Barbie: Fulla.

"Fulla (arabische Jasminblüte) ist eine Spielzeugpuppe und das arabische Gegenstück der US-amerikanischen Barbie.
Sie wurde im November 2003 von dem syrischen Unternehmen NewBoy Design Studio (Damaskus) auf den Markt gebracht, wird in China gefertigt und entwickelt sich seither zum Verkaufsschlager in der islamisch geprägten Welt. Zum Renner wurde die züchtige Schwester der üppigen Blondine „Barbie“, als diese von Saudi-Arabien wegen „wenig bedeckender Kleider und beschämender Posen“ aus den Spielzeugläden verbannt worden war. (...) Sie trägt lange Röcke und langärmelige Blusen „für Zuhause“ und „für den Ausgang“ eine schwarze Abaja, einen langen Mantel mit Kopftuch. Das ursprünglich extrem konservative Kleidersortiment wurde für den moderneren Markt in Ägypten und Jordanien aufgepeppt: Inzwischen gibt es Fulla-Varianten mit Handtasche, Parfüm und ähnlichen Accessoires. Zusätzlich kann ein pinkfarbener Gebetsteppich erworben werden."
(Link)
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Vor allem bei dem pinkfarbenen Gebetsteppich.

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Montag, 28. Dezember 2009

Lifestyle 27 - erster nachweihnachtlicher Geschenke-Umtauschtag

Heute kann der Handel sich warm anziehen.
Denn heute ist der erste Tag, an dem Beschenkte die Grotesk-Gaben ihrer Verwandtschaft wieder umtauschen können.
Ich stelle mir die Dialoge an Heiligabend beim Auspacken der Geschenke so vor:

"Oh mein Gott! Ein Katzenklo???"
"Du wolltest doch eines haben, ich hab dich doch extra gefragt am Telefon, Junge!"
Kurz senkt sich nachdenkliche Stille über das behaglich weihnachtlich geschmückte Wohnzimmer, alle starren den 16-jährigen an, der fassungslos ein pinkfarbenes Putzi-Katzenklo von sich hält. Dann dämmert es ihm.
"Gott, Oma, BUSHIDO, nicht Muschi-Klo!"
"Hä?"
"Der ist Rapper!"
"Retter?"
"RAPPER!"
"Hä?"
"Wie 50 Cent!"
"Hier Junge, ich geb dir noch 'nen ganzen Euro! Wenn das alles ist! Soll ich das Muschi-Klo wieder mit nach Hause nehmen?"
"Nein, Oma, ich tausche DAS KATZENKLO um! Hast du noch den Bon?"
"Was für einen Gong denn?"
"Schon gut Oma, ich tausche es auch so um!"
"Hast du überhaupt eine Katze?"
"NEI-HEIN, OMA!"
"Nicht dass die dir jetzt in die Ecken macht, Junge!"
"OOOMA!!!"

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Sonntag, 27. Dezember 2009

ru24 Wissen 10, Teil 2: Weihnachtsfrau, Wichteln, Crispkind, Weihnachtsgurke


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Originally uploaded by Uli H.
Hier finden sich die restlichen "nice to know's" rund ums Weihnachtsfest:

Weihnachtsfrau: (1)
In modernen, radikalfeministischen Haushalten des Dritten Jahrtausends scheint am 06.12. die Weihnachtsfrau auf, natürlich ohne die phallischen Insignien Rute und Sack, dafür mit einer großen Muschel voller Geschenke.
(2) ein nur lose in einen sehr kurzen Weihnachstmann-Fummel gerolltes, weibliches Modell (90-60-90, i.d.R. blondgelockt), das unter dem bademantelartigen Gewand vorzugsweise (nahezu) unbekleidet bist. Hierbei handelt es sich um eine einschlägige Männerphantasie. 75% aller gefragten Männer würden dies indes vehement bestreiten. Das wäre aber gelogen.

Wichteln: "Wichteln (auch Julklapp nach dem Julfest, in Österreich Engerl-Bengerl) ist ein vorweihnachtlicher Brauch, der unter Arbeitskollegen, in Vereinen, in Schulklassen, in Jugendgruppen und in verschiedenen Internetforen gepflegt wird. Dabei wird durch zufällige Auswahl für jedes Mitglied ein anderes Gruppenmitglied („Wichtel“) bestimmt, durch den es dann bei einer Feierlichkeit beschenkt wird. Die Art der Geschenke wird vorher grob festgelegt, in der Regel steht die Originalität des Geschenkes im Vordergrund und der tatsächliche Gebrauchswert ist gering. Nachteil ist, dass man nicht zwingend erhält, was man gerne hätte." (Link)
Beim Schrott- oder Monsterwichteln kommt es allerdings darauf an, möglichst groteske oder peinliche Wichtelgeschenke zu machen. Also z.B. das sogenannte Lebensberatungs-Buch "Der Bohlenweg: Planieren statt Sanieren" von Dieter Bohlen (Link) oder ein Vibrator, der während des Betriebes "Süßer die Glocken nie klingen*" spielt.

Crispkind: (Neologismus) ist ein zurzeit noch theoretisches, ein von mir den Werbeblöddoofärschen vorweggenommenes Werbe-Kunstwort aus "Crispy" und "Christkind", was die vorgebliche Fusion der beiden umschreiben soll, beispielsweise für ein maßlos knuspriges, möglicherweise sogar ultra- oder hyperkrokantes Weihnachtsprodukt, siehe Blogbeitrag (Link).

Weihnachtsgurke:"Eine Weihnachtsgurke ist ein aus Glas geblasener Weihnachtsbaumschmuck in Form einer Gurke. Vor der Bescherung wird die Gurke im Weihnachtsbaum versteckt. (...) Weihnachtsgurken erfreuen sich vor allem in den USA großer Beliebtheit. Man behauptet, es handele sich um eine alte deutsche Weihnachtstradition. In Deutschland jedoch ist der Brauch nahezu unbekannt." (Wikipedia)
Zum diesem Thema siehe bitte folgenden Blogbeitrag: (Link).


*) "'Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit' ist physikalisch betrachtet widerlegt worden. Amerikanische Wissenschaftler haben in einer erfolgreichen Langzeitstudie gerade genau das Gegenteil herausgefunden. Glocken klingen aufgrund der kühleren Außentemperaturen im Winter wesentlich schlechter als im Sommer." (Link)

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Samstag, 26. Dezember 2009

ru24 Wissen 10, Teil 1: Christbaum, -(us)kind, Nikolaus, Weihnachtsmann, -baum



Originally uploaded by Claus Rebler
Gestern abend im Freundeskreis entbrannte eine Diskussion über die diversen Sinnbilder und Bräuche des Weihnachtsfestes. Was die Diskussion deutlich erschwerte, war die Tatsache, dass ein 6-jähriges Mädchen anwesend war, das an Engelchen und Weihnachtsmann glaubte.
Doch wer bringt denn nun die Geschenke? Christkind, Weihnachtsmann oder beide? Sind Weihnachtsmann und Nikolaus der/das Selbe? Ist das Christkind ein Mädchen, obwohl das Christuskind doch mit ziemlicher Sicherheit ein Junge war/ist?
Sind Christbaum und Weihnachtsbaum vielleicht auch etwas Anderes? Und wieso bekommt eine sterbende Tanne die Vorsilbe "Christ-"?
Das ist alles ziemlich durcheinander.
Heute habe ich mal nachgesehen.

Weihnachtsmann = Nikolaus? Nö.
Christkind = Christuskind? Nö.
Weihnachtsbaum = Christbaum? Jep!
Macht 2:1.

Nun, das Universum in dem wir leben, ist ja meist komplizierter, als wir denken.
Hier mal ein paar hard Facts zum Fest:
"Der Weihnachtsmann ist eine Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens. In Deutschland besitzt er diese Rolle vor allem in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland. Dargestellt wird er als freundlicher alter Mann mit langem weißem Bart, roter mit weißem Pelz besetzter Kutte, Geschenkesack und Rute. Die Darstellung des dicklichen Weihnachtsmanns mit dem rot-weißen Mantel gab es schon im 19. Jahrhundert. Das beweisen alte Postkarten. Diese spezielle Variante des Weihnachtsmanns im rot-weißen Gewand wurde seit 1931 alljährlich von dem Unternehmen Coca-Cola aufgenommen und für eine Werbekampagne zur Weihnachtszeit verwendet. Ob Coca-Cola damit entscheidend zur weltweiten Verbreitung des Weihnachtsmanns beigetragen hat, ist nach wie vor sehr umstritten.
Der Tradition nach bringt er den „braven“ Kindern an Heiligabend (bzw. in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember) Geschenke und den „bösen“ eine Rute. Er vereinigt somit Eigenschaften des gutmütigen Sankt Nikolaus und seines verurteilenden Knechtes (Ruprecht, in Bayern und Österreich Krampus, in der Schweiz Schmutzli oder im Rheinland Hans Muff)." (Link)
Ich schwöre: Von einem "Hans Muff" habe ich trotz meiner Nähe zum Rheinland noch nie gehört!
"Nikolaus von Myra, griech. Νικόλαος Μυριώτης, (* zwischen 270 und 286 in Patara; † 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365), wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als griechischer Bischof von Myra in (Lykien) in Kleinasien, damals Teil des Römischen, später des Byzantinischen Reichs. Nikolaus von Myra ist der Schutzpatron Russlands, Kroatiens, Serbiens sowie der Kaufleute, der Seefahrer, der Schüler und Kinder. Der Name bedeutet „Sieg(reich)er des Volkes“ (νικός + λαος). (...)
Nikolaus’ Wirken hat zu vielfältigen Legendenbildungen beigetragen, die im Laufe der Jahrhunderte dazu führten, dass er als einer der wichtigsten Heiligen angesehen wurde. Die Legenden basieren allerdings nicht nur auf (vorgeblichen) Taten des Bischofs von Myra, sondern auch auf denen eines gleichnamigen Abtes des Klosters Sion bei Myra, der später Bischof in Pinara war und 564 starb." (Link)
Naja, es hat ja schon Päpste gegeben, die die Brandschatzung von verrufenen Bordellen nur deshalb verhinderten, weil sie ihnen gehörten. Der Gläubige indes sieht darin allerdings das, was er sehen will: Mut und unerschütterlichen Glauben.
"Das Verhältnis zwischen Christkind und Nikolaus als Gabenbringer ist komplex und entwickelte sich widersprüchlich: Eine Entwicklungslinie geht vom Nikolaus zum Christkind, die andere vom Christkind zum Nikolaus." (Link)
Sie werden sich vermutlich ständig gegenseitig sabotieren, der alte Herr und die blond gelockte Göre: Mal hier einem Rentier ein Abführmittel untergejubelt, mal da eine Kufe am Schlitten angeraut, dafür bekommt es vom Alten heimlich (Ho-ho-ho!) ein bisschen Hundestuhl ans Nachthemderl geschmiert...
"Das Christkind ist eine vor allem in Österreich, der Schweiz, in katholischen Regionen Deutschlands sowie in der Region um Nürnberg verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes. Erwachsene erzählen Kindern, dass zu Weihnachten das Christkind kommt und heimlich die Weihnachtsgeschenke bringt. Es wird häufig als blondgelocktes Kind mit Flügeln und Heiligenschein dargestellt. Umgangssprachlich wird das Christkind häufig mit dem Christuskind, der Darstellung des neugeborenen Christus, verwechselt." (Link)
Ja. Ist mir auch schon passiert.
"In Mitteleuropa wird der Weihnachtsbaum (je nach Region auch als Christbaum oder Tannenbaum bezeichnet) zur Weihnachtszeit in Kirchen und Wohnungen sowie auf Plätzen in Ortschaften aufgestellt und mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Engeln oder anderen Figuren geschmückt. Dieser Weihnachtsbrauch verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Deutschland aus über die ganze Welt." (Link)
Na, wenigstens hier ist es mal eindeutig!
Aber es ist schon sprechend, dass nur sterbende Koniferen das Prädikat "Christ-" bekommen.
Himpelchen und Pimpelchen winseln jetzt: "Unserer hat aber einen Wurzelballen!"
Jaja! Klar.

Ich wünsche ein frohes Rest-Fest!
Und ein frohes Reste-Essen.

>>> Teil II folgt morgen!

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Mittwoch, 23. Dezember 2009

ru24 Wissen 9: Immunabwehrverstärker


Pelargonie
Originally uploaded by s. bär
Erkältungszeit...
Werbefritzen denken sich ja für Produkte lustige Namen aus: "Pustefix", "Fairy ultra" oder "Brölio Pflanzenöl". Dass man Produktnamen auch buchstäblich aus dem Hut ziehen kann, zeigt das hoch innovative Erkältungsprodukt
"UMCKALOABO – Infektabwehr aus der Natur".
"Umckaloabo heißt in der Zulu-Sprache soviel wie 'schwerer Husten'",
behauptet die Bildunterschrift des oben eingebetteten Bildes (bei Flickr). Das hat mir natürlich gefallen, auch wenn die Behauptung möglicherweise völlig haltlos ist.
In seinem Buch "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (Link) schreibt Dr. Eckart von Hirschhausen:
"Sie können ebensogut Dreck fressen, das würde Ihr Immunsystem auch stimulieren. Es ist nämlich die Aufgabe des Immunsystems zu reagieren, wenn seltsame Substanzen angeschwommen kommen."
Nach unterhaltsamen Stunden mit meinem Scrabble-Spiel konnte ich aus den Buchstaben dieses "Immunabwehrverstärkers" immerhin die sinnvollen Worte AU, BLOCK und OMA legen.
Wenn OMA BLOCK AU hat, nimmt sie UMCKALOABO.
Is' klar!
Und weil ich während des Herumscrabblens nicht in irgendeiner zugigen Wartehalle voller Erkältungsopfer rumgehangen habe, hat es tatsächlich geholfen!
Ach so.

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Dienstag, 22. Dezember 2009

ru24: History 5 - Nikolaus Anno 1971

Am 06. Dezember 1971 (ich war 4 3/4 Jahre alt) informierten mich meine Eltern, dass am Abend der Nikolaus zu uns komme. Ich war aufgeregt. Nikoläuse hatte ich schon viele gesehen. Als Figuren. Als Püppchen. Als Schokoweihnachtsmänner. Alle hatten gemein, dass sie mir vom Boden aus etwa bis zum Knie gingen. Die Sache mit dem "Weihnachtsmann am Abend" schien also hinreichend ungefährlich.
Es wurde dunkel. Irgendwann wurden Kerzen angesteckt. Die roten Kerzen knisterten und tropften. Ich bekam etwas Feierliches angezogen. Gleich würde der Weihnachtsmann kommen!
Ich fragte meine Eltern etwas 100x, wann es denn soweit sei.
Dann endlich schellte es an der Haustür!
Ich sprang auf, wie von der Tarantel gestochen.
Rannte zur Haustür.
Riss die Tür auf.
Um den winzigen Weihnachts-Gnom einzulassen.
Ich blickte nach ganz, ganz unten.
Riesige schwarze Stiefel!
Mein Blick wanderte nach oben.
Riesiger Mantel!
Riesiger Bart!
Riesige Nase!
Riesige Mütze!
Aaah!
Geistesgegenwärtig knallte ich dem Penner die Tür vor der Nase zu.

Meine Eltern waren dann verrückt genug, ihn einzulassen.
Das war dann noch ganz schön gruselig.

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Montag, 21. Dezember 2009

Heimat 9 - Winterdienst


Kein Winterdienst
Originally uploaded by Florian Demmer
Natürlich habe ich laut Hauskalender nur Winterdienst, wenn es sich auch lohnt.
Nachdem mich das pingelige, nachbarschaftliche Gekratze ab 6.15 Uhr zermürbt hatte, schwinge ich mich mit rotgeäderten Augen aus dem Bett, dann schwinge auch ich den Schieber. Im Anschluß daran mache ich mich an die Befreiung meines Autos. Der Wagen steht ca. 100 m weiter die Straße rauf als sonst. Der Gehweg vor dem Haus an dem ich parke, ist penibel auf eine Breite von 59,4 cm (2x Länge A4) geräumt, akkurat!
Rentner, vermutlich.
Ich stakse also durch den von Schneepflügen mutwillig zusammengeschobenen Mist rund um mein Auto und entschneee es (hübsch so mit drei e!). Dabei sind auch wohl im Eifer des Gefechts 2,3 g Flöckchen auf den geräumten Bereich geraten. Während ich also noch an der Frontscheibe herumkratze, öffnet sich hurtig die Tür des zum Bürgersteig gehörigen Domizils. Da hätte ich natürlich schon beim Parken drauf achten müssen: Niemals vor dem Haus deutscher Spießer-Rentner! So Leute hängen ja ständig am Fenster.
"Sie machen den Bürgersteig voll", quakt der rüstige Herr, perfekt rasiert im gebügelten Freizeitanzug (sprich: "Yogga"). Ich stutze, lasse von meiner unerquicklichen Tätigkeit ab, schaue mich um.
Ah, 2,3g, die die mit dem Lineal gezogene Akkuratesse nun grotesk verunstalten!
Hihi!, denke ich noch.
"Ah, ja, Entschuldigung", sage ich stattdessen. 'Ehre das Alter' und so. Das reicht aber nicht. Der Herr beobachtet jetzt mit geschultem Auge jede meiner Bewegungen, wartet wohl drauf, dass ich mit einem Matchbox-Schneeschieber das Micro-Desaster wieder richte, in mir brodelt es, ein genetisches Erbe väterlicherseits.
"Wenn es jetzt zu schneien anfängt, stellen Sie sich dann mit 'nem Schirm auf den Bürgersteig?", frage ich meines Erachtens völlig berechtigterweise.
"Unverschämtheit!", blökt der Koronargefährdete, er mache hier nicht alles so ordentlich, damit jemand alles wieder voll mache.
Alles!
2,3 g!
"Ich ruf' beim Ordnungsamt an!", zetert die hinzugekommene Gattin.
"Ich bitte darum!", belle ich zurück.
"Außerdem können Sie ja demnächst woanders parken", poltert der Gatte.
*brodelbrodel*
"Sie können ja auch umziehen!", schlage ich nur logisch vor.
"Dat is' Eigentum, dat is' nich' zur Miete ... Unverschämtheit, murmelmurmel", kreischt die Gattin. Das Rentnerehepaar entfleucht ins Haus, man glotzt nun aus den Fenstern, und beobachtet mich, als schändeten draußen die Hell's Angels diverses Nutzvieh.

Im Grunde können sie mir dankbar sein, weil ich für mindestens drei Tage Licht in ihr ansonsten ereignisloses Dasein gebracht habe.

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Sonntag, 20. Dezember 2009

Bürogeplänkel 13 - Job-Knigge: Benehmen ist wieder angesagt


Me and My Ascot
Originally uploaded by ldandersen
Schlage ich Inge Wolffs "Knigge im Job - So machen Sie immer eine gute Figur" auf, stelle ich schnell fest: Was bin ich doch für ein Schlunz! Da geht noch einiges! Denn tatsächlich, Überraschung: Benehmen ist wieder angesagt!
"Mit ungekämmten Haaren ins Büro schlurfen, ein knappes 'Mor’n' auf den Lippen, in der rechten Hand die Kaffeetasse – so ein Auftritt im Büro war in Zeiten der New Economy vielleicht cool, mittlerweile ist er im Joballtag total out. Benehmen ist nicht nur wieder angesagt, es ist für die Karriere sogar förderlich." (Link)
Surprise, surprise.
Ich stelle mir das jetzt mal so vor: Der Stylist im Hintergrund legt durch die sich schließende Fahrstuhltür noch letzte Hand an. Ausstaffiert wie auf der Pferderennbahn in Ascot (mit Cutaway = vorne rundgeschnittener, schwarzer bzw. anthrazitgrauer Gehrock mit langen Schwalbenschwänzen hinten; gestreifte Hosen; Zylinder) betrete ich in aufrechter Pose die geheiligten Hallen meines gebenedeiten Brötchengebers, des hochheiligen Produktionsmittelinhabers.
Mein Auftreten ist das eines jungen Gottes.
Dann hebe man an zu sprechen, die Stimme wohl moduliert, die Wortwahl eine Hommage an das Land der Dichter und Denker, dem ich entstamme: "Wohlan und Gott zum Gruße, meine Edeldamen, was seid ihr doch im Morgengrauen, gar wunderlieblich anzuschauen, das Herz möcht' mir schier in der Brust zerspringen vor Jauchzen und Juchee! Zum Gruße, zum Gruße!"

So klappt's denn dann auch in Post-New-Economy-Post-Finanzkrisenzeiten mit der Karriere. Ach so.

Inge Wolff, "Knigge im Job - So machen Sie immer eine gute Figur", Verlag Gräfe und Unzer, 5,99 EUR (Link)

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Samstag, 19. Dezember 2009

Lifestyle 26 - Weihnachtlich brennet die Netzhaut

Nun gut. Jede Zeit hat ihre schrecklichen Verfehlungen. Früher waren es Popper. Doch jetzt verkaufen irgendwelche Baumärkte schon seit fast einer Dekade an die 80cm bis 1,20m große Weihnachtsmann-Püppchen mit nuttig aussehendem Polyesterhaar, Bart und Acrylmäntelchen. Und was angeboten wird, egal wie grottenhäßlich oder grenzdebil, wird ja bekanntlich auch gekauft, da ist der vielgepriesene Konsument nicht wählerisch. Ich stelle mir nur immer vor, was die Sklavenarbeiter in den Sweat Shops der Dritten Welt von uns denken müssen, die diesen grauenvollen Tand für die Erste Welt herstellen.
Familienväter klettern, dem Unbill der Höhe trotzend, auf Dächer und bringen diese peinlichen, gnomischen Weihnachtsmann-Atrappen an, egal wie scheiße es aussieht! Und wenn man dann schon mal oben ist, kann man gleich auch noch Lichterketten antackern, die wie UFO-Landebahnen aussehen, allerfestlichst die Habitate zu ergrellen. Parallel dazu simulieren mit der Dezenz eines Gehirnschlages hektisch blinkende elektronische Sterne in den Glitter-Flitterfenstern das zartromantische, winterliche Glitzerspiel von Mondlicht, das sich in Eiszapfen bricht. Denn das soll es darstellen, das Blinken und Blitzen - absolut unvorstellbar, nicht wahr?
"Weihnachtlich glänzet der Wald,
Freuet Euch, Christkind kommt bald",
singt es da.
"Wald? Glanz? Ich seh' nix! Aber ich glaub', ich krieg' von dem Geblinke hier einen epileptischen Anfall!"

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