Sonntag, 29. Juni 2025

Umzug der Autorenwebseite

 

Foto von cottonbro studio

Hallo ihr Lieben!

Meine Autoren-Webseite ist umgezogen.
Ihr findet sie jetzt unter dem erfreulich wenig sperrigen Namen muehlinghaus.me.
In meinem Blog dort veröffentliche ich wöchentlich einen Beitrag über das Leben als Autor & Co. – schaut gerne mal rein.

Lieber Gruß!

Freitag, 1. November 2024

In eigener Sache: Die eigene Autorenseite!

Der Autor


Hallo ihr Lieben,

ich wollte schon lange eine eigene Autorenseite machen. Bisher hatte ich aber nur ein paar Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht, also hat sich das nicht wirklich gelohnt.

Doch jetzt gibt es einen guten Grund: Mein erstes Kinderbuch ist erschienen!
Weitere  Informationen dazu findet ihr auf meiner neuen Webseite: www.muehlinghaus.me

Das Buch heißt Auri oder Hier hausen Drachen. Das Märchen habe ich ursprünglich für meine Nichte Juli geschrieben und die wollte gerne auch noch Bilder dazu haben ... 

Die kleine Auri

Auri oder Hier hausen Drachen‹ ist eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft, Mut und die Kraft der Magie. Sie wird Kinder und Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann ziehen.

Großformatiges, durchgehend liebevoll illustriertes Hardcover-Märchenbuch zum vorlesen oder selber lesen, ab 6 Jahre.

Als Hardcover mit der ISBN 9783759751072 im Buchhandel, z.B. bei Amazon (Link).

Liebe Grüße,
Henning


Dienstag, 17. September 2024

Kanada-Urlaub - Abschluss

(besser spät als nie)

Die Rückfahrt von Cape Cod zurück nach Montreal verlief wesentlich entspannter. Um Boston mit seinem Dauerstau machten wir einen großen Bogen. In Springfield, New Hampshire haben wir an einer Raststätte gepicknickt und dabei ins weite Land geschaut. Es gab Picknick-Bänke, die wir ganz für uns hatten, denn die Amis blieben in ihren Autos sitzen ... :D
(Stephen King hat in dieser Gegend Castle Rock (The Body, Cujo, Needful Things) verortet, also wären wir besser auch mal im Auto geblieben.)


Weiter ging’s vorbei an so namhaften Orten wie Woodstock, Vermont. Da hatte ich dann einen Spontan-Ohrwurm: "Star spangled banner" von Hendrix. :D

Zweite Rast in Richmond, Vermont, wo wir wieder im Stone Corral auf ein Root Beer vom Fass einkehrten. Root Beer, das ist ja so ne Art Geschmackspeitsche, das kann man ja gar nicht beschreiben, auf jeden Fall noch krasser als Ingwerkonfekt. Und vom Fass - wie grandios!

An der Winz-Grenze angekommen, waren wir die einzigen, die nach Kanada wollten. Nach dem Gedöns bei den Amis war ich etwas befangen. Doch hinter dem Schalter am Häuschen saß ein bärtiger, freundlicher Herr, der etwas Smalltalk mit uns machte, nach Alkohol fragte, dann lachte und uns dann mit einem Lächeln durchwinkte. Oh Canada!

Hinter der Grenze gab’s „Corn“, oder wie der Quebecoise sagt „maïs sucré“, was die Damen entzückte.

Die restlichen zwei Tage waren wir gemütlich bei Mom, dann flogen wir heim. Bei einem Flug in Richtung Osten dauert die Nacht nur 3 Stunden, das ist verbesserungswürdig. Vielleicht sollten sie langsamer fliegen.

Nächster Urlaub bitte wieder mit zwei intakten Knien.

Dienstag, 27. August 2024

Kanada-Urlaub 26.08.2024


Ich hatte es schon erwähnt, aber es ist so erschütternd: Viele Amerikaner bleiben bei Sehenswürdigkeiten (das Meer bei Cape Cod, Sommer, 23 Grad Celsius) in ihren Autos sitzen, die Seitenscheiben oben, der Motor läuft. Davor stehen leere Park-Bänke, auf denen man herrlich sitzen könnte. Ich meine: Wie krass ist das? DAS finde ich völlig unnachvollziehbar. Mein Kumpel ChatGPT schreibt dazu:

Das Verhalten, das du beschreibst, könnte mehrere Gründe haben, auch wenn es für Außenstehende unverständlich wirken mag. In den USA ist es in einigen Regionen üblich, dass Menschen in ihren Autos bleiben, weil diese oft als persönlicher Schutzraum dienen – sei es vor Hitze, Insekten oder weil sie einfach mehr Komfort bieten. Viele lassen den Motor laufen, um die Klimaanlage oder die Heizung weiter zu nutzen, je nach Wetterlage. Außerdem gibt es in den USA eine starke Autokultur, bei der das Fahrzeug eine zentrale Rolle im Alltag einnimmt. Dennoch bleibt es aus Umwelt- und Ressourcenperspektive natürlich fragwürdig, warum das Auto weiter läuft, wenn man sich an einem schönen Ort aufhält. Das Ganze hat also viel mit kulturellen Unterschieden und Bequemlichkeit zu tun, auch wenn es für uns anderswo lebende Menschen eher merkwürdig erscheinen mag.“ 😳🤷‍♀️

Wenn ich in Wuppertal einen Fahrer sehe, der einen Dodge RAM fährt, dann denke ich immer: Wo willst du Horst eigentlich diesen Klotz parken? In den USA scheint es Usus zu sein, dass 50 % aller Autofahrer solche Monstertrucks fahren. Ich habe sie mir eine Woche lang angeschaut: Nur einer (1) hatte etwas zu transportieren, der Rest fuhr leer. Vielleicht kommt es daher, da viele Ahnen der Amerikaner mit Planwagentrecks hergekommen sind? Gegebenenfalls prägt das für Generationen, riesige Transportmittel mit mannshohen Rädern zu fahren, auch, wenn man schon seit Anno 1620 nichts mehr Gravierendes zu transportieren hat. Just kidding.

Die Stadt Dennis, Massachusetts (auf Cape Cod gelegen) hat nur 14.000 Einwohner. Uns wurde der Supermarkt „Dennis Public Market“ wärmstens ans Herz gelegt: Wegen der Stullen. Wir waren da, haben uns unseren Strandproviant von wahren Meistern der Stulle anfertigen lassen. Ich hatte Corned Beef mit groben Senf, die Damen hatten Stullen mit Hähnchensalat, Cranberry und Nüssen. Holy Moly! Gegen den Remoulade-Rotz deutscher Bäckereien war das ⭐️⭐️⭐️⭐️! Die Guten backen auch eigene Kekse – say no more.

Fun Fact: Cape Cod heißt übrigens „Kap Kabeljau“. 🥳

Morgen geht’s zurück nach Montreal.

Freitag, 23. August 2024

Kanada-Urlaub 22.08.24

Was machen kanadische Eichhörnchen eigentlich in ihrer Freizeit? Das Anknabbern von Mülltonnen scheint ein spannendes Hobby zu sein. Rasselbande!

Die Nachbarn in Rosemère stellen ihre in Kellern feucht gewordenen Möbel und andere Dinge an die Straße.

Roadtrip in die USA mit Chrissi und ihrer Mom!

Die Grenzüberquerung von Kanada (Quebec) in die USA (Vermont) dauerte eine halbe Stunde. Wir saßen in einem Office, Handynutzung war strengstens untersagt, Ausweise und Wagenschlüssel hatte man uns abgenommen wegen Fluchtgefahr oder was auch immer. Zur Beruhigung aller Wartenden liefen Bob Ross-Videos von 1985 auf Bildschirmen. Ich musste meine Fingerabdrücke abgeben und sehr artig so spannende Fragen beantworten wie: Why exactly are you visiting the USA? What’s your job? Do you have weapons or drugs with you? Have you been in Iraq or Afghanistan lately? In der Zwischenzeit inspizierten Beamte mit Spezialhunden unser Gefährt. Alter Schwede!



In Richmond, Vermont (4.150 Einwohner) machten wir halt, ich hatte ein Truthahn-Sandwich und ein Lokal gebrautes Rootbeer vom Fass. Super! Ich hätte gleich bleiben können! Über New Hampshire ging es weiter nach Massachusetts, alles gemütlich mit 65 Meilen/Stunde. Der Stop-and-Go-Verkehr um Boston kostete Nerven und einige Stunden an Zeit. Irgendwann nach über elf Stunden Fahrt kamen wir in Sandwich (20.000 Einwohner) auf der Halbinsel Cape Cod an.


Das AirB&B ist echt fein, wir wohnen direkt gegenüber von einem See (Shawme Lake) und die Häuser hier sind malerisch. Es gibt Kolibris. 🤩 Abends tosen aus den Bäumen Zikaden mit Fröschen (Grey Treefrog) um die Wette. Die Nächte sind sternenklar. Wenn unser Nachbar Peter versucht, sich morgens um sieben mit seiner Harley vom Gelände zu schleichen, bekommt man das kaum mit — Spaß. Es würde besser klappen, wenn er einen vernünftigen Auspuff hätte.


Wir kommen rum, es gibt viel zu sehen. Heute haben wir das Edward Gorey House Museum besucht (ein wirklich schräger Illustrator mit schwarzem Humor). Ein altes Postamt kam des Weges. Später waren wir am Strand von Hyannis, wo Schalen von Pfeilschwanzkrebsen von der Größe von Sturzhelmen herumliegen. 😳 No kidding!

Die lokale Bevölkerung fährt mit dem riesigen Dodge RAM bis zum Parkplatz am Strand und starrt dann durch die Frontscheibe aufs Meer. Die Seitenscheiben lässt man sicherheitshalber oben. Und natürlich lässt man währenddessen den Motor laufen. Rätselhaftes Volk.


Sonntag, 18. August 2024

Kanada-Urlaub 17.08.24

Gestern endlich war es so weit und wir stolperten zur Mittagszeit in einen Frite Alors. Natürlich war ich als Poutine-Fan begeistert von der großzügigen Auswahl auf der Karte. Ich hatte eine Poutine «la générale tao», die ich natürlich schon aus Gründen des wirklich gewagten kulinarischen Crossovers nehmen musste. Die Fritten waren angerichtet mit paniertem Hähnchen, Sesam und der „ausgezeichneten Geheimsauce des Generals. Beste Poutine ever! Root-Beer: Alter Schwede!

Wir wohnen noch immer bei Freundin Brenda in NDG (Stadtteil „Notre Dame de Grace“). Ich hatte noch einen Garten-Tag und somit die Gelegenheit, über die wirklich BOLD lärmenden Zikaden zu recherchieren: Die Bruten leben eine Primzahl an Jahren unter der Erde, gerne 13 oder 17 Jahre, um ihren Fressfeinden zu entgehen. Dann kommen sie raus und lärmen. Zurzeit passiert etwas, was nur alle 221 Jahre vorkommt: Die 13er und die 17er sind gleichzeitig geschlüpft. Um die Ortung durch Fressfeinde zu erschweren, synchronisieren sich die Zikaden und erzeugen eine rasenmäherlaute „Wall of Sound“. Respekt.

Wir sind viel mit Bus und U-Bahn unterwegs, vorgestern Mittag haben wir uns gen Schwartz’s Deli aufgemacht. Es ist ein berühmtes jüdisches Delikatessengeschäft, das für sein legendäres Montreal-Style Smoked Meat bekannt ist und berühmt für seine einfachen, aber köstlichen smoked meat Sandwiches mit Senf und Roggenbrot. Die lange Warte-Schlange (1/2 Stunde) vor dem Laden gehört einfach dazu. Innen ist es fast schon schräg rustikal-schrammelig, eine Zeitreise in die 50er. Der Küchenchef drückt einem zur Stulle eine große Salzgurke in die Hand, als Getränk empfiehlt er Cott’s Cherry Cola (abwegig synthetisch, das finde sogar ich 😊).

Gestern Abend haben wir uns mit der Familie von Chrissis Schwester bei einem Mexikaner getroffen, danach haben sie uns freundlicherweise zurück zu Brenda gefahren. Leider ist auf dem Rückweg ein Unfall passiert, (fast) nur Blechschaden. Ein Auto wurde von einem LKW in unseres gedrückt. Unser Fahrer hatte einen Meltdown, Krankenwagen und Polizei rückten an, mein Neffe und eine Mitfahrerin wurden kurz verarztet, das alles knapp vor Mitternacht mittenmang auf dem Decarie Expressway. Der flammeneue Mietwagen sah etwas betreten aus. Weia. Ich hoffe, dass jetzt nur noch ganz feine Sachen passieren.

Heute waren wir mit Brenda auf dem Marché Atwater, was für ein hervorragender Markt für Gemüse, Käse, Fleisch. Augenschmaus. Morgen geht’s zum Mont Royal. 

Donnerstag, 15. August 2024

Kanada-Urlaub 13.08.24

Die Schwiegermutter brachte uns mit dem Auto nach Oka, wo wir recht ländlich in einer Pizzeria kanadische Freunde getroffen haben. Von da aus ging’s weiter mit der OKA Ferry, ländlich, ländlich weiter in Richtung Montreal.

Der innerstädtische Verkehr staute sich bis zum Horizont, das Navi sagte „geradeaus“ die Schwiegermutter sagte „rechts“, am Ende dauerte der ganze Spaß drei Stunden. Ein ganz typischer Fall von „höhere Gewalt“! 😉🤷‍♀️ So tuckerten wir in Schrittgeschwindigkeit an diversen Sehenswürdigkeiten vorbei wie dem Gibeau Orange Julep, ursprünglich ein Orangen-Milchshake aus den 30ern, der in den 60ern das passende ikonische Gebäude nebst Fastfood-Diner dazu bekam.

Irgendwann kamen wir sogar bei der lieben Freundin Brenda in NDG (Stadtteil „Notre Dame de Grace“) an. Aufgrund meiner Knie-Situation habe ich einen eBook-Tag eingelegt und mich vom hochfrequenten Schwirren der Zikaden durch den Tag tragen lassen, auch mal schön.

Gestern ging’s zum Boulevard Saint Laurent, auch liebevoll „The Main“ genannt, ist eine der wichtigsten und bekanntesten Straßen Montreals und gilt als kultureller Schmelztiegel der Stadt. Besonders das jährlich stattfindende Mural Festival hat dazu beigetragen, dass sich die Gegend zu einer Art Freilichtgalerie entwickelt hat. Genau unser Ding! Dazu gibt’s herrlich schrammelige Fassaden, krasse Secondhand-Läden und feine Cafés und Eiscafés.

Gestern Abend haben wir wieder Freunde getroffen, diesmal in einem Dumpling-Restaurant. Rockt!

Montag, 12. August 2024

Kanada-Urlaub 10.08.24


Das Riesenfest mit 80 Gästen zum Thema „4x80“ hat stattgefunden. Alle glücklich! Ich sprach stundenlang in fremden Zungen! Es fand auf einem Grundstück direkt am ‚Rivière des Prairies‘ statt. Der Fluss ist ein Nebenfluss des Sankt-Lorenz-Stroms, ist an seiner breitesten Stelle bis zu zwei Kilometer breit, aber nur ca. 50 km lang. Flüsse können die hier! 

Gestern waren wir mit dem Auto in Montreal, zuletzt fanden wir einen Parkplatz auf einem leerstehenden Grundstück, wo man seinen Wagenschlüssel abgeben muss, damit die Parkwächter in deiner Abwesenheit den Wagen drölf mal umparken können. Der ganze Spaß kostete 25 C$, aber, na ja, der Wagen ist ja auf seine Kosten gekommen.

Auf dem Rückweg gab’s noch einen Abstecher bei Fairmount Bagel, wo man die traditionell in Rosenwasser gekochten und dann im Ofen gebackenen Bagel kaufen kann. Und weil man auf einem Bein noch stehen kann, kauft man hier nur Mengen, die Vielfache von 12 sind.

Wenn man hier den Wetterbericht studiert, um herauszufinden, was man anziehen soll, ist auf jeden Fall zu bedenken: Malls und Supermärkte werden so brutal klimatisiert, sodass ich ständig das Gefühl habe, ich könnte meinen Atem sehen! Das alles ist nichts für kurze Ärmel, sonst sieht man binnen Minuten aus wie Jack Nicholson in der Schluss-Szene von Shining. Außerdem schiesst das Wetter ohnehin quer und baut mindestens einen unangekündigten Wolkenbruch pro Tag ein, just for fun!

Heute morgen während des Frühstücks tauchte ein Geschwader von Handymen (Handwerkern) auf und rissen binnen 20 Minuten den Teppichboden aus dem überschwemmten Keller und luden ihn mitsamt der aufgequollenen Matratze auf einen Hänger. Rasant.

Samstag, 10. August 2024

Kanada-Urlaub 09.08.24

Familientreffen in Kanada

Gestern waren wir alle zusammen bei einem griechischen Restaurant mit dem kuriosesten Namen „Casa Grecque“. Es war ein bring your own bottle-Restaurant ohne teure Schankgenehmigung, die sich auf die Preise ausgewirkt hätte. Hast du kein Bier oder Wein aus dem Liquor-Store dabei, kuckst du nur. Es gab Leitungswasser mit Eis für alle, das so stark nach Chlor schmeckte, als hätte man es mit Kellen aus einem Swimmingpool geschöpft. Ich hatte eine Pepsi Light, leider aus Konzentrat, die – Surprise – krass nach Chlor schmeckte. 



Während des Restaurantbesuchs regnete es Hunde und Katzen, Straßen standen unter Wasser. Als wir wieder am Haus von Chrissis Mom, meiner Schwiegermutter, ankamen, lief gerade der Keller voll. Wir evakuierten unseren Kram, denn genau hier hatten wir uns eingerichtet. Der Emergency-Man meiner Schwiegermutter namens Thomas konnte nicht rumkommen, da er selbst absoff, 911 Feuerwehr konnte nicht, da sie 1.000 Fälle hatten. In Rosemère gab es allein 600 unter Wasser stehende Keller, viele hatten das Pech, dass es Abwasser war. Dann tauchte ein hilfsbereiter Nachbar (Typ französischer McGyver) mit einer Riesenpumpe auf und der Keller war bis 1.00 Uhr in der Nacht leergepumpt. Heute Morgen hat er uns aus dem Bett geklingelt und ein Baugebläse vorbeigebracht. 😳😳👌🏻

Heute kommt die Sonne raus und die große Party „4x80“ wird nach dieser Geschichte sicherlich ganz wunderbar! 😉🥰

Dienstag, 14. Februar 2023

Auch wieder nicht richtig

Foto von Tara Raye auf Unsplash

Wenn Menschen sich fortgepflanzt haben, dauert es nicht mehr lange, bis sie die Frucht ihrer Lenden für dermaßen vorzeigbar halten, dass sie mit dem rosigen Ding z.B. an ihrer Arbeitsstelle aufkreuzen, um es den Kollegen zu zeigen -- warum auch immer. Es gibt wirklich nichts Uninteressanteres als Säuglinge!
Zudem ist es mir bislang nicht gelungen, bei einem solchen Anlass das Richtige zu sagen.

Aktuell tauchte ein Kollegin mit ihrem Enkelkind-Baby auf. Ganz klassischer Fall von "WTF?" -- das ist ja noch abwegiger und weiter hergeholt, aber egal. Aber ich wollte mich ausnahmsweise mal sehr zusammenreißen und nicht erwähnen, dass es aussah, als habe es einen Boxkampf verloren. Das Beste, was ich über das Baby sagen konnte war, dass es "mit dem Kartoffelkopf wohl per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist" -- war auch wieder nicht richtig.
Seufz.



Mittwoch, 23. November 2022

Things we lost (in the fire) — Inhaltsverzeichnis

Midjourney

Things we lost (in the fire) - wie alles begann

Things we lost (in the fire) - Teil 01: Mamiya Seagull 4
Things we lost (in the fire) - Teil 02: Opa Heinrichs Reiseköfferchen
Things we lost (in the fire) - Teil 03: Langspielplatte INXS Kick (1987)
Things we lost (in the fire) - Teil 04: Papas Hohner Mundharmonika
Things we lost (in the fire) - Teil 05: T.W.s Besteck
Things we lost (in the fire) - Teil 06: Fotoalbum Rucksackurlaub
Things we lost (in the fire) - Teil 07: Dukatenbäumchen
Things we lost (in the fire) - Teil 08: Märchenbücher
Things we lost (in the fire) - Teil 09: Ölgemälde
Things we lost (in the fire) - Teil 10: P.M. Erstausgabe (1978)
Things we lost (in the fire) - Teil 11: "Chrom brennt"
Things we lost (in the fire) - Teil 12: Opa Karls Taschenmesser
Things we lost (in the fire) - Teil 13: Anthologie »Gedanken im Netz 2«
Things we lost (in the fire) - Teil 14: Omas Zuckerdose
Things we lost (in the fire) - Teil 15: Kinderbuch von Richard Scarry
Things we lost (in the fire) - Teil 16: "Ding, mit dem man über Landkarten rollt"
Things we lost (in the fire) - Teil 17: Brunsviga
Things we lost (in the fire) - Teil 18: drei Dinge
Things we lost (in the fire) - Teil 19: Chrissis Gastbeitrag
Buddies we lost (in the fire) - Teil 20: Oskar (Ozzy)
Buddies we lost (in the fire) - Teil 21: Sammy

Things we lost (in the fire) — Yin und Yang (Gedanken)
Things we lost (in the fire) — Was ihr selbst tun könnt
Things we lost (in the fire) — Danke (letzter Teil der Serie)



Montag, 21. November 2022

Things we lost (in the fire) — Danke (letzter Teil der Serie)

Thanks to Morvanic Lee @morvanic on Unsplash

Ich kann nicht an das Feuer denken, ohne auch an die Welle der Hilfsbereitschaft zu denken, die uns widerfahren ist. Buchstäblich nahezu jeder, den wir kennen, seien es Schulfreunde, Bekannte, aktuelle und ehemalige Arbeitskollegen und Verwandte haben liebe Worte gesendet und/oder Möbel oder Geld gespendet und/oder ihre Hilfe angeboten. Meine Arbeitskollegen haben neben Geld sage und schreibe siebzehn Urlaubstage gespendet — wie genial, wie unglaublich ist das?

Es gab anfangs eine winzige Hoffnung, dass eine oder sogar beide Katzen das Feuer überlebt haben. Freunde haben recherchiert, Suchplakate erstellt und aufgegangen, mit Passanten gesprochen und sich auf dem Friedhof nach dicken Katzen umgesehen. Es wurde nichts unversucht gelassen und dafür bin ich unglaublich dankbar, auch wenn wir letztendlich die traurige Realität anerkennen müssen.

Die Summe all dessen macht warm ums Herz! 

Ohne meine Chrissi und ihr Social-Media- und Organisationstalent würde ich heute im Keller einer leerstehenden Fischfabrik in Dormagen leben 😉. Durch ihre unermüdlichen Bemühungen haben wir bereits von Kanada aus eine tolle, neue Wohnung gefunden (was ich heute noch total unglaublich finde), die wir am 01.12.22 beziehen werden — Yay!!! — ich habe so ein Glück, sie zu haben.

Am Ende wird alles gut sein.
Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.
Danke euch allen, ihr lieben Menschen, die das mit möglich gemacht haben! Ihr habt für immer einen Platz in meinem Herzen! <3


P.S.: Bloggen werde ich weiterhin, ich habe wieder Spaß daran.
Mir schwebt eine neue Reihe vor, ich bin selbst mal gespannt.  

Freitag, 18. November 2022

Things we lost (in the fire) — Was ihr selbst tun könnt

Thanks to C Dustin @dianamia on Unsplash

Weiterhin zu vervollständigende Liste von Maßnahmen, die Verlusten von Leben, Daten und Dingen vorbeugen können:

Fluchtwege & Rauchmelder
In jedem öffentlichen Gebäude sind sie eingezeichnet, bei euch zu Hause nicht: Fluchtwege. Bitte prüft jetzt eure Fluchtwege. Was könnt ihr tun, wenn das Treppenhaus bereits in Flammen steht? Kommt ihr übers Fenster oder den Balkon zu den Nachbarn oder auf ein Garagendach oder einen anderen Balkon? Von wo aus, von welchem Fenster aus kann euch die Feuerwehr ideal aus dem Gebäude pflücken? Am besten, ihr macht euch das jetzt klar.
Vermieter hängen Rauchmelder auf, weil der Gesetzgeber sie seit 2013 dazu nötigt. Bei uns im Haus wurden von einem Helfershelfer Billo-Rauchmelder von der Resterampe angepappt, sie fielen drei Tage später von der Decke. Wenn dann neun Jahre später die Hütte brennt, ist das Ergebnis erwartbar suboptimal, gelinde gesprochen. Also kümmert euch notfalls bitte selbst darum. Für ein paar Euros mehr gibt es auch Kombinationsgeräte Kohlenmonoxyd- plus Rauchmelder, das ist vielleicht die bessere Wahl. Ein paar Minuten früher oder überhaupt gewarnt zu werden, kann über sehr viel oder alles entscheiden.


Versicherung
Eine Hausratversicherung gehabt zu haben, war die beste Entscheidung ever. Hätte ich auch nicht gedacht. (Achtung: auf jeden Fall mit Unterversicherungsverzicht abschließen, damit ihr im Schadensfall nicht nur Peanuts bekommt). Was die Versicherung zahlt: Eine festgelegte maximale Versicherungssumme. Dafür wollen sie lange Excel-Listen und drölfzig Fotos und Rechnungen und es dauert, aber nach 45 Tagen haben sie schon zwei große Teilzahlungen geleistet. Die Versicherung zahlt auch eine vorübergehende Unterkunft. Und die Entsorgung des Schutts: brennt die Hütte ab, wird eines Tages auch mal der Abraum weggeschafft. Dieser wird -- sehr deutsch -- müllgetrennt, das löhnen dann anteilig Hauseigentümer, Versicherungen und — unversicherte Mieter. Sehr nice, vor allem für die Unversicherten.


Tresor
Vielleicht wiegt man sich mit einem Tresor in falscher Sicherheit. Ist das Treppenhaus erst mal fort, ist ein Tresor im dritten Stock eine ziemlich theoretische Angelegenheit, so wie das Silber auf der Titanic. Wasserdicht sollte er übrigens auch sein. Selbst, wenn er noch da steht, wo ihr ihn abgestellt habt und nicht in die Stockwerke darunter gekracht ist. Vielleicht kann ihn 1,5 Jahre später das Abrissunternehmen bergen. Klingt nicht dolle.


Was wir besitzen, was wir besaßen
Diese Wolke aus Dingen, die uns zu Hause halb bewusst ständig umgibt. Ist sie erst einmal fort, kann man sie im Kopf kaum rekonstruieren. Was genau ist noch mal in der vorletzten Küchenschublade? Macht bitte einmal im Jahr wenigstens einen Videorundgang durch euer Gemäuer, öffnet dabei alle Schubladen und Schränke und haltet einfach alles fest, vom Fußboden bis zur Decke. Es könnte sein, dass ihr eines Tages eine Liste für einen Versicherer schreiben müsst (oder im Falle eines Einbruchs auch für die Polizei). Diese Filme, Fotos und Rechnungen gehören übrigens in die Cloud, zumindest aber außer Haus, sonst nutzt es nichts.


Festplatten
SSD-Festplatten sind übrigens nach einem Brand "etwas besser rettbar" als HDD-Platten. Die Kosten für Festplattenrettung gehen los bei 600,00 € (Festplatte hat ihre Zuordnungstabelle verbummelt) bis open end (Klumpen Schlacke mit Erinnerungslücken). Festplatten bringen wirklich nur etwas, wenn ihr sie nicht im Haus habt, also lagert sie bei (selbstredend woanders wohnenden) Freunden, Verwandten oder Banken und frischt ihre Inhalte turnusmäßig auf.
Das ist nicht praktisch, aber möglich.


Cloud
Ich hatte einen iMac mit einer TimeMachine-SSD und eine iCloud, für die ich bezahlt habe, aber das reicht nicht. Man muss die iCloud auch einrichten, sonst speichert sie einen scheiß. Ich war tatsächlich so naiv anzunehmen, dass es schon „von selbst alles wichtige irgendwie speichert“ (facepalm). Ich hatte auch ehrlich gesagt gar keine rechte Lust, mich damit auseinanderzusetzen, son Gedöns habe ich schon genug bei der Arbeit. Dadurch habe ich das mit der iCloud jetzt auf die harte Tour gelernt. Alle Fotos „vor Apple“ und sehr viele Dokumente sind verloren. Seid einfach schlauer, als ich es war und richtet es JETZT ein.
Es gibt übrigens jede Menge europäische Cloudlösungen, es muss nicht Google Drive sein.


Was in die Cloud gehört
⊛ Eure Videorundgänge von der Wohnung, Fotos vom Interieur
⊛ Rechnungen der teuren Dinge wie Thermomix, KitchenAid, Fernseher, Computer usw.
⊛ Scans aller eurer Versicherungspolicen (dankt mir später)
⊛ Scans aller Zeugnisse
⊛ Scans der Ausweise
⊛ Scans der Testamente
⊛ Ein Passworttresor, auf den euer/eure Partner/in zugreifen könnte, wenn er/sie denn müsste

Macht. Es. Jetzt.


Donnerstag, 17. November 2022

Things we lost (in the fire) — Yin und Yang (Gedanken)

Thanks to Aneta Pawlik @anetakpawlik on Unsplash

Als Kind der 70er spielten wir oft als wilde Horde von einem Dutzend und mehr Kindern auf einem damals noch unbebauten Grundstück, das wir „Die Hohe Wiese“ nannten. Gemeint war das hoch wachsende Gras. Das Areal lag in etwa dort, wo heute in Radevormwald der Penny-Markt steht. Eines Tages entdeckte eines der Kinder in der Erde einen zusammengeschmolzenen Klumpen blauen Glases, von der Größe und den Abmessungen in etwa wie ein Faustkeil. Die obere, gerundete Seite war geschwärzt und blasig, doch wenn durch den mittleren Teil Licht fiel, dann war es von einem mystischen, tief ozeanischem Blau. Es war ein Blau, bei dem das Horn eines Ozeandampfers ertönte, wenn man es sah. Wir Kinder hüteten dieses Objekt wie einen Schatz. Doch eines Tages beschloß einer der Jungs, es mit einem Stein zu zertrümmern und alle anderen vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Obwohl das nahezu 50 Jahre her ist, kann ich den Verlust des „Schatzes“ noch heute spüren.
Es ist schon verrückt, wie wir uns auch schon in jungen Jahren an zufällige Objekte klammern können.

Es ist so viel verloren gegangen. Aber es sind nicht nur die guten Dinge vernichtet worden durch den Brand.
Es gab Hemden, die ich nicht mochte (aber meine Frau Chrissi). Es gab ein zwanzig Jahre altes, schwarzweißes Hawaii-Hemd, welches ich auf Teufel komm raus behielt, für das ich aber hätte 40 kg abnehmen müssen, um es tragen zu können. Mein Bürostuhl, 2020 erworben bei Amazon, war ein Möbel das ich verfluchte, sobald ich ihn benutzte — und der hätte sicher noch die nächsten 10 Jahre genervt. Die Couch im Wohnzimmer hatte beileibe schon bessere Tage gesehen. Unsere Mikrowelle war ein sehr schlichtes Ding — ich hatte gehofft, dass sie mal den Geist aufgibt, damit wir eine bessere anschaffen können, aber sie hätte aus Frack noch bis zum Sankt Nimmerleinstag durchgehalten. Da war das in Folie eingeschweißte Buch, über das ich in Teil 13 dieser Reihe geschrieben habe. Es gab etliche „Baustellen“, unordentliche Ecken, Nester aus Chaos & Entropie und sich fluffig auftürmende, unsortierte Papierberge — alles eine einzige Mahnung, die ständig Energie kostete, sie zu ignorieren. Auch das ist alles fort, fort wie nie da gewesen.
Es ist immer etwas Helles im Dunkeln und etwas Dunkles im Hellen.

Ich habe oft gedacht, dass ich zu viele Dinge habe. Der Normalbürger besitzt wohl einige tausend Dinge (Web-Artikel). Ich hatte schon sehr viel ausgemistet im Laufe der Jahre, doch es fühlte sich manchmal schon an wie eine Last: „Alles, was du hast, hat irgendwann dich“ (Fight Club). So leicht man Krempel bestellen kann — drei Klicks und morgen ist es da — umso schwerer ist es, das alles wieder loszuwerden. Chrissi und ich hatten zwei Staffeln der Netflix-Serie „Tiny House Nation“ gesehen und ich habe mir dabei oft vorgestellt, wie es wäre, in einem solchen Winzhaus zu leben, ich stellte mir das immer ungemein romantisch-befreiend vor. Mir war aber klar, dass wir unseren Plunder nie-nie-niemals um die erforderlichen 90 % reduziert bekämen.
Surprise.
(Spoiler: Wir ziehen nicht in ein Tiny House.)

Ich habe früher mehr als einmal, in Anbetracht unserer immensen Besitztümer, gesagt: Das beste ist, die Bude brennt mal ab. 
(Spoiler: Es ist großer Mist.)
Dann bitte lieber immer weiter aussortieren.

Heute weiß ich, dass alle Gegenstände, die mir wirklich etwas bedeutet haben, in einen einzigen Umzugskarton gepasst hätten.
Darüber denke ich viel nach in letzter Zeit.


Dienstag, 15. November 2022

Buddies we lost (in the fire) - Teil 21: Sammy


Sammy kam ein Jahr nach Oskar zu uns, diesmal über Bekannte einer anderen Arbeitskollegin. Wir hatten ihn wegen seiner gefleckten Schnute gecastet und weil er alles andere als schüchtern wirkte (merke: sowas wächst sich nicht raus). Er war auf jeden Fall winzig und schlaksig wie ein Marsupilami und hat vom allerersten Tag an bereits als Knirps schon große Charakterstärke gezeigt: Wenn er etwas wollte, bekam er es. So gelang es ihm durch permanente, geheimnisvolle Expansion seines winzigen Körpers, den Platz im Katzenkörbchen für sich alleine zu beanspruchen, Oskar musste dann zusehen, wo er blieb. Platz genug wäre zu diesem Zeitpunkt noch dicke für beide gewesen.

Bereits nach kurzer Zeit hatten wir bei WhatsApp-Nachrichten zwischen Chrissi und mir in seinem Zusammenhang das Smiley „🙄“ so häufig benutzt, dass es am Ende einfach zu Sammy dazu gehörte. Er war schon echt ein Charakter.

Während Oskar uns in der Regel still anpuschelte, um auf sich aufmerksam zu machen, hupte Sammy herum. Wenn ihm etwas nicht passte, lag er wie ein gelangweilter Teenager im Weg herum — aus Protest — und hupte ihn unregelmäßigen Abständen. Man musste dieses Tier einfach lieben! Deswegen nannten wir ihn „die Hupe“.

Sammy war Fan von Wasserspielen. Oft saß er in der Doppelspüle und wartete darauf, dass das im langen Wasserhahn verbliebene Wasser herauslief, um es zu schnappen. Diese Mischung aus wasserscheu und wildem Jäger war schon extrem niedlich.

Sammy wartete abends mehr oder weniger geduldig, bis wir mit dem Essen fertig waren, um sich auf der Couch zuerst von Chrissi nach allen Regeln der Kunst durchpuscheln zu lassen. Danach wechselte er zu mir, lag an meiner Seite und ließ sich kraulen, bis es genug war. 

Die Hupe wird mir fehlen.


Inhaltsverzeichnis der gesamten Serie


Montag, 14. November 2022

Mein Gehirn denkt sich Sachen aus (2)

Midjourney

Ich habe geträumt, dass wir aus der abgebrannten Wohnung nur eines retten konnten: den Mond. Er war jetzt würfelförmig, glomm leicht und es fehlen einige Teile, sodass Schlitze fehlten wie beim unfertigen Todesstern. Wir wohnten jetzt in einem Mies-van-der-Rohe-Bungalow in einem Schilf-Garten — Träumchen! Allerdings nahm der Miniatur-Trabant auch viel Platz weg in der neuen Wohnung. In der Nacht glomm er blass vor sich hin.
Später ist der Wohnzimmer-Mond dann ausgebüxt und machte seinen Job — er illuminierte die Landschaft.


Sonntag, 13. November 2022

Buddies we lost (in the fire) - Teil 20: Oskar (Ozzy)



Wenn man einer Gruppe Menschen signalisiert, man hätte gerne ein Kätzchen, dann dauert es nie lange, bis man mit Flauschmoppels zugeworfen wird. Ich hatte in der Firma solches fallenlassen.

Die Nachbarin meiner Lieblingskollegin hatte beim Einparken in Dunkeln ein weitestgehend schwarzes Kätzchen angefahren, es war angedötscht, hatte eine doppelt gebrochene Hüfte und bedurfte medizinischer Hilfe. So fangen natürlich nicht gerade die idealen Katzengeschichten an. Wir wollten doch ein Kätzchen, keinen Pflegefall! Aber dann wurden wir zu dem Tier gelotst und wenn man dann mal das arme Ding da herumschlingern sieht, tja. Tierarzt hier, Milben entfernen, Tierarzt da, auch mal Samstags zum Tiernotarzt wegen Komplikationen mit der Hüfte. Bangen, dass die Kreatur überlebt.

Wenn Oskar, wie er mittlerweile hieß, uns in der Wohnung mal für 5 Stunden ghostete, also mit den Schatten verschmolz — seine Superkraft — unauffindbar blieb, dann knabberten wir schon Fingernägel, in der Angst, dass er sich verkrochen hatte, um in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Oskar focht das nicht an, er gedieh prächtig. 

Wollte ich Oskar auf den Arm nehmen, aber er wollte nicht, dann signalisierte er das, nie sauer, nie unfreundlich. Mehrfach täglich schlitterte er bei einer Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagd, bei der er sich selbst jagte, durch die Wohnung, Kater Sammy brachte sich dann immer vorsichtshalber in Sicherheit. Wenn er mal seine Ruhe haben wollte, dann verschwand er im Schmutzwäsche-Behälter, oder, wie wir es nannten: „Ozzy ist im Darknet“.

Er war geboren für die Schatten, er war der Fürst der Finsternis, Aszendent Fledermaus. MegamüdeTM war sein eingetragenes Warenzeichen, was manchmal sogar zu einer MegamüdeTM-Inception führte, wie im oben eingebetteten Bild (Bild antippen zum Vergrößern). Wenn wir Besuch bekamen, war er der erste an der Tür um alle zu begrüßen. Wenn Kinder dabei waren, legte er sich später immer so niedrig hin, dass sie ihn erreichen konnten. Hatten wir Handwerker, mussten sie ihn ständig zur Seite schieben, denn Oskar war als Inspektor Ozzy immer an vorderster Front mit dabei, Smiley: 🧐.
Ich habe nie einen sozialeren, interessierteren, freundlicheren Kater kennengelernt.

Am Tag unserer Abreise hatte Oskar es sich auf Chrissis schwarzem Koffer gemütlich gemacht, denn auf schwarz war er schließlich unsichtbar. Ich musste beim Packen meines Koffers unzählige Male dort vorbei und konnte es nicht ein einziges Mal unterlassen, den Unsichtbaren auf die warme Stelle zwischen Kopf und Ohr zu küssen, er hat es ohne Murren über sich ergehen lassen.

Das ist meine letzte Erinnerung an ihn. Nichts, was ich schreiben kann, wird ihm gerecht. Oskar war die reinste Seele, die ich kannte.


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Samstag, 12. November 2022

Things we lost (in the fire) - Teil 19: Chrissis Gastbeitrag

Kindergeburtstag

Chrissis Gastbeitrag
1990 hatte ich gerade mein Grafikdesign-Diplom in der Tasche und wollte in Kanada durchstarten. Leider gab es eine Rezession und Jobs waren Mangelware. Die Zeitungen waren voll mit Stellengesuchen, aber Angebote gab es nicht. Also beschloß ich abenteuerlustig, mein geliebtes Montreal zu verlassen, um in Hamburg ein Praktikum in der Werbeabteilung bei Hapag Lloyd zu machen. Von dort aus waren meine Eltern vor 22 Jahren nach Kanada ausgewandert und meine Oma Ilse lebte noch dort. Wenn die Rezession nach einem Jahr vorbei wäre, würde ich mit besseren Deutschkenntnissen und Auslandserfahrung unterm Arm nach Montreal zurückkehren und schnell einen tollen Job finden!

Am Tag der Abreise bekam ich von meiner lieben Mom ein Fotoalbum — damit ich alle nicht vergesse, wenn ich so lange so weit weg bin. Es enthielt Fotos von mir als Baby, der Schulzeit in Kanada mit Skiausflügen, meine Balettaufführung als Pink Panther, den Tagen ohne Strom und fließend Wasser auf meinem Lieblingsort Ain’s Insel, der wilden Hippiezeit meiner Eltern und viele Fotos von Freunden durch die Jahre. Es gab Fotos von den Katzen Minzipinzi auf dem Geschenketisch meines sechsten Geburtstages und von Psychocat in meiner ersten eigenen Wohnung in Montreal, die ich zusammen mit meiner Schwester Anja bezog.

Die Rezession dauerte tatsächlich sieben Jahre und ich blieb in Deutschland. Ich lebte vier Jahre lang in Hamburg, 17 Jahre in Berlin und elf Jahre lang in Wuppertal und das Album war immer nah und hat mir gezeigt, wo ich herkam — die Menschen, die Orte, die Erlebnisse. Von allen Dingen, die ich verloren habe, ist dieses Album der herbste Verlust.

Ich werde weitere Dinge, die ich im Feuer verloren habe, auf Facebook posten — wer mag, kann von Zeit zu Zeit dort vorbeisehen. Ich freue mich drauf, ab Dezember mit Henning ein neues Zuhause aufzubauen und dort neue Erinnerungen zu schaffen.


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Donnerstag, 10. November 2022

Reus, again

photo credit: Marco Reus via photopin (license)

Am Mittwochmorgen, den 01. Juni 2016 musste ich mir im Radio (WDR 5) fünf Minuten lang Geseihere darüber anhören, dass ein gewisser "Reus" nicht mit zur "EM" fahre. "EM", das hatte irgendwie vage mit Fußball zu tun. And a guy called "Reus": Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass es diesen Menschen überhaupt gab! Ich fasse die Fakten mal zusammen (8 Sekunden): Jener Reus ist "schon wieder nicht gesund" und darf "auch diesmal nicht mit". Dann hat der Sender noch die Stirn, stammelnden Pöbel in irgendwelchen Freilaufzonen deutscher Städte dazu zu interviewen, wie sie es finden, dass der Jogi Löw diesen Reus aussortiert hat wie einen alten Hamster.
Gottogott!!

Ich hatte diese sinnlose Begebenheit schon fast vergessen, als mir heute Morgen auf WDR5 mitgeteilt wurde, dass jener Reus, der mittlerweile schon beachtliche 33 Jahre alt ist, nun verletzungsbedingt nicht mit zur WM nach Katar fahre. „WM“, das hat irgendwie vage mit Fußball zu tun und „Katar“ was mit Husten. Also, nach allem, was ich bislang gehört habe — und das war wirklich nicht viel — ich hätte es geahnt, dass der junge Herr malade ist. Eigentlich hätte ich getippt, das alle weitaus fachkundigeren Beteiligten als ich sich das auch hätten denken können. Doch für die Ballfreunde auf www.ran.de war es „ein Schock“.
Is klar …

Butter bei de Fische: Der Reus hat offenbar schon als Kind gekränkelt. Das mit dem Ballspiel war vielleicht gar nicht so gut für seine krummen Haxen, vielleicht hätte er besser eine überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben sollen, in einem Pförtnerhäuschen oder „was mit IT“, so wie ich.
In zwei Jahren ist wieder EM.
Ich tippe auf „gelben Schein“ statt gelbe Karte, aus Gründen.


Sonntag, 6. November 2022

Things we lost (in the fire) - Teil 18: drei Dinge

Am 04.07.1953 heirateten meine Eltern. Bei den Dingen, die sie geschenkt bekamen, war auch eine überraschend filigrane Bowleschale aus geschliffenem Glas mit feinem floralen Muster. Dazu gehörte eine Bowle-Kelle und die Tassen. Bei den Parties seinerzeit gab es keine Vegetarier und Veganer. Auch musste augenscheinlich nie jemand noch fahren und meine Eltern mischten höllische Gebräue zusammen in dieser Bowleschale. Nachdem die Gäste ihren zweiten Bowlebecher intus hatten, herrschte immer spontan „Bombenstimmung“ (Zitat Queen Mom). Die bald 70 Jahre alte Bowleschale stand bei uns Wohnzimmer auf dem Midcentury (sic!) Modern-Schrank und beinhaltete einige mattsilberne Weihnachtsdeko-Kugeln, was sich summa summarum als zeitlose Installation entpuppt hatte. Tschüss, du alte Partygranate!

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Mein Vater war noch voll analog aufgewachsen und benutzte für Berechnungen in seinem technischen Beruf bis in die 70er-Jahre hinein einen Rechenschieber. Papa hat mir die Bedienung einige Male gezeigt, aber es war ein komplexes Hilfsmittel, das auch viel Mathekenntnisse voraussetzte. Beispiel: 60 x 250 wurde als 2,5 x 6 = 15 abgelesen und die drei fehlenden Nullen schlafwandlerisch im Kopf angehangen. Brutal! Die gesamte Bedienung setzte unterm Strich einiges an Mathe-Know-how, Tricks & Kniffe und gute Kenntnisse im Schätzen voraus. Die 80er-Jahre hatten mich natürlich bereits durch den Schul-Taschenrechner Texas Instruments TI30 LCD versaut — allzu ausgebufft war ich nicht. Den Rechenschieber hatte ich fein in der Antiken-Schublade aufbewahrt und manchmal schob ich etwas ratlos damit herum. Ade.

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Seinerzeit vor unerhörten 50 Jahren habe ich den allerchristlichsten Kindergarten St. Marien (Blogbeitrag) in der Blumenstraße in Radevormwald besucht. Eines Tages schien dort ein Kinderfotograf auf und lichtete uns ab. Heute säße der deswegen wegen drölfzig Datenschutzverbrechen im Knast. Meine Mutter hätte dieses dort entstandene Bild auch in 2x 50 Jahren nicht erworben, denn wir fotografierten schließlich selbst usw. usf., aber Tante Waltraud (TW) kaufte das schwarzweiße Bild und ließ es professionell rahmen. Das (wirklich sehr sweete) Kindergartenfoto von mir stand dann die nächsten Jahrzehnte bis zu ihrem Tod auf TWs Nachttisch. Nachdem ich es geerbt hatte, schaute ich mein damals noch brillenloses ich mit dem breiten Milchzahnlächeln hie und da an. War ich das? Immer noch? (Siehe „das Schiff des Theseus“). Jetzt ist es fort wie alle anderen analogen Fotos und alle digitalen Fotos aus der Zeit vor Apple.


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